Zwibbelsmaat Bad Breisig: 645 Jahre Geschichte mit buntem Markttreiben an rund 300 Ständen
Kirmes und vielfältigem Rahmenprogramm
Bad Breisig. Am Freitagabend startete in Bad Breisig der traditionelle Zwibbelsmaat. Der Begriff „traditionell“ trifft in diesem Falle wirklich zu, denn den ersten Markt dieser Art gab es bereits im Jahr 1374, als Breisig von Kaiser Karl IV. das Marktrecht erhielt. Wie so viele große Volksfeste hat auch der Bad Breisiger Markt christliche Wurzeln und hieß ursprünglich einmal Heilig-Kreuz-Markt. Dabei geht es um die Kreuzreliquie in der Kirche Maria Himmelfahrt, ein rund 10 cm langes Holzstückchen, als vom Kreuz Jesu stammend vom Templerorden nach Bad Breisig gebracht. Das weltweit größte und bekannteste Volksfest der Welt, das Münchner Oktoberfest, hat zwar mit rund 6,5 Mio. Gästen die Nase bezüglich der Besucherzahl gegenüber dem Zwibbelsmaat weit vorn. Aber mit in diesem Jahr bis zu 11,80 Euro pro Maß auch bei den Bierpreisen. Mit der Tradition hapert es gegenüber Bad Breisig dagegen ganz gewaltig, gibt es doch das Oktoberfest erst seit 1810, also erst lächerliche 209 Jahre. Da steht der Zwibbelsmaat mit 645 Jahren Geschichte doch ganz anders da.
Das Thema Bier zieht sich wie ein roter Faden durch die Markttage
Im Flyer „Historischer Zwibbelsmaat“ wurde als Markt-Datum mit 14. bis 17 September aufgeführt, schlägt man aber die erste Innenseite auf, erfährt man, dass schon am Freitag dem 13. das WarmUp, der Happy Feierabend und die traditionelle Kölsche Nacht der Freiwilligen Feuerwehr Bad Breisig (einer der Hauptpunkte des Rahmenprogramms) auf dem Programm standen. Das diesjährige Motto lautete „Wöhle, maggele und fiere!“. Unter „fiere“, also feiern, versteht man im Rheinland allgemein das eine oder andere Gläschen Bier - und manchmal auch etwas mehr. Das Thema „Bier“ zog sich dann auch wie ein roter Faden durch das vielfältige und bunte Programm der Markttage: Freitag wie schon erwähnt WarmUp als Happy Feierabend mit Bier vom Fass für einen Euro. Ab 20 Uhr Kölsche Nacht bei der Freiwilligen Feuerwehr Bad Breisig. Am Samstag um 15 Uhr dann der offizielle Auftakt des diesjährigen Marktes mit Anschlag eines Bierfasses durch den neuen Stadtbürgermeister Udo Heuser. Am Sonntagmorgen 10 Uhr „zünftiger Frühschoppen“ mit musikalischer Begleitung der „Original Goldbach Musikanten“ aus Kempenich. 16 Uhr Kölsch (also auch Bier) meets Schlager. Die SPD sorgte durchgehend mit ausgesprochen sozialen Bierpreisen an ihrem ständig gut besuchten Getränkestand dafür, dass auch wirklich niemand Durst leiden musste. Der Wassersportverein half ebenfalls mit einem Bierstand im Kampf gegen den Durst, daneben noch einige andere Stände. Am Abschlusstag, dem Dienstag, stand für 18 - 19 Uhr „Happy Feierabend“ mit - ja, richtig - Bier vom Fass auf dem Veranstaltungsprogramm.
