Allgemeine Berichte | 28.10.2019

25. Bendorfer Wirtschaftstag voller Erfolg

Kleine Stadt mit großen Schätzen

Bürgermeister Kessler (links) mit Vertretern der Bendorfer Gewerbetreubenden. Fotos: WST

Bendorf. Am vergangenen Donnerstag traf sich in der Krupp’schen Halle, Denkmalareal Sayner Hütte in Bendorf-Sayn wieder alles, was in Sachen Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in der Region Rang und Namen hat. Dieses Jahr ging es aber um etwas ganz Besonderes: die Stadt Bendorf beabsichtigt im Rahmen eines Masterplan-Prozesses zur Zukunft der Stadt auch eine Bewerbung für die Landesgartenschau 2026. Welche wirtschaftlichen und touristischen Vorteile das für die Stadt und die Region haben könnte, führte unter anderem der Geschäftsführer der BUGA 2019 Heilbronn und Macher der BUGA 2011 Koblenz, Hanspeter Faas, in seinem Vortrag aus.

Mit „Herzlich Willkommen“ und „Herzlichen Dank“, begrüßte zunächst Bürgermeister Michael Kessler die zahlreichen Gäste und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beim 25. Unternehmer-Treffen und freute sich über das große Interesse und die gute Resonanz, welche die Veranstaltung von Jahr zu Jahr erfährt.

„Warum dieser Standort? Nun – wir feiern im 250. Jubiläumsjahr die Sayner Hütte. Der Trierer Erzbischof und Kurfürst Clemens Wenzeslaus hat vor 250 Jahren hier mit der Verhüttung von Eisen begonnen, bevor die Preußen erst im Jahr 1815 hier einmarschiert sind und Koblenz später übernommen haben“, so Kessler. Dieses bedeutende Industriedenkmal, die Krupp’sche Halle, bietet mit ihrem einmaligen Ambiente den entsprechenden Rahmen, um das Thema „Landesgartenschau 2026“ näher in den Fokus zu rücken.

„Wir sind auf einem guten Weg, uns als Wirtschaftsstandort neu zu positionieren. Bei knappen kommunalen Mitteln und Hochschuldenstand ist das sicherlich eine besondere Herausforderung. Andererseits liegt gerade hier die Chance, die Stadt für die Zukunft fit zu machen“, so der Bürgermeister weiter.

Die wichtigsten Voraussetzungen für Investitionen sind Planungssicherheit und Vertrauen in die Akteure vor Ort. Rat und Verwaltung haben hier eine besondere Verantwortung für die Stadt. Eine Perspektive zu schaffen und dafür zu sorgen, dass die Planungen auch tatsächlich umgesetzt werden. Wunsch ist es, dass sich alle Ratsfraktionen gemeinsam am Prozess der Bewerbung zur Landesgartenschau 2026 beteiligen. Alle sind eingeladen, die Zukunft der Stadt Bendorf mitzugestalten, es geht nicht nur um Gartenschauen im wörtlichen Sinne, sondern um nachhaltige Stadtentwicklung.

Bendorf ist ein Standort kreativer Menschen. Eine kleine Stadt mit großen Schätzen. Philipp Gröninger ist so ein Schatz. Er ist Gold- und Silberschmiedmeister aus Bendorf-Sayn. Er wurde mit dem Preis des Handwerks Rheinland-Pfalz 2019 ausgezeichnet. Mit diesen Worten begrüßte Michael Kessler Landrat Dr. Alexander Saftig und Philipp Gröninger auf der Bühne.

Wirtschaftstage sind von entscheidender Bedeutung

„Es ist unheimlich wichtig, im Gespräch zu sein“, so Landrat Dr. Alexander Saftig bei seinem Grußwort. Er sei dankbar und komme immer gerne zu solchen Wirtschaftstagen, weil viele gute Gespräche geführt werden und weil man sich trifft. Deshalb sind Wirtschaftstage von entscheidender Bedeutung, weil sie das, was das ganze ausmacht, das Leben einer Stadt an einem Tag bündelt. Eine gute Idee, so Saftig weiter. „Wenn man gemeinsam miteinander über die Zukunft diskutiert, wird sie auch nah und vor allen Dingen erfolgreich.

Wirtschaft, Gewerbe und Politik haben Gelegenheit, Erfahrungen miteinander auszutauschen. Wir brauchen Kreativität und Innovationen für das Projekt „Landesgartenschau“. Große Kraftakte sind erforderlich. Es ist aber auch eine große Chance“, so Saftig weiter. Da muss eine Stadt hinter einer Idee stehen und eine Stadt eine Idee wollen. Dass könne er sich sehr gut vorstellen und man habe daher auch gerne die Machbarkeitsstudie zur Landesgartenschau unterstützt. Man wolle den Prozess gerne begleiten und gerne aus dem Lernen, was man in Koblenz bei der BuGa 2011 gesehen hat.

