Interview mit dem Energie-Effizienz-Experten Maximilian Ziegler
Komplettsanierung zum Effizienzhaus
Kreis Cochem-Zell. Die Sanierung des Altbau-Bestandes ist die größte Stellschraube zum Erreichen der Klimaziele im Landkreis Cochem-Zell. Durch eine Komplettsanierung lässt sich der Energieverbrauch dauerhaft um über 60 Prozent senken. Wie das geht, zeigt die Kampagne „Mein Haus – fit für die Zukunft“ der Energieagentur „unser-klima-cochem-zell e.V.“. Hierbei begleitet der Energie-Effizienz-Experte Maximilian Ziegler der Holzbau Ziegler GmbH aus Pünderich die Sanierung von drei Wohngebäuden.
Herr Ziegler, um was für Gebäude handelt es sich, die Sie begleiten?
Maximilian Ziegler: Ausgewählt wurden drei Einfamilienhäuser. Eins dieser Häuser hat eine verputzte Außenfassade, wurde im Jahr 1982 gebaut und steht in Senheim. Das zweite Wohngebäude mit einer Klinker-Fassade wurde Anfang der 1980er-Jahre in Hambuch gebaut und ein Gebäude mit Bruchstein-Außenwänden aus dem Jahr 1913 steht in Zell-Kaimt. Alle Gebäude wurden bislang mit dem Energieträger Heizöl beheizt und sollen nun zu Effizienzhäusern saniert werden.
Inwieweit lassen sich die Gebäude zu Effizienzhäusern sanieren?
Maximilian Ziegler: Die drei Gebäude sind sehr unterschiedlich und werden individuell betrachtet. Bei den Objekten in Hambuch und Zell soll die Außenfassade erhalten bleiben, sodass die Klinker- und die Bruchsteinfassade weiterhin sichtbar bleibt. Eine Außendämmung kommt für die Bauherren folglich nicht in Frage. Daher wird hier geprüft, ob eine Innendämmung sinnvoll ist. Zudem rückt die Umsetzung anderer energetischer Maßnahmen stärker in den Vordergrund, um dennoch einen möglichst guten Effizienzhaus-Standard zu erreichen. Insbesondere beim Bruchstein-Gebäude von 1913 kann mit vertretbarem Aufwand nur ein „Effizienzhaus 85“ erreicht werden. In Senheim wäre hingegen auch ein „Effizienzhaus 55“ möglich. Es wird anhand verschiedener Kriterien entschieden, welcher Effizienzhaus-Standard erreicht werden soll. Der beste Effizienzhaus-Standard „Effizienzhaus 40“ ist im Gebäudebestand oftmals nur mit sehr hohem Aufwand erreichbar. Dadurch wird der Energieverbrauch und damit die Abhängigkeit von schwankenden Energiepreisen jedoch am meisten reduziert. Bei besonders alten Gebäuden lässt sich durch eine energetische Sanierung mit Abstand am meisten Energie einsparen, selbst wenn kein Effizienzhaus-Standard erreicht wird.
Welche Maßnahmen sind Bestandteil einer Komplettsanierung zum Effizienzhaus?
Maximilian Ziegler: Allgemein sind dies beispielsweise die Dämmung der Außenwände, der Fenstertausch, die Dämmung des Daches oder der obersten Geschossdecke, die Dämmung der Kellerdecke oder Bodenplatte sowie der Heizungstausch. Außerdem ist es wichtig, Wärmebrücken zu beseitigen, beispielsweise an Balkonplatten, Rollladenkästen oder Heizkörpernischen. Ergänzend werden oftmals auch Photovoltaikanlagen errichtet, Lüftungsanlagen eingebaut, Fußbodenheizungen oder Niedertemperatur-Heizkörper eingebaut oder beheizte und unbeheizte Bereiche im Gebäude baulich voneinander getrennt. Entscheidend ist die Gesamtwirkung der Maßnahmen. Wenn beispielsweise vor wenigen Jahren bereits die Fenster getauscht wurden oder die Heizung noch neu ist, werden andere Maßnahmen geplant, als wenn noch keine Sanierung stattgefunden hätte. Wichtig ist ein gutes energetisches Gesamtkonzept, welches auf das Gebäude abgestimmt ist.
Mit welchen Kosten ist bei einer Komplettsanierung zu rechnen?
Maximilian Ziegler: Eine Komplettsanierung ist schnell mit Kosten in Höhe von mindestens 150.000 Euro verbunden. Auf der anderen Seite erfährt die Immobilie dadurch eine enorme Wertsteigerung. Die Steigerung der Behaglichkeit und des Wohnkomforts, die Minimierung der Energiekosten sowie die optische Verschönerung des Gebäudes sind weitere Nutzen aus dieser hohen Investition. Außerdem ist dies der mit Abstand größte Beitrag zum Klimaschutz, den ein Privathaushalt leisten kann. Für den Beitrag zum Klimaschutz unterstützt der Staat diese Maßnahmen mit Förderungen. Pressemitteilung
Kreiswerke Cochem-Zell
