Allgemeine Berichte | 02.07.2025

Nachruf der Kolpingfamilie Lahnstein

Kolpingfamilie trauert um Thomas J. Scheid

Thomas J. Scheid bei einer Podiumsdiskussion in seinem „Element“.  Fotos: Thomas Schneider

Lahnstein. Die Kolpingfamilie Lahnstein, St. Martin trauert um Thomas J. Scheid, der am 24. Juni 2025 im Alter von 60 Jahren plötzlich und nicht nur für die Kolping-Mitglieder völlig unerwartet verstorben ist. Thomas Johannes Scheid war in der Pfarrgemeinde St. Martin lange Jahre Ministrant und auch lange Zeit Obermeßdiener. Als er altersbedingt diesen Posten nicht mehr ausüben konnte, entschloss er sich ganz bewusst, am 1. Februar 1992 der Kolpingfamilie St. Martin beizutreten, denn auch seine Eltern waren Kolping-Mitglieder. Bereits im August 1990 moderierte er gemeinsam mit Karl-Heinz Otto und Günter Krämer auf dem Salhofplatz den „Mittelrheinischen Kolpingtag“ zum 125jährigen Jubiläum der Kolpingfamilie St. Martin. Die ersten Begegnungen mit Kolping hatte er im Jugendbeirat der Pfarrei, wo er die Ministranten vertrat und auch im Stadtjugendring Lahnstein. Im Stadtjugendring leitete er erstmals eine Podiumsdiskussion mit Kommunalpolitikern der Stadt. Dies sollte auch seine große Aufgabe später in der Kolpingfamilie Lahnstein, St. Martin werden. Der Politologe war souveräner Leiter von Podiumsdiskussionen unter dem Titel „Bürger fragen – Politiker antworten“. Ihm ging es stets um Neutralität, Fairness, Unparteilichkeit aber auch um fundierte Sachkenntnisse. Beliebt waren seine Schnell-Fragerunden, seine kleinen „Spielchen“, die er mit den Kandidaten machte und die Abfrage nach den Wahlprognosen. Diese Diskussionen waren stets ein Gewinn für die Demokratie und prägten auch den Ruf der Kolpingfamilie als Verband, der für Erwachsenenbildung steht. Solche Diskussionen gab es vor Stadtratswahlen, zu Landtagswahlen, zu Bundestagswahlen, zu den Wahlen eines Landrates und auch zu Oberbürgermeisterwahlen. Er begleitete sämtliche OB-Direktwahlen, seit es diese in Rheinland-Pfalz bzw. in Lahnstein gibt, also seit 1997. Stets war Thomas J. Scheid als Moderator bestens präpariert und hatte sich jeweils lange akribisch vorbereitet. Er ließ sich auch bei erhitzten Debatten weder vom Publikum noch von den Kandidaten das Heft aus der Hand nehmen und strahlte Souveränität aus. Sein „Hobby“ war die Kommunalpolitik, so besuchte er nahezu jede öffentliche Stadtratssitzung. Die Podiumsdiskussionen, oftmals auch als Gemeinschaftsveranstaltungen mit der Kolpingfamilie St. Barbara sowie der Presse, wurden sogar während der Corona-Zeit durchgeführt, damals mit Live-Stream aus der Stadthalle. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz war vom Veranstaltungsformat und dem Engagement zum Wohle der Demokratie so angetan, dass er die Kolping-Vorstände zu einer persönlichen Begegnung in den Landtag von Rheinland-Pfalz nach Mainz einlud. Zu neuem Glanz kam die Kolpingfamilie St. Martin auch durch die von Thomas J. Scheid als „Kümmerer“ geleitete Veranstaltungsreihe „Kolping im Gespräch“. Hier gelang es ihm, bekannte Bundespolitikerinnen und –politiker, an die „Basis“ ins Pfarrzentrum am Europaplatz zu holen. „Die große Politik plötzlich im kleinen Lahnstein!“, Persönlichkeiten, die man sonst nur vom Bildschirm kennt einmal live zu erleben, das war eindeutig sein Verdienst. Auch bei „Kolping im Gespräch“ war das Pfarrzentrum jeweils gut gefüllt. Im 150jährigen Jubiläumsjahr der Kolpingfamilie 2015 war die damalige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, zu Gast. Im Herbst 2015 stellte sich der damalige FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner den Fragen von Thomas J. Scheid und des Publikums. Gesprächspartnerin im April 2017 war die seinerzeitige Oppositionsführerin im rheinland-pfälzischen Landtag und damalige stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner am Rhein-Lahn-Eck. Im November 2017 sorgte Gregor Gysi (Die Linke), bei der Talk-Show um keinen Spruch verlegen, für ein „volles Haus“ im Pfarrzentrum. Dann kam im August 2018 Andrea Nahles, seinerzeit SPD-Bundesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende der SPD im Deutschen Bundestag. Rückblickend kann die Kolpingfamilie stolz darauf sein, dass die heutige Bundestagspräsidentin und auch der Alterspräsident des 2025 neu gewählten Bundestages auf dem Kolping-Podium saßen. „Sternstunden“ nicht nur für die Kolping-Gemeinschaft, sondern auch im Leben von Thomas J. Scheid. Den Mitgliedern der Kolpingfamilie bleibt Thomas J. Scheid jedoch auch in Erinnerung als guter Büttenredner bei den Sitzungen der damaligen Kolpingjugend als „Mann von der Partei“, als ehrenamtlicher Helfer hinter den Kulissen bei den öffentlichen Kolping-Karnevalssitzungen, 2024, mit einem Sonderorden ausgezeichnet und auch als Wahlleiter mit viel Übersicht bei unzähligen Jahreshauptversammlungen. Er war nie Vorstandsmitglied, hat aber seine übernommenen Aufgaben stets einhundertprozentig erfüllt. Thomas J. Scheid lebte sein Leben mit tiefer Gläubigkeit und Frömmigkeit. Sein Tod spiegelt den Hinterbliebenen die Endlichkeit und bestätigt die biblische Weisheit, weder Tag noch Stunde zu kennen. Die Kolpingfamilie St. Martin wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Kolpingfamilie Lahnstein

Als Moderator mit der ehemaligen Ministerpräsidentin, Malu Dreyer.

Als Moderator mit der ehemaligen Ministerpräsidentin, Malu Dreyer.

Thomas J. Scheid bei einer Podiumsdiskussion in seinem „Element“. Fotos: Thomas Schneider

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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