Steampunk-Festival auf der Sayner Hütte
Kohle, Dampf und Eisenglanz
Fantasiewelt trifft Industriedenkmal
Bendorf. Was ist Steampunk: Die Wurzeln der Bewegung finden sich in den Romanen und Geschichten von Jules Verne und H.G. Wells. Diese Science-Fiction-Autoren beschrieben die Zukunft der Technik aus der Sicht ihrer Zeit heraus, dem frühen industriellen Zeitalter, in dem der Vorreiter der Technik die Dampfmaschine war, in der Uhrwerke zur höchsten Präzision gebracht wurden und die Nutzung der Elektrizität gerade einmal in den Kinderschuhen steckte. Häufige Elemente des Steampunks sind dampf- und zahnradgetriebene Mechanik, ein viktorianischer Kleidungsstil, eine gewisse Do-it-yourself Mentalität und Abenteuerromantik.
Buntes Treiben auf dem Denkmalareal.
Die Szene passte perfekt zur Sayner Hütte. Das Industriedenkmal aus den Anfängen der Industrialisierung hatte zu seinem 250. Jubiläum zum Steampunk-Festival eingeladen. Auf dem Areal der 1929 stillgelegten Eisengießerei in Bendorf-Sayn drehte sich ein Wochenende lang alles um die Steampunk-Szene. Mit Dampfmaschinen und Zahnrädern, Zylindern und Korsetts wurde die historische Maschinentechnik der Sayner Hütte neu belebt. Das Denkmalareal wurde zum Schauplatz eines bunten Programms für alle Altersstufen, bei dem die Steampunks einen Blick auf eine Vergangenheit öffneten, die es so nie gegeben hat.
Die Steampunk-Freunde aus Darmstadt waren von der Ausstellung begeistert.
Auf dem Sayner Hüttengelände waren an zwei Tagen Luftschiffe, Dinosaurier, futuristische Blitze aus Tesla-Spulen und Expeditionscamps zu erleben. Fabelgestalten, Händler, Künstler und Tüftler bevölkerten das ehemalige Hüttenwerk und luden zu Workshops, Vorträgen, Lesungen und Musik ein. Die Programmpunkte hörten sich nicht nur skurril an, die Besucher sollten ganz bewusst in eine Fantasiewelt eintauchen: So zeigte ‚Doctore Minutera‘ wie Nassplattenfotografien hergestellt werden und das ‚Amt für Aetherangelegenheiten‘ stellte Zeitreisepässe aus. Im Camp der Expeditions-Gesellschaft konnten Objekte und Kreaturen von fernen Reisen entdeckt werden. Im alten Hochofen wurden Kurzgeschichten vorgelesen und in der Krupp’schen Halle waren Steampunkmodelle und Dampfmaschinen zu bewundern. Neben verschiedenen Live-Acts auf den Bühnen zeigten als Höhepunkt niederländische Performance-Künstler eine Feuer- und LED-Show. Daneben gab es Steampunk auf die Ohren von Turm & Strang aus Österreich und Feline & Strange aus Berlin. Tagsüber lud ‚Jazzbaguette‘ mit Dixie-Klängen zum Verweilen ein und die zahlreichen Besucher konnten es sich bei Speis und Trank oder beim Bummeln auf dem Steampunk, Design und Kunsthandwerker Markt in der Gießhalle gut gehen zu lassen.
Die Steampunk-Freunde haben Spaß an der Verkleidung.
Organisatoren und Aussteller waren mit der Durchführung des Events ganz zufrieden. Zwar hielt sich der Besucherstrom am Samstag wegen der großen Hitze tagsüber etwas in Grenzen, dagegen war das Besucheraufkommen am Abend und den ganzen Sonntag bei angenehmen Temperaturen umso größer. Freunde der Szene können sich also wahrscheinlich auf eine Wiederholung des Marktes im nächsten Jahr freuen.
Allerlei Skurrilitäten beherrschten das Angebot.
Die ‚Wäschekammer‘ sorgte für standesgemäßes Outfit.
Beim ,Amt für Aetherangelegenheiten‘ konnten unter anderem auch Zeitreisepässe erworben werden.
Das ‚Kupferwerk‘ bot Steampunk-Zubehör feil.
Eine Besuchergruppe ist begeistert von den Teslaspulen.
Die Gruppe ,Jazzbaguette‘ sorgte mit Dixie-Klängen für gute Laune.
Steampunk-Ausstatter hatten Hochbetrieb.