Der Fassanstich als offizielle Eröffnung
Kommen wir zum „offiziellen“ Marktauftakt vom Freitag mit Fassanstich bei der Feuerwehr an der B9. Dort begrüßte Holger Klemm, Leiter der TouristInformation Bad Breisig die Gäste und übergab Wort und Mikro an den frisch vereidigten neuen Stadtbürgermeister Udo Heuser. Gespannt lauschte man seinen Worten, war es doch die erste Ansprache des quer eingestiegenen Mandatsträgers. Heuser wies auf die historischen Wurzeln des Marktes hin. Auch wenn sich dieser seit 1374 in seinem Erscheinungsbild geändert habe, stehe er weiter für den Handel mit Waren aller Art und die Veranstaltung bleibe ein Treffpunkt für Menschen, eine Gelegenheit, Freundschaften zu knüpfen oder zu vertiefen. Er stehe für ein lebhaftes Treiben an hunderten von Marktständen und an vielen Fahrgeschäften mit Spaß für Groß und Klein - sofern der Wettergott mitspiele: „Lassen Sie sich kulinarisch verwöhnen, dazu gibt es reichlich Gelegenheit. Besuchen Sie unsere hier vertretenen Vereine und sozialen Dienste und helfen Sie denen, finanziell zu überleben.
Unser Dank gilt allen Breisiger Vereinen und Gruppierungen, den Gastronomen sowie allen touristischen Leistungsträgern, die ihre Gäste mit großem Engagement verwöhnen“. Der Bürgermeister wies auf das Programm der Kulturbühne hin, den Bus-Shuttledienst bis Remagen am Wochenende sowie auf die Fährverbindungen nach Bad Hönningen während der Markttage.
Als nächster Festredner trat Horst Gies als erster Kreisbeigeordneter an das Pult. Bei seiner Vorbereitung habe er erfahren, dass es in Bad Breisig seit über 640 Jahren Tradition sei, Mitte September zu Ehren des Kreuzerhöhungsfestes den Zwibbelsmaat zu feiern. Das überrasche und beeindrucke ihn sehr.
Ebenso das, was die Stadt als tolles Event mit rund 300 Marktständen, Bühnen, Attraktionen und Veranstaltungen auf die Beine gestellt habe. Die Marktbesucher könnten sich auch in diesem Jahr über ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm freuen und der kulinarische Genuss komme auch nicht zu kurz.
Gies dankte allen, die zur Organisation und Durchführung des Marktes beigetragen haben und hier speziell und besonders herzlich der Stadtverwaltung Bad Breisig. Dieses Engagement sei es, das in Bad Breisig „Heimat“ ausmache: „Eine solche Gemeinschaft und Zusammenarbeit, wie sie hier in Bad Breisig vorzufinden ist, können wir im Kreis Ahrweiler nur begrüßen.“
Brunnenkönigin Elena I. übernahm das Mikrofon: „Es ist ein schöner Brauch, unseren Markt mit einem Fassanstich zu eröffnen.
Schon als Kind habe ich mich immer lange vorher auf die Markttage gefreut, was sich bis heute nicht geändert hat. Nutzen Sie, liebe Besucher, in jedem Fall die Möglichkeit, unseren traditionellen Zwiebel- und Reibekuchen zu probieren und wenn Sie das Ganze noch perfektionieren wollen, empfehle ich Ihnen ein Gläschen Federweißen dazu. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Bummeln, Essen und Trinken oder beim Lauschen von Livemusik. Ich habe versucht, den Wettergott milde zu stimmen.“
Das ist der Brunnenkönigin - gerade für das Wochenende mit dem größten Besucheransturm sehr gut gelungen. Gekonnt schlug Bürgermeister Heuser das Faß an und zapfte problemlos ein Bier nach dem anderen.
Unter den Gästen der offiziellen Eröffnungsfeier fanden sich übrigens auch Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach, die drei neu gewählten Beigeordneten des Bad Breisiger Stadtrats, Stadtratsmitglieder der verschiedenen Parteien, der amtierende Ritter der Kulinarischen Tafelrunde, Christian Zock mit Ehefrau Beate.
Die Guggenmusiker „Doe Mar Wa“ aus dem niederländischen Städtchen Venray hatten die Eröffnung musikalisch untermalt und zogen anschließend über den Markt.
Am Abend ertönte die Livemusik der Gruppe Latenite auf der Bühne. Keine Unbekannte in Bad Breisig und auch dieses Mal wieder mit einem Programm aus Reggae und Latin Grooves.
Der Zwibbelsmaat-Sonntag
Den „Zünftigen Frühschoppen“ am Sonntag gestalteten die Musiker der „Original Goldbach-Musikanten“ aus Kempenich mit flotter Musik, oft im Swing-Rhythmus und sehr abwechslungsreich. Einige ältere Paare, die beim Brunnenfest als glänzende Tänzer aufgefallen waren, vermissten eine Tanzfläche.
