Allgemeine Berichte | 22.04.2025

Konvent der Wollenweberzunft Adenau

Mitglieder der Wollenweberzunft, an der Pfarrkirche St. Johannes d.T.  Foto:Werner Dreschers

Adenau. Ihren Jahreskonvent hielt kürzlich die Wollenweberzunft Adenau. Sie führt ihre Anfänge zurück auf das Gründungsjahr 1648. Ihr gehörten die Tuchmacher, die Schneider und ähnliche Berufe an. Das Adenauer Tuch war eine begehrte Handelsware, die weit über die Region hinaus bekannt war, die Qualität war so gut, dass auch Uniformen aus Adenauer Tuch gefertigt wurden. In manchen Haushalten standen die Fertigungsstätten, einige sind erhalten.

Obligat ist eine heilige Messe, sie fand in der Pfarrkirche St. Johannes d.T. statt. Anschließend trafen sich die Zunftmitglieder zur Jahresversammlung im Restaurant „Fine and More“, gedachten der Toten, lasen das traditionelle Zunftgebet. Patron der Wollenweberzunft ist der heilige Severus, ehedem Bischof von Padua. Er ist bekannt durch das so genannte Taubenwunder. Hierbei sollen sich nach seiner Wahl zum Bischof dreimal Tauben auf ihm niedergelassen haben. Der Schutzpatron wird oft mit einem Wollbogen oder Weberschiffchen abgebildet.

Im öffentlichen Leben treten die Zünfte, meist alle drei, es gibt noch die Gerberzunft und die Hammerzunft, bei Veranstaltungen und Gedenkfeiern repräsentativ auf, etwa beim Volkstrauertag, bei der Fronleichnamsprozession, bei festlichen Anlässen, auch beim Heimatfest sowie bei Begräbnissen ihrer Mitglieder. Zunftmeister oder Fahnenträger führen hierbei die Traditionsfahnen, bei der Gerberzunft ist es eine Standarte, mit. Der Schriftzug auf der Fahne der Wollenweber „Eintracht macht stark“ gibt einen Hinweis auf den Zusammenhalt der Zunftmitglieder und die Bedeutung als ehemalige Schutzvereinigung für ihre Mitglieder. Die Zünfte nahmen zu ihrer Zeit wirtschafts- und sozialpolitische Aufgaben ihrer Mitglieder wahr, sie sind Zeugen einer stolzen Vergangenheit. Die ökonomische und soziale Funktion der Zünfte bestand in der Sicherung der wirtschaftlichen Existenz ihrer Mitglieder, auch durch Zugangsbeschränkungen für auswärtige Meister. Bedeutsam war die Sicherung eines Qualitätsstandards; die Schaffung und Aufrechterhaltung eines gemeinschaftlichen Bewusstseins war eine wichtige Funktion. Darüber hinaus oblag den Zünften die soziale Fürsorge für die Hinterbliebenen ihrer Mitglieder, eine Art frühere berufsständische Sozialversicherung.

Zunftmeister bleibt der bisherge Zunftmeister Michael Holthuysen, er trug die Zunftfahne, und den zweispitzigen Zunftmeisterhut sowie die zweifarbige Schärpe. Zu den Insignien zählt auch eine Zunfttruhe, in ihr werden seit jeher wichtige Unterlagen verwahrt. Michael Holthuysen dankte allen Mitgliedern für ihr Engagement und die Treue zur Zunft, ermunterte dazu, auch weiterhin die Tradition und die Werte der Zunft aufrecht zu halten. In froher Runde verbrachten die Mitglieder den Konvent. Es ist Tradition hierbei die so genannten Schößchen zu verspeisen, Doppelweizenbrötchen mit Wurscht oder Käse.

Die Zünfte werden auch weiterhin bestrebt sein sich mit der Tradition der Vorfahren zu beschäftigen, den Zunftgedanken in die heutige Zeit zu übertragen und sich in manchen Dingen für das Allgemeinwohl einzusetzen, so wie es bereits oft geschehen ist. Interessante Einblicke in die Zunftgeschichte gibt das Heimat-, Zunft und Johannitermuseum in Adenau. Derzeit werden die Schrifttumsbestände digital erfasst, Michael Holthuysen hat maßgeblichen Anteil an der Aufarbeitung. WD

Mitglieder der Wollenweberzunft, an der Pfarrkirche St. Johannes d.T. Foto:Werner Dreschers Foto: Werner Dreschers Tannenweg 6 535

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