Allgemeine Berichte | 10.05.2016

186 Mittelständler bei Gründungsversammlung von Unternehmernetzwerk in Staudt

Kleine Westerwaldgemeinde im Fokus der Unternehmer aus der Region

Die Gründungsmitglieder des Unternehmerteams „Mons Tabor“.WW

Staudt. 34 Unternehmer aus der Region Montabaur haben sich kürzlich frühmorgens um 7 Uhr im kleinen Westerwaldort Staudt getroffen, um zu demonstrieren. Der Einladung zur Demonstration waren 152 weitere Unternehmerkollegen sowie Repräsentanten von überwiegend mittelständischen Unternehmen gefolgt.

Doch ausnahmsweise wurde einmal nicht gegen etwas demonstriert, sondern der dritte im Duden definierte Wortsinn des Begriffs „demonstrieren“ mit Leben erfüllt: „in anschaulicher Form darlegen, beweisen, vorführen“ heißt es dort. Peter Blum, Christine Prager und ihr Team des Unternehmernetzwerks „Mons Tabor“ haben genau das getan. Sie haben eindrucksvoll demonstriert, dass Wirtschaftsförderung nicht abhängig von staatlichen oder kommunalen Zuschüssen ist. Sie haben anschaulich dargelegt, dass in der (stark erweiterten) Region Montabaur hoch attraktive Unternehmen beheimatet sind. Sie haben bewiesen, dass man im Zusammenschluss der Unternehmen aus der Region leicht mehr Umsatz erreichen kann. Und sie haben vorgeführt, wie das Netzwerk, das dies alles leistet, funktioniert.

Doch jetzt mal „unter uns“ – da treffen sich also 186 Menschen im Westerwald und erfinden Marketing neu? Nein. Das besagte Unternehmernetzwerk gibt es seit inzwischen 31 Jahren. Erfunden wurde das Business Network International (BNI) jenseits des „großen Teichs“. Es ist inzwischen mit über 7.000 solcher Unternehmerteams (wie jetzt auch im Westerwald) in 58 Ländern auf allen fünf Kontinenten präsent. Im deutschsprachigen Raum sind inzwischen rund 10.000 Unternehmer BNI-organisiert, alleine im Großraum Koblenz gab es bis jetzt schon rund 220 Netzwerker in vier so genannten „Chaptern“. Diese treffen sich wöchentlich einmal in Koblenz, Kaltenengers, Wittlich und Neuwied. Jetzt kommt „Mons Tabor“ dazu, geplant sind weitere Chapter in Bad Neuenahr, im vorderen Hunsrück, in Cochem und am Flughafen Hahn.

Das erklärte Ziel: Mehr Umsatz durch neue Kontakte und Geschäftsempfehlungen getreu dem Motto „Wer gibt gewinnt!“. „Wir leben das, anders kann man das gar nicht sagen“, erklärt Raphael Stenzhorn, Mitglied des Chapter s „Deutsches Eck“ in Koblenz und Unterstützer der Gründung im Westerwald. Er kam „wie die Jungfrau zum Kinde zu BNI“. Stenzhorn gehört eine Veranstaltungsagentur. Als der Auftrag zur Beschallung einer Tagung in einem Koblenzer Hotel kommt, glaubt der Macher von „buch-dein-dj.de“ zunächst an einen Uhrzeitdreher. Ob der ungewöhnlichen Uhrzeit schaut sich der Chef die „seltsamen Leute“ lieber selbst an – und unterschreibt noch am selben Morgen – bei eben einer solchen Auftaktveranstaltung wie heute – seinen Mitgliedsantrag für BNI. Genau: denn, wer mitmachen darf, entscheiden die Mitglieder des jeweiligen Chapters. Grundsätzlich wird aus jeder Berufssparte nur ein Mitglied aufgenommen. Doch warum das ganze Prozedere, das Neueinsteigern und Außenstehenden mindestens seltsam anmutet? „BNI bedeutet mehr Umsatz durch Kontakte und Empfehlungen. Schon zur Gründung eingeladen wird nur der, der von anderen empfohlen wird. Dann bewerben sich die Mitglieder für ein Jahr. Danach entscheidet der Mitgliederausschuss des jeweiligen Chapters, ob die erneute Bewerbung für ein weiteres Jahr akzeptiert wird – also, ob der Unternehmer sich als zuverlässig und damit empfehlenswert bewährt hat“, erklärt Peter Blum, der als Regionaldirektor des Netzwerks die Gründungsphase begleitete, das Konzept.