Die Musik kam nicht nur beim etwas älteren Publikum gut an. Günstig, wie bei allen Livemusik-Auftritten auf der Kulturbühne war auch hier wieder die unmittelbare Nähe zum gut besuchten Getränkestand der SPD, so dass sich die Zuschauer auf den vielen Biertischbänken immer auf kurzem Wege versorgen konnten. Am Samstag- und Sonntagnachmittag war auch das Heimatmuseum im Schultheißenhaus mit der Ausstellung „Breisig und die Römer“ in der Biergasse geöffnet und verzeichnete an beiden Tagen erfreulich viele Besucher.
DRK und Katholische Frauengemeinschaft beköstigten die Marktbesucher
Um noch einmal einen Vergleich zwischen dem Oktoberfest und unserem heimischen Zwiebbelsmaat zu ziehen, kommen wir zum DRK Bad Breisig. Werden auf der Münchner Wies’n täglich zahlreiche Verletzte im Rot-Kreuz-Zelt behandelt (da geht es mit übertrieben hohem Alkoholpegel oft ziemlich unsanft zur Sache), ist das DRK in Bad Breisig nicht mit der Behandlung blauer Augen oder ausgeschlagener Zähne beschäftigt, sondern mit dem Backen herrlich knuspriger Reibekuchen.
Ein absolutes Muss für jeden regelmäßigen Marktbesucher. Doch auch Freunde einer guten Tasse Kaffee und eines Stücks Torte oder Kuchen kamen im Hof der Katholischen Kirche voll auf ihre Kosten.
Das große Kuchenbuffet der Katholischen Frauengemeinschaft St. Marien lockte gerade in diesem Jahr bei strahlendem Sonnenschein viele Gäste an. Das eingespielte Geld wird auch in diesem Jahr wieder für soziale Zwecke verwendet.
Im letzten Jahr kamen in der Caféteria im Kirchen-Innenhof rund 5.000 Euro zusammen, die die Frauengemeinschaft rund um die 1. Vorsitzende Karin Buhr z. B. für die Palliatrie Andernach, die Initiative Frauen für Frauen, die DAK-Jugend, die Feuerwehr-Jugend, die DLRG-Jugend sowie die Reisekasse der Messdiener einsetze. Die Frauengemeinschaft ist für die Unterstützung durch die Pfarrei sehr dankbar, ohne die sie nicht so viel auf die Beine stellen könnte. Was sie sich wünscht, sind neue Mitglieder, taffe Frauen mit sozialer Einstellung, die das gut funktionierende Team unterstützen.
Die Markttage Montag und Dienstag als Ausklang
Am Montag gab es ab 18 Uhr, also am Feierabend nach der Arbeit wieder Live-Musik mit den Bands „Neverending Diary“ aus Andernach und „Kuck Ma Ich“ aus Köln. Am Dienstag schließlich den „Familiennachmittag“ mit reduzierten Preisen bei den Kirmes-Fahrgeschäften und um 18 bis 19 Uhr schließlich den „Happy Feierabend“ mit Bier vom Fass für 1 Euro als Trostpflästerchen zum Abschied.
KMI
Auch ein starkes Team des DRK Bad Breisig half der Feuerwehr beim (Durst-)Löschen - aber in vernünftigem Rahmen.
Kommunalpolitiker-Treffen am Getränkestand der SPD: Dirk Herminghaus (FDP), Gastgeber Sebastian Goerke (SPD), die erste Beigeordnete Beate Deres, Elmar Lersch (CDU), die 2. Beigeordnete Barbara Haupt-Krebs (FWG) mit Ehemann Rolf und Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach (v.r.). Es sieht so aus, als hätte sich die Atmosphäre im Bad Beisiger Stadtrat tatsächlich entspannt.
Hochbetrieb herrschte an allen Tagen rund um die Stände der Verkäufer.
Viel Applaus für seine nette Rede erhielt der erste Kreisbeigeordnete Host Gies.
Die Cafeteria der Katholischen Frauengemeinschaft St. Marien war gut besucht.
Die „Original Goldbach Musiker“ spielten am Sonntag auf der Kulturbühne im Kurpark.