Hierzu begrüßte Bürgermeister Kessler den Experten Hanspeter Faas, Geschäftsführer der BuGa 2019 Heilbronn und Macher der BuGa 2011 Koblenz zu seinem nachfolgenden Vortrag.

Viele Themen und Fragen gilt es zu schärfen und gemeinsam anzupacken: Der Wandel der ehemaligen Industriestadt in einen zukunftsorientierten Standort, der zu seinen wirtschaftlichen Wurzeln steht. Ebenso geht es um die Stärkung des Tourismusstandortes, die Konzeption und Umsetzung von städtebaulichen Qualitäten, den Umgang mit Fragen ökologischer und nachhaltiger Zukunft, neue Mobilitätsansätze, die Inklusion und die alternde Gesellschaft.

Faas führte zu den direkten und indirekten wirtschaftlichen Effekten aus, zu den Finanzzuflüssen, den Struktur-, Image-, Kompetenz- und Kooperationseffekten. Am Beispiel Heilbronn zeigte er auf, wie die BuGa 2019 dem Tourismus mit mehr als 400.000 Übernachtungsgästen auf die Sprünge geholfen hat. An einer weiteren Gegenüberstellung wurden die Ausgaben der BuGa-Tagesgäste und BuGa-Übernachtungsgäste deutlich - was lassen Besucher in der Stadt?

Lockte die BuGa 2011 stolze 3,6 Mio. Besucher in die touristische Destination Koblenz, waren es in Heilbronn immerhin 2,3 Mio. Insgesamt wurde eine absolut positive Bilanz und Zufriedenheit aller Akteure verzeichnet.

Landesgartenschau als Motor und Beschleuniger

Es wird über die Stadt und die Region gesprochen. Restriktive sind starke wirtschaftliche Effekte zu erwarten, aber es gibt auch jede Menge zu tun – im Straßenbau und der Infrastruktur. Stadtentwicklungskonzepte sind gefragt und eine nachhaltige Strukturverbesserung. Die Landesgartenschau 2026 – als Motor und Beschleuniger. Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und Lust auf Veränderungen und Begeisterung zu machen, ist der Tenor. Es braucht ein Konzept – einen roten Faden, um die Menschen zu erreichen. Politik und Stadt müssen dahinter stehen und die Entscheidung mit ganzem Herzen treffen.

Pflanzen, ein Kulturprogramm, gute Gastronomie – hier gilt es, ein eigenes Konzept und den richtigen Weg zu finden, was für die Region passt und einmalig ist!

Michael Kessler bedankte sich bei Hanspeter Faas für seinen Expertenvortrag. „Wir haben die Idee, dass so etwas ganz gut sein kann. Wie wir die Idee befüllen und auf den Weg bringen, wie breit und wie schnell das Ganze sich entwickeln muss, und wer da alles noch mitmachen muss, da stehen wir ganz am Anfang. Wir sind am Beginn eines Prozesses. Und ich habe gelernt, sagte der Bürgermeister, dass es für viele Menschen schwierig ist zu verstehen, was ein Prozess ist.

Wir müssen uns auf einen Weg begeben, von dem wir nicht wissen, wie weit er führt, wir haben dafür vielleicht irgendwann zeitliche Vorgaben, wir wissen nicht, wie breit wir den Weg anlegen müssen, und wir kennen auch nicht das Tempo, in dem das Ganze zu machen ist.“ Das ist aus seiner Sicht und von seinem Empfinden das Spannende dabei.

Bei dem anschließenden „Get together“ wurden die „wirtschaftlichen Impulse einer Gartenschau“ rege diskutiert und eine Menge Ideen zur Zukunft von Bendorf 2026 bei Wein, Bier und einem Imbiss eingebracht.

Werner Prümm von der Wirtschaftsförderung lobte die drei Verbände, die die Wirtschaft in Bendorf repräsentieren und die untereinander sehr gut kommunizieren: „Jede Menge Branchen sind hier miteinander verknüpft – Tourismus, Industrie, Einzelhandel, Handwerker, Dienstleister und Soziale Berufe. Danke an Aktiv Sayn e. V., die WFG am Mittelrhein mbH und die Arbeitsgemeinschaft Bendorfer Wirtschaft, mit denen wir in regem kommunikativen Austausch stehen.“

Hanspeter Faas und Werner Prümm im Gespräch.

Hanspeter Faas und Werner Prümm im Gespräch.

Philipp Gröninger (mitte) erhielt den Preis des Handwerks 2019.

Philipp Gröninger (mitte) erhielt den Preis des Handwerks 2019.

Bürgermeister Kessler (links) mit Vertretern der Bendorfer Gewerbetreubenden. Fotos: WST

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