Zum 24. Rheinschwimmen von Erpel nach Unkel hatte der Kanuclub am Sonntag eingeladen
Knapp 800 Teilnehmer genossen das drei Kilometer lange Wellen-Bad in Vater Rhein
Unkel. Ganze 19 Grad zeigte das Thermometer am frühen Sonntagnachmittag am Erpeler Rheinufer an, allerdings sorgte der Wind dafür, dass es den meisten der Teilnehmer an der ersten Staffel des Rheinschwimmens auf der Natorampe doch erheblich kühler vorkam. Wer zu der Traditionsveranstaltung des Kanuclubs Unkel (KCU) nicht im Neoprenanzug angereist war, beneidete die „Weitsichtigen“, die sich mit Bademänteln eingedeckt hatten. Gleichzeitig mit den ersten Schwimmern am Start, darunter Hildegard Bosch aus Rheinbreitbach, die sich als „Dienstälteste“ schon zum 23. Mal in die Fluten des Rheins stürzte, hatten die Unkeler Kanufahrer an der Natorampe angelegt, um mit ihren Booten wie auch die Feuerwehr sowie dir Wasserschutzpolizei die Rheinschwimmer zu eskortieren.
„Haben Sie auch alle fleißig trainiert“, fragte Jürgen Hamacher vom KCU die über 410 „Badegäste“ auf der Natorampe nahe der Brückentürme. Wie schon im Vorjahr verkürzte der Starter des Vereins die Wartezeit auf das einmalige Naturerlebnis in den Fluten mit Aufwärmübungen vom Hampelmann über die allseits bekannte La-Ola-Welle bis hin zu Kurzsprints auf der Stelle. Dann endlich konnte der Countdown herunter gezählt werden und über die von der Feuerwehr von glitschigem Moos befreite Rampe ging es vorbei an dem roten Zehner-Kanadier „Unkelstein“ endlich auf die drei Kilometer lange Strecke in den 21 Grad warmen Fluten zum Clubhausufer in Unkel. Während einige Rheinschwimmer Entchen und Fische gemütlich auf ihren Badehauben „ausführten“, andere Luftmatratzen und Schwimmringe für eine Ruhepause in der Strömung dabei hatten, begannen andere im schnellen Kraulstil die Strecke abzuarbeiten. Da konnte der große Schimpanse nur staunen, während der Weihnachtsmann ungläubige Blicke von seinen irritierten Mitschwimmern ernteten.
Am Eingang des Clubgeländes, auf dem die ersten Teilnehmer an der 2. Staffel eintrafen, wurden längst eifrig Urkunden für die Teilnehmer der 1. Staffel geschrieben, während immer mehr Zuschauer zum Rheinufer unterhalb des Clubhauses pilgerten, um nicht die Ankunft der ersten Schwimmer zu verpassen. So auch die zukünftige Burgundia der Kulturstadt am Rhein, Klara Thelen, die sich überzeugen wollte, ob die Mitglieder des Junggesellenvereins die drei Kilometer im Fluss gut überstanden hatten. Dass ihnen wie auch den übrigen Rheinschwimmern nichts passieren konnten, dafür hatte neben den zahlreichen Kanuten des Vereins, dem DRLG und DRK sowie dem THW nicht zuletzt die Feuerwehr gesorgt. „Wir sind mit zwölf Mann auf dem Wasser im Einsatz, 14 Mann sind an Land entlang der Strecke verteilt“, berichtete der stellvertretende Wehrführer Lionel Gironde dem Moderator Markus Winkelbach. Ohne die Feuerwehr gehe eben gar nichts, so Markus Winkelbach, während der Vereinsvorsitzenden Bernd Richarz dies mit dem Hinweis unterstrich, dass der Tombola-Erlös dieses Jahr dem Nachwuchs von Feuerwehr und DLRG zugute komme. „Es ist für einen so kleinen Verein schon eine großartige Sache, eine so große Veranstaltung schon seit 1994 störungsfrei auf die Beine zu stellen, was neben dem Engagement unserer Mitglieder eben nur Dank der Unterstützung vieler Institutionen möglich ist“, schwärmte er.
Mit großem Vorsprung kamen zwei Krauler nach knapp 30 Minuten als erste am Ziel an und strebten über den Kiesstrand die Duschen an. Wie schon 2013 war mit dem 16-jährigen Jan Muth wieder ein Remagener der schnellste Schwimmer. „Das war mein erstes aber sicher nicht mein letztes Rheinschwimmen. Das Wasser hatte ein überaus angenehm Temperatur, es war absolut toll“, diktierte er noch etwas atemlos vor der obligatorischen „Schluckimpfung“ Markus Winkelbach ins Mikrophon. Da hatte dieser schon gekrönte Häupter mit Hermelinumhang unter den Zuschauern ausgemacht. „Wir sind eine ganze königliche Gruppe aus Königswinter um den Fotografen Guido Bach, der auch die Idee gehabt hat, bei der 2. Staffel mitzuschwimmen, ohne den Ehrgeiz zu haben, als erste anzukommen“, so Kathrin und Arne Wellmann. Zwar konnten die „Prinzen und Prinzessinnen“ beim rheinischen Nachmittag nicht den Preis der größten Gruppe einheimsen, der mit 25 Rheinschwimmern wieder einmal an den Oberkasseler Wassersportverein ging. Dafür aber nahmen sie den für das originellste Badekostüm in die Stadt unter dem Drachenfels mit.
„Nicht ganz 800 Schwimmer im Alter von sieben bis 83 Jahren bei den Männern und 79 Jahren bei den Frauen, offiziell gemeldet 410 in der erste und 350 in der zweiten Staffel, haben bei einer Wassertemperatur von 21 Grad die drei Kilometer zurückgelegt. Damit war der Rhein zumindest bei der ersten Staffel noch wärmer als die Luft“, berichtete Markus Winkelbach, bevor er den Hauptgewinn der Tombola aufrief. Der ging an die elfjährige Fine Kerschbaum aus Neustadt/Aisch nahe Nürnberg. Mit ihren Eltern auf dem Weg, um in den Niederlanden Urlaub zu machen, hatte sie einen Aufenthalt bei ihrer Tante genutzt, auch Station beim Kanuclub zu machen und ein Tombola-Los zu kaufen, das ihr ein rotes Wildwasser- und Spielboot der Firma Prijon bescherte. Mit dem kann sie sich nun die nächsten zwei Wochen an einem See in Holland vertraut machen, da ihr der KCU auch Paddel und eine Spritzweste spendierte. DL
Nach knapp 30 Minuten erreichten die ersten Schwimmer das Ziel am Clubhaus-Ufer.
Für Irritationen sorgte ein Weihnachtsmann vor dem Eintauchen in den Rhein nicht nur wegen seines frühen Auftauchens.