Das Chapter dient definitiv nicht dazu, sich gegenseitig das jeweilige Sortiment zu verkaufen. Netzwerken nach BNI-Art bedeutet, sein Unternehmernetzwerk, also primär das eigene Chapter, aber auch gerne die Kollegen aus den Netzwerken der Region, des Landes oder sogar weltweit, im täglichen Unternehmeralltag zu empfehlen. Die strikten BNI-Regeln sorgen dafür, dass diese Empfehlung immer guten Gewissens ausgesprochen werden kann. „Was kann es besseres geben, als wenn ein Unternehmen von mehr als 50 Unternehmern der Region mehrfach als zuverlässig und empfehlenswert bestätigt wurde? Durch BNI ergeben sich qualifizierte Empfehlungen“, so Blum. Provisionen werden dabei übrigens keine gezahlt, Pflicht ist die wie-du-mir-so-ich-dir-Vorgehensweise bei den Empfehlungen auch nicht. „Eine direkte Gegenempfehlung muss gar nicht sein. Jeder gibt Empfehlungen in die Gruppe und steigert damit den Gemeinschaftsumsatz“, erklärt Stenzhorn. Das System scheint zu funktionieren: das Chapter „Deutsches Eck“ hat im ersten Jahr seines Bestehens mit dem perfektionierten Empfehlungsmarketing satte 4,8 Millionen (zusätzlich) umgesetzt.

Dafür braucht es offenbar strikte Regeln:

- 45 Sekunden darf die Eigenpräsentation dauern. Und zwar genau. Dann gibt es die Karte, aber keine Unterbrechung, sondern freundlichen Applaus. Das wirkt aber auch. Fühlt sich für den „Sünder“ nur besser an.

- Um 6.30 Uhr geht es los. Jeden Mittwoch in Staudt. Wer mehr als dreimal im Halbjahr fehlt, gilt als nicht empfehlenswert. „Das ist wie ein Kundentermin. Wer einen Kunden stehen lässt, ist auch definitiv nicht empfehlenswert“, macht Blum deutlich.

- Die Mitgliedschaft kostet Geld. Runde 1000 Euro im ersten Jahr. Danach sind es „nur noch“ 850 Euro pro Jahr – vorausgesetzt das Team bestätigt das Prädikat „empfehlenswert“. „Wer nicht bestätigt wird, zahlt natürlich auch nicht – darf aber dann auch länger schlafen“, so Blum.

Auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Montabaur, Edmund Schaaf, war zur Gründungsversammlung geladen und zeigte sich begeistert. „Ein solches Netzwerk ist ein Gewinn für die Region. Ich bin stolz darauf, dass sich Unternehmer aus Nachbargemeinden und auch aus Nachbarkreisen hier organisieren, um sich gemeinsam weiter zu bringen – das zeigt einmal mehr, das kommunale Grenzen und Verwaltungsbereiche für Unternehmer eher untergeordnet sind. Das neue Unternehmernetzwerk ist eine tolle Initiative. Ich wünsche viel Erfolg“, so Schaaf. „Die Region hat einen eindeutigen Vorteil vom Unternehmernetzwerk, dazu gibt es natürlich Untersuchungen. Man sagt, dass ein Euro durchschnittlich fünf bis siebenmal länger in der Region bleibt, weil heimische Unternehmen sich gegenseitig empfehlen. Oftmals wissen auch Unternehmer gar nicht genau, welche leistungsfähigen Unternehmen in der Region angesiedelt sind. Da bleibt plötzlich einiges an Aufträgen, was vorher ins Internet ging, in heimischen Betrieben hängen“, betont Peter Blum.

Das Gesamtpaket hat offensichtlich überzeugt – so offensichtlich, dass die 34 Initiatoren nun entscheiden müssen, welche der heute früh beantragten 46 Mitgliedschaften das Prädikat „Empfehlenswert!“ bekommen und ab nächsten Mittwoch, 6.30 Uhr, wöchentlich einmal „Frühschicht“ in der Genuss-Manufaktur in Staudt haben.

Das Führungsteam (v.l.) Natalie Mais, Christina Rücker, Christine Prager, Oliver Beicht mit Regionaldirektor Peter Blum (rechts)

Das Führungsteam (v.l.) Natalie Mais, Christina Rücker, Christine Prager, Oliver Beicht mit Regionaldirektor Peter Blum (rechts)

Die Gründungsmitglieder des Unternehmerteams „Mons Tabor“.Fotos: WW

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