Allgemeine Berichte | 24.09.2019

Gogol & Mäx begeisterten mit froher Musikbotschaft

Köstlich komische Konzertakrobaten

Eine wilde und einzigartige Mischung

Musizieren, bis der Arzt kommt, da sind Gogol & Mäx in ihrem Element. Fotos: SCHÜ

Bad Neuenahr. Die Bühne im Theatersaal des Augustinums war angerichtet. Ein schmuckes Wohnzimmer war dort aufgebaut, mit dunkler Textiltapete, einer Mozartbild links, einem Bachportrait rechts, einem Klavier und diversen Utensilien. Vor vollbesetzten Stuhlreihen konnte das „Concerto humoroso“ losgehen. Und Christoph Scheib als Gogol, nobel mit akkuratem Mittelscheitel und Frack begann den Abend mit der knappen Ansage, dass nun ein Concerto piano von Tschaikowsky zu hören sei, natürlich solo. Er setzte sich ans Klavier und begann, wunderbar zu spielen. Doch sein Partner Mäx, eher hemdsärmelig und mit Hosenträgern unterwegs, dazu mit einem wilden Haarkranz ausgestattet, hatte etwas dagegen. Er „störte“, indem er irgendwo ein Instrument auftrieb und in die Melodie einfiel, sodass letztlich ein gemeinsames Stück daraus wurde.

Diese Szene wiederholte sich ständig, nur dass zum einen die Komponisten wechselten – über Ravel, Mozart, Chopin, Schumann bis Bach und Beethoven war alles zu hören, was die Musikwelt zu bieten hat. Zum anderen aber kam alles Mögliche und Unmögliche zum Einsatz, was man sich als Instrument vorstellen kann: Von der kleinen Flöte bis zum riesigen Alphorn, von der Trommel bis zu den Glocken, von der Klarinette über die Trompete bis zur Posaune. Und vom Handfeger bis zum Schlauch mit Trichter. Die Virtuosität von Max-Albert Müller alias Mäx kannte wirklich keine Grenzen, er beherrschte die genannten und noch zahlreiche weitere Instrumente, egal, um welches Stück es ging. Und wenn er rebellisch wurde, streute er regelmäßig das spanische Volkslied von der Küchenschabe ein, schließlich ist „La Cucaracha“ in Mexico zum Revolutionslied geworden. Den staunenden Besuchern blieb vor so viel Tempo und Spielwitz kaum Zeit zum Applaudieren, da waren die ersten 45 Minuten des furiosen und frechen Auftritts schon vorbei. Doch wer gedacht hatte, im zweiten Teil ginge es weniger fantasievoll und fulminant zu, sah sich getäuscht. Gogol & Mäx aus dem badischen Staufen im Breisgau legten sogar noch eine Schippe drauf. Denn nun zeigten sie neben ihren vielfältigen musikalischen Talenten auch noch sensationelle Akrobaten sind. Mit enormer Körperbeherrschung wurden Kunststücke in die instrumentale Performance eingebaut, dass einem gelegentlich der Atem stockte.

Diese wilde und auf ihre Art einzigartige Mischung, immer hochmusikalisch, häufig poetisch, gelegentlich auch gegen den Strich, faszinierte die Zuschauer von der ersten bis zur letzten Nummer. Die frohen Botschafter der instrumentalen Komik kommen dabei mit ganz wenigen Worten aus, getragen wird das Programm von der musikalischen und akrobatischen Kunstfertigkeit der beiden Protagonisten. So ist es kein Wunder, das Gogol & Mäx auch international sehr erfolgreich sind und auf den Konzertbühnen und in den Kleinkunsttheatern von ganz Europa zu Hause sind. Auch im Augustinum verfehlte der Auftritt der köstlich komischen Konzertakrobaten seine Wirkung nicht. Das begeisterte Publikum ließ die beiden bescheidenen Künstler erst nach mehreren Zugaben von der Bühne. Und neben dem verdienten, lang anhaltenden Applaus gab es für Gogol & Mäx obendrein ein Fläschchen Wein von der Ahr aus der Hand von Kulturchefin Madeleine Häusler.

SCHÜ

Selbst ein Alphorn gab es zu sehen und zu hören.

Selbst ein Alphorn gab es zu sehen und zu hören.

Ein Pianist am gekippten Klavier und ein Saxophonist, der balanciert, das sind Gogol und Mäx

Ein Pianist am gekippten Klavier und ein Saxophonist, der balanciert, das sind Gogol und Mäx

Musizieren, bis der Arzt kommt, da sind Gogol & Mäx in ihrem Element. Fotos: SCHÜ

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