Brillante Aufführung des Thürer Theater-Ensembles wurde mit stehenden Ovationen gefeiert
Krimi-Komödie: „Saustall beim Amtsgericht“
Thür. Ein seltsamer Fall wird vor dem Amtsgericht Mayen-Land verhandelt: Es geht um einen Schweinediebstahl im kleinen Dorf Thür und es stellt sich sehr bald heraus, dass seine Bewohner längst noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind. Die Richterin, der Verteidiger und die Staatsanwältin tun sich sehr schwer mit dem urwüchsigen, streit- und rauflustigen Völkchen. Bei der Suche nach der Wahrheit prallen zwei grundverschiedene Welten aufeinander: Rechtspflege steht gegen Bauernschläue. Sitzt der Beklagte zu Recht auf der Anklagebank? Was hat es mit dem ominösen Unbekannten auf sich, der ihn angeblich durch die hölzerne Wand des Schweinestalls gestoßen haben soll? Welche Rolle spielen eine Wirtin, eine alte Kräuterfrau, ein Viehhändler und ein Dorfvorsteher in diesem verzwickten Fall? Drei Verhandlungstermine und ein Lokaltermin werden angesetzt, bis das Verfahren schließlich eine überraschende Wendung nimmt. Am Ende stellt der zum Teil äußerst verwirrte Zuschauer fest, dass die Thürer zwar schnell mit den Fäusten zur Sache kommen, wenn es darum geht ein Problem zu lösen, aber genauso schnell bereit sind, sich wieder zu versöhnen.
Wer könnte diese Art von Problemlösung besser deutlich machen, als die neun ambitionierten Thürer Darsteller, welche unter der perfekten Regie von Ina Ruland aus Nickenich in der bis auf den letzten Platz besetzten Mehrzweckhalle die Krimi-Komödie „Saustall im Amtsgericht“ zum Besten gaben. Die Gründung der Thürer Theatergruppe im Jahre 2011 basiert auf einer Initiative von Marie-Luise Marhöfer. Bereits im Oktober 2012 feierte das zehnköpfige Ensemble anlässlich des Jubiläums „900 Jahre Thür“ mit dem Theaterstück „Die Senorina aus Messina“ eine viel umjubelte Premiere.
Unterhaltung vom Allerfeinsten
Die Premiere am Samstagabend war wieder einmal ein Riesen-Erfolg und wurde von den restlos begeisterten Zuschauern mit nicht enden wollenden stehenden Ovationen gefeiert. Während Marie-Luise Marhöfer sich als für das Publikum „unsichtbare“ Souffleuse verdingte, gaben die höchst engagierten Darsteller einfach Alles. Ob es sich um die professionell anmutende Amtsrichterin Jessica Müller handelte oder um die ebenso zickige wie liebenswerte Staatsanwältin Dr. Helma Weihmut (Ilona Fuhrmann), die von dem souverän auftretenden Verteidiger Dr. Heinrich Strelitzki, dessen Rolle Jürgen Jakob geradezu auf den Leib geschrieben schien, verehrt wurde - das Ensemble belohnte die Besucher mit Unterhaltung vom Allerfeinsten. Dies galt auch für den Gerichtsdiener Bruno Kohlfeld, urkomisch dargestellt von Dominik Mittler, den Beklagten Willi Berresstein, hier hätte man sich keine idealere Besetzung, als Jürgen „Jockel“ Fuchs wünschen können, die rauflustige Klägerin Hannah Buxem, absolut authentisch dargestellt von Steffi Regnery, das urige Kräuterweib Rosi Zeiler - Monika Haupt sorgte nicht nur beim Publikum, sondern auch vor Gericht für so manchen Lacher, die Wirtin Martha Buxem, Anke Bröker war als Geliebte des Beklagten absolut überzeugend, und nicht zuletzt Walpurga Pilger, Gattin des Ortsvorstehers, die aufgrund des charmanten und von klassischer Eleganz geprägten Auftritts durch Christine Massion eine frappierende Ähnlichkeit mit der realen Welt erkennen ließ.
Fazit: ein unvergessliches Erlebnis
Die ebenso spannende wie fröhlich stimmende Aufführung der mit Herz und Seele engagierten Akteure war wieder einmal ein unvergessliches Erlebnis und es bleibt zu hoffen, dass Marie-Luise Marhöfer auch im nächsten Jahr von der Muse geküsst wird und die offensichtlich große Fangemeinde mit einer neuen Inszenierung überraschen wird.
FRE
Trotz einiger Blessuren ist die Liebe zwischen Staatsanwältin Dr. Helma Weihmut (Ilona Fuhrmann) und Verteidiger Dr. Heinrich Strelitzki (Jürgen Jakob) ungebrochen.
Ebenso wie Verteidiger Dr. Heinrich (links) fing sich auch die Amtsrichterin (Jessica Müller) bei einem Ortstermin ein blaues Auge ein.
Die insgesamt neun ambitionierten Darsteller lieferten eine bravouröse Leistung ab und ernteten dafür nicht enden wollenden stehenden Applaus.
Stoisch verweigert der Angeklagte Willi Berresstein (Jürgen ‚Jockel‘ Fuchs) die Aussage: „Esch säin aus Thür, esch sohn neust“.
