Sechs Städte wollen enger zusammenarbeiten
„Kulturregion Mittelrhein“ startet durch
Koblenz. Auf Initiative der Kulturdezernentin der Stadt Koblenz Dr. Margit Theis-Scholz fanden im Jahr 2016 Gespräche mit den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern der Nachbarstädte Andernach, Bendorf, Lahnstein, Mayen und Neuwied statt, bei denen die regionale Zusammenarbeit im Kulturbereich angeregt wurde. Dabei soll zum einen die Intention der engeren regionalen Kooperation und damit auch überregionale Stärkung der Wahrnehmung als Kulturregion erreicht werden, zum anderen das Einwerben von Fördermitteln für mögliche gemeinsam zu entwickelnde Kulturprojekte erleichtert werden. Bei der ersten gemeinsamen Zusammenkunft der Vertreter der Kulturämter wurde das Ziel vereinbart, die regionale Zusammenarbeit künftig über die gemeinsam entwickelte Konzeption von Veranstaltungsformaten zu intensivieren. Ausgehend von einer gemeinsamen Grundidee soll das jeweilige spezifische Veranstaltungskonzept im Hinblick auf die jeweiligen lokalen Gegebenheiten unterschiedlich umgesetzt werden.
Das neue Logo
Um die Kulturallianz auch nach außen wahrnehmbar zu machen, wurde ein neues Logo entworfen. Dieses wurde im Mittelrhein-Museum in Koblenz von den Bürgermeistern der teilnehmenden Städte vorgestellt und soll als Dachmarke für künftige gemeinsam stattfindende Kulturveranstaltungen verwendet werden. Das Logo der Kulturregion zeigt ein Smiley-Gesicht aus verschiedenen Elementen, eine Musiknote die für Kultur stehen soll, einen grünen Pinselstrich, der die Landschaft darstellen soll, sowie einen blauen der den Rhein, beziehungsweise einen Fluss symbolisieren soll, da auch die Stadt Mayen an der Kooperation teilnimmt und als einzige Stadt kein Rheinanlieger ist. Das orangefarbenes x auf dem Plakat gab auf der Pressekonferenz Rätsel auf und musste näher erläutert werden. „Das x soll für die Besonderheiten stehen, die in den einzelnen Städten hinzukommen“, erklärte Bendorfs Bürgermeister Michael Kessler. „Wir sind nur als Region stark“, betonte der Koblenzer OB Joachim Hofmann-Göttig. Mit der Zusammenarbeit wolle man ein starkes Zeichen setzen, Engstirnigkeit und Kirchturmdenken ablegen. „Kultur kennt keine geographischen Grenzen“. „Auch wenn wir in Koblenz einen größeren Block haben, führen wir die Menschen gerne in die Region“, so Göttig. Im Verbund sei das Einwerben von Fördermittel für mögliche Kulturprojekte vielleicht einfacher, nennt Göttig einen weiteren Grund für den Zusammenschluss. Mayens Stadtchef Wolfgang Treis dankte Dr. Margit Theis-Scholz für die Initiative. „Es gibt viele Metropolen um uns herum, daher ist es gut, wenn wir uns gemeinsam präsentieren.“ Hofmann-Göttig bezweifelt, dass man mit Metropolen, wie beispielsweise der Rhein-Main-Region oder Köln mithalten könne. Es gehe in erster Linie darum, ein öffentliches Bewusstsein für die Region zu schaffen. Hofmann-Göttig geht davon aus, dass 50 Prozent der Menschen nicht bekannt ist, was außerhalb ihrer Stadt in den umliegenden Orten geboten wird. „Mit vielen Veranstaltungen unter einem Motto, möchten wir die Menschen dazu zu animieren, aus ihren Städten herauszugehen“, so Neuwieds Bürgermeister Michael Mang.
Projekte die zur Region passen
Auch Bendorfs Bürgermeister Michael Kessler sieht in dem Zusammenschluss zur „Kulturregion Mittelrhein“ einen guten Auftakt für viele gemeinsame Projekte. Dass die Initiative, die sich auch aufs Umland beziehe, von Koblenz ausgehe, freue ihn besonders. „Es gibt keine Konkurrenzsituation zu anderen Regionen, vielmehr geht es um Gemeinsamkeiten“, so Kessler. Sich vom „Kirchturmdenken“ zu lösen und das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen, sei auch das, was die Bürger erwarten“, sagt Lahnsteins Oberbürgermeister Peter Labonte. Auch Andernachs Oberbürgermeister Achim Hütten steht dem Projekt positiv gegenüber. „Es ist etwas in der Entstehung, was sich durch Begegnungen und Gespräche weiterentwickeln lässt“, so Hütten. Für die Initiatorin, Dr. Margit Theis-Scholz, stehen nicht die finanziellen Mittel, sondern der Informationszusammenschluss an erster Stelle. Seit etwa eineinhalb Jahren arbeitet sie gemeinsam mit Mitarbeitern von den Kulturämtern der sechs beteiligten Städte zusammen. Ziel sei es Projekte zu entwickeln, die zur Region passen. Dabei gehe es in erster Linie darum, nicht mehr zu konkurrieren, sondern zusammenzukommen. „Das war anfangs nicht für alle selbstverständlich im Kopf“, sagt Theis-Scholz. „Mit unserer ersten Veranstaltung möchten wir generationsübergreifend verschiedene Publikumszielgruppen ansprechen.“ Mit diesem Format sei auch die Absicht verbunden, das regionale Marketing als „Kultur- Wein-Genuss-Region“ zu stärken und das öffentliche Bewusstsein für ein regionales Profil zu fördern. Letzteres sei auch der Schwerpunkt der weiteren Ideen. „Unter dem Motto „Kunst im Fluss“ können wir uns vorstellen, Kulturschiffe die über den Rhein schippern zu lassen“, verrät Theis-Scholz eine in Planung befindliche Folgeveranstaltung. „Neben der Auftaktveranstaltung sind bereits viele weitere Vernetzungs- und Austauschideen in Planung“, betont auch Charlotte Everling vom Andernacher Kulturamt. So sei beispielsweise bereits im vergangenen Jahr die „Nacht der Museen“ auf die Region ausgeweitet worden. Auch ein gemeinsamer Galerie- und Atelierführer sei schon in Angriff genommen worden. Diese Kooperation ist natürlich auch mit zusätzlicher Arbeit verbunden“, weiß Everling. „Diese muss entsprechend verteilt werden, denn es wäre schade, wenn das Projekt an Personalmangel scheitern würde“, so Everling. Eine erste Realisierung des Projektes findet im Sommer mit der Veranstaltung „Musik und Wein an besonderen Orten“ statt. Geplant sind folgende Termine: Freitag, 8. Juni in Neuwied, Sonntag, 10. Juni in Koblenz, Freitag, 15. Juni in Bendorf und Samstag, 16. Juni in Lahnstein. Ziel dieses Veranstaltungsformates sei, der vielseitigen und facettenreichen regionalen Musikszene mit unterschiedlichen Darbietungen von kleinen Ensembles und Solisten im Sinne von Kultur im öffentlichen Raum Aufführungsgelegenheit zu geben. Die Städte Andernach und Mayen nehmen am ersten gemeinsamen Projekt nicht teil, da zu diesem Zeitpunkt bereits eigene Veranstaltung in den Städten stattfinden.
Logo der Kulturregion Mittelrhein.
