Allgemeine Berichte | 12.02.2020

Krach um Standort der Parkpalette

Klares Kontra zum bevorzugten Standort der Stadt

Kunden und Gewerbetreibende befürchten Tod des Neuen Markts

Im Fall eines Neubaus würde nur ein Teil der ehemals für die Parkpalette genutzten Fläche neu bebaut.

Meckenheim. Die Umsetzung der Pläne der Stadt Meckenheim zur Standortänderung für eine neue Parkmöglichkeit wären der Tod der Geschäfte am Neuen Markt. Dies war zumindest unisono der Ton der Gewerbetreibenden ebenso wie der Kunden bei der Bürgerversammlung zur Standortdiskussion für ein neues Parkhaus. Anwohner am bisherigen Standort der Parkpalette wünschten sich eine ästhetisch angenehmere Gestaltung im Fall eines Neubaus am alten Standort. Es würde ohnehin in keinem Fall noch einmal eine solche Stahlkonstruktion gebaut werden, das sei nicht mehr zeitgerecht, hörte man von der Stadtverwaltung. Allerdings meinten viele im Saal auch wahrzunehmen, dass nicht nur in Worten, sondern auch hinsichtlich der Bewertungszahlen im statistischen Standortvergleich der von der Stadt favorisierte Neubau der Parkgelegenheit direkt am Schul-Campus, jenseits des Neuen Marktes, in den Vordergrund geschoben wurde . So empfand man bei der Stadt ein Parkhaus direkt am Campus als „schöner“ und gab dem Standort dort in der Bewertung mehr Punkte als einem deutlich kleineren Parkhaus am ursprünglichen Standort der Parkpalette.

Andreas Bähr widersprach dieser Sichtweise. „Wenn Sie sich heutzutage solche Parkhäuser ansehen, dann weiß man, dass man die auch schön gestalten kann“, sagte er. Später kristallisierte sich heraus, dass ein neues Parkhaus am alten Platz ohnehin kleiner werden würde als die ehemalige Parkpalette. Durch moderne Bauweisen, wie man sie bei den Staffelgeschossparkhäuern an der Uniklinik sehen kann, ist eine helle, freundliche Gestaltung möglich. Weiterhin würde ein Neubau auf der ehemaligen Parkpalettenfläche bei weitem nicht so hoch wie an den Unikliniken. Auch Grünelemente könnten dort integriert werden. Zudem würden etwa 300 Quadratmeter des bisherigen Platzbedarfs frei bleiben. Andreas Bähr schlug vor, dort eine Grünfläche zu gestalten.

Unter den Kunden des neuen Marktes traf man auf Unverständnis angesichts eines möglichen Neubaus neben dem Campus. Es fand sich niemand, der seinen Einkaufswagen über eine Ampel bis zum Parkhaus transportieren wollte, vom Rücktransport ganz zu schweigen. Sie wollten lieber wieder zentral dort parken, wo man auch früher auf der Parkpalette geparkt habe.

Dass und wohin die Kundschaft genau deshalb abgewandert sei, wisse man unter den Geschäftsleuten, weil man sich regelmäßig austausche, so die Gewerbetreibenden. Zur Zeit der Sperrung und teilweise auch jetzt noch führe die Kundschaft nach Wachtberg, wo man vom zentral gelegenen Parkplatz alle Geschäfte innerhalb von rund 100 Metern erreichen könne. Andere führen nach Rheinbach zum Einkaufen. „Wir brauchen eine zentral gelegene Parkgelegenheit“, bekräftigte Andreas Bähr. Sechsstellige Umsatzeinbußen habe sein Markt mit der Sperrung der Parkpalette verzeichnet. Kollegen mit Geschäften am Neuen Markt bestätigten Umsatzrückgänge in ihre eigenen Läden. Auch wenn sich das Problem mit der Freigabe der Fläche als Parkplatz ein wenig entschärft habe, sei das Problem nicht gelöst.

„Ich bin verantwortlich für zirka 70 Arbeitsplätze in unserem Markt“, sagte der Marktleiter. Für die Zeit eines Neubaus am Standort der ehemaligen Parkpalette veranschlagte die Stadt etwa sechs bis neun Monate. „Da müssen wir dann durch“, sagte Andreas Bähr im Anschluss. Erst vor zwei Jahren habe er den Markt aufwändig umgebaut und neugestaltet. Seither seien die Kunden wieder gern gekommen. Das erhofft er sich auch, wenn sie nach einem Neubau zentraler Parkplätze am alten Standort wieder ausreichende Parkmöglichkeiten finden. Auch für die anderen Gewerbetreibenden war die Entwicklung nach dem aufwändigen Umbau erfreulich, weil auch sie wieder mehr Kunden verzeichnet hatten.

Ein Bürger glaubte zu ahnen, warum die Stadt ein neues Parkhaus lieber am Campus sehen würde. Er vermutete, dass man damit gleichzeitig eine Parklösung für die Besucher der Jungholzhalle und die städtischen Mitarbeiter schaffen wolle. Dass dies praktikabel sei, bezweifelten viele. Jetzt schon habe man immer wieder Probleme mit Vandalismus in diesem Bereich gehabt. „Wer will denn da sein Auto abstellen oder im Dunkeln da hingehen müssen?“, fragte ein Bürger.

Für eine Ausschilderung der Jungholzhalle vom Standort der ehemaligen Parkpalette aus fand man hingegen durchaus Argumente. Tagsüber profitierten die Kunden von den Parkplätzen und am Abend die Gäste der Halle, die gleichzeitig auf diese Weise den Neuen Markt und seine Einkaufsmöglichkeiten sehen, hieß es. Einige vermuteten hier einen möglichen wirtschaftsfördernden Effekt. Auf eine andere Frage hatte die Stadt am Abend der Bürgerversammlung keine Antwort: Wo denn eigentlich die Ausgleichsfläche geschaffen werden solle, wenn für ein Parkhaus am Campus hunderte Quadratmeter Grünfläche versiegelt werden müssen? Am alten Standort sei diese Fläche bereits versiegelt, ein Neubau wäre dort aus dieser Sicht kein Problem. Auch mit einem Verkehrsproblem sei zu rechnen, wenn eine Ampel immer wieder den Verkehr auf der Durchgangsstraße zwischen Campus und Neuem Markt stoppen würde, meinte ein Bürger.

Mit einem Neubau können hier zwischen 397 und 477 Parkplätze entstehen.Fotos: CEW

Mit einem Neubau können hier zwischen 397 und 477 Parkplätze entstehen.Fotos: CEW Foto: Petra Reuter

Im Fall eines Neubaus würde nur ein Teil der ehemals für die Parkpalette genutzten Fläche neu bebaut. Foto: Petra Reuter

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