Kneipenfestival in Bad Ems
Kneipen, Musik und tolle Stimmung
Bad Ems. Nachdem in Montabaur im Oktober bereits die zweite Auflage eines Kneipen-Festivals über die Bühne gegangen war, hat der Veranstalter „Spack! Event“ nun auch Bad Ems ein eigenes beschert. 13 Kneipen, Restaurants und andere Orte waren Gastgeber für knapp zwanzig Musiker beziehungsweise Bands, die dort Live-Musik für nahezu jeden Musikgeschmack boten. Eintrittsbändchen sowie Programm und Wegkarten wurden an zwei Info-Points ausgegeben. Dann konnte es losgehen. Auf der Wipsch wurde das Festival vom Musikverein „Gugge‘ Mer‘ Ma“ eröffnet. In ihren bunten Kostümen und phantasievoll geschminkt spielten die rund dreißig Musiker für die Zuhörer bestens gelaunt Hits wie „Mama Loo“ im Guggemusik-Stil. Beim Weiterziehen durch die Römerstraße machte die Blaskapelle lautstark Werbung für das Kneipenfestival. Eine halbe Stunde nach Eröffnung begann in den meisten Lokalitäten das Musikprogramm. Mancherorts spielten die Musiker vier Stunden lang, in anderen Fällen gab es zur Halbzeit einen Wechsel auf der Bühne oder es war sogar nach zwei Stunden schon Schluss mit der Musik. Im Saal des Badhauses wurde am längsten gefeiert. Dort konnte nach dem dreistündigen, rockigen und funkigen Auftritt der Band „Ultraschall“ noch bis eine Stunde nach Mitternacht bei der Afterparty zu Hits der 1990er und 2000er weitergetanzt werden. Im Hotel-Restaurant „Adria Kroatien“ zeigte sich die Mehrzahl der Gäste überrascht davon, plötzlich Festivalteilnehmer zu sein, waren sie doch eigentlich zum Abendessen hergekommen. Doch die Gitarren-Musik des Koblenzer „Jermaine Reinhardt Duos“, das eine Mischung aus Gipsy Swing-, Latin- und Jazz-Musik zum Besten gab, fand Anklang.
Mit Stücken wie „Daphne“, das Django Reinhardt in den 1940er Jahren komponierte, zauberten Jermaine und Marlon Reinhardt die Sonne des Südens in das jugoslawische Restaurant. Beide spielen auswendig, denn das Spiel nach Noten haben sie nie gelernt, wie Jermaine erzählte. In der Gaststätte „Schnick-Schnack“ verschafften sich, abweichend vom Programm, in der ersten Festival-Hälfte drei Gitarristen der jungen Band „Frank-Einstein“ aus Andernach Gehör.
Die gemütliche Raucherkneipe bot den Jungs, die im letzten Jahr ihr Debüt-Album veröffentlichten, die richtige Plattform für ihre Rock- und Western-Songs. Im Mittelpunkt immer Tim Rönz‘ sonore Bass-Stimme, die irgendwo zwischen Johnny Cash und den Crash Test Dummies angesiedelt ist. Besonders viel Anklang fanden Coversongs wie „Summerwine“ (auch ohne Nancy Sinatra), „Get Rhythm“ oder Jerry Lee Lewis „Great Balls of Fire“. Da war es beinahe schade, als die Band die Bühne freimachen musste für die nächsten Künstler.
Per kostenlosem Oldiebus-Shuttle konnten sich die Festivalgäste auf eine amüsante Weise zu einer der vier Haltestellen fahren lassen, um die nächste teilnehmende Kneipe bequem zu erreichen. Schuhsohlen schonend war mit dem Bus beispielsweise nach Ausstieg an der Haltestelle „Fronhof“ das ihr gegenüber liegende Gasthaus „Alt Ems“ erreichbar. Auf der Bühne des dortigen Festsaals spielte die „unplugged“ Cover-Band „Ohne Filter“ aus Neuwied Klassiker der Rock- und Popgeschichte. Bandmitglied Elmar Wald erwies sich als ein bravouröser „Mr. Slowhand“, wenn er Clapton-Stücke wie „Layla“ auf der Gitarre performte. Frontmann Dirk Gilgenberger war als Sänger und unterhaltsamer Moderator des Liedprogramms zu erleben.
Die vier Musiker versprachen, die „Hütte zum Kochen zu bringen“. Und sie gaben wahrlich viel Gas mit Songs wie „Rolling on the River“ oder „Country Roads“. Am anderen Ende des Festival-Bereichs, in der Arkade Café-Bar, spielte im gut besuchten Gastraum gerade die zweite Gruppe des Abends. Das waren allerdings nicht „The Acoustics“, wie es im Programm angekündigt wurde. Dafür präsentierte das Neuwieder Trio um den Singer-Songwriter Thilo Distelkamp viele Lieder von Distelkamps neuestem Album „Everything is fine“. Stücke wie „My own world“, Popsongs mit Poesie und Herzschmerz, zu denen sich besonders die weiblichen Zuhörer gerne im Rhythmus wiegten. Kurz vor Mitternacht startete die Kurwaldbahn mit vier Gästen ihre letzte Fahrt hoch zur Bismarckhöhe. Per Kopfhörer, die gegen Pfandzahlung zu erhalten waren, wurden die Mitfahrer in der Kabine und an der Bergstation Teilnehmer einer „Silent-Disco“. Auf dem einzigen verfügbaren Kanal wurde jetzt Rapmusik ausgestrahlt, der Empfang war allerdings nicht ganz störungsfrei. Doch die Fahrgäste hatten ihren Spaß und feierten mit weiteren „Disco-Besuchern“ am stark umringten Glühweinausschank auf der Höhe noch eine kleine Weile, bis sie alle für die Talfahrt eingesammelt wurden.
Viele weitere Musiker und Bands, die dazu beigetragen hatten, dem Kneipenfestival Hunderte von Musikbegeisterten zuzuführen, überzeugten mit professionellen Auftritten. Ein zusätzliches Geschenk konnten Gäste erhalten, deren Stempelkarte am Ende mindestens sechs Teilnahme-Aufkleber aufwies und denen das Losglück hold war. Auf seiner Facebook-Seite bedankte sich am Tag nach dem Festival der Veranstalter mit „Danke, Bad Ems“ für die rege Teilnahme. Und darf sich jetzt schon auf das Festival 2017 nächstes Jahr freuen.
BSB
