Was ist aus der Radfahrergruppe von Peter Mittler an der Uni Bremen geworden?
Kunst im öffentlichen Raum
Mendig. Anlässlich eines Besuchs in der Hansestadt Bremen haben meine Frau und ich, Hans-Peter Kranz, uns erinnert, dass Peter Mittler, einer der bekannten und prägenden Künstler unserer Region, Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine Figurengruppe geschaffen hatte, die auf dem Gelände der Universität Bremen installiert wurde.
Er beteiligte sich an einer bundesweiten Ausschreibung „Kunst im öffentlichen Raum“ und erhielt den Zuschlag für seine gesellschaftskritische Skulptur „Radfahrergruppe“. Bis 1978 gestaltete Peter Mittler dann eine fünfköpfige Skulptur in Polyester- und Stahlausführung. Großformatige Fotos der „Bremer Radfahrergruppe“ wurden 1980 in Paris im Rahmen der „Biennale des Jeunes“ im Centre Pompidou ausgestellt – eine große Auszeichnung für den Mendiger.
Auszug aus – up2date, das Onlinemagazin der Universität Bremen, Kategorie „Campusleben“ dem Artikel „Kennt Ihr schon… die Radfahrergruppe auf dem Boulevard?“ von Karla Götz: Seit Oktober 1978 liefern sie sich einen erbitterten Kampf um das Finale. Drei Radrennfahrer, angepeitscht von ihren Trainern. Peter Mittler, ein Künstler aus der Eifel, nannte die Szene „Konkurrenz“. Der Zahn der Zeit, gepaart mit studentischem Übermut, hat die fast lebensgroßen naturalistischen Figuren stark angenagt. Viele Passanten wundern sich über die Fragmente. Genaues Hinsehen lohnt sich aber.
Der Fahrer im braunen Trikot ist böse gestürzt. Sein Verfolger in Rot verliert gerade seinen Vorsprung. Kollision droht. Er erhält von seinem Trainer im roten Jogginganzug den Hinweis, auszuweichen und Speed zu geben. Der Einpeitscher trägt unverkennbar die Züge Adolf Hitlers. Für den Blauen, ursprünglich an dritter Position, tun sich plötzlich ungeahnte Siegesschancen auf. Deswegen reibt sich auch sein Trainer mit den Ludwig-Erhard-Gesichtszügen* erfreut die Hände.
Die Szene hat eine beeindruckende Dramatik. Sie war aber von Anfang an dem Verfall ausgesetzt. Vielleicht spielte auch das Material, Polyester, eine Rolle. 1992 wurde noch einmal restauriert, doch nun sehen die Fahrer wieder traurig aus. Bemooste oder mit Handzetteln beklebte Rücken, entstellte Gesichtszüge, blätternde Farbe.
Die Vorgeschichte der Skulptur ist politisch. 1973 hatte die Bürgerschaft das Programm „Kunst im öffentlichen Raum“ beschlossen. Davon wollte auch die Uni im zweiten Bauabschnitt rund um den Sportturm profitieren. Das Universitätsbauamt lobte einen bundesweiten Wettbewerb aus. Eine eigens einberufene Planungsgruppe formulierte, die künstlerischen Maßnahmen sollten „mehr bewusstseinsbildend als kompensatorisch“ sein. „Dieses Bewusstsein bezieht sich auf die kritische Einschätzung der gesellschaftlichen Realität und die Veränderung dieser Realität im Interesse benachteiligter Gruppen.“ Es sollte also gesellschaftskritisch und nicht dekorativ zugehen. Im Universitätsarchiv finden Interessierte ein ganzes Konvolut von Akten, Protokollen und Briefen, die die schwierige Geburt der Radfahrergruppe erhellen. Ein Prozess, der von 1974 bis zur Einweihung 1978 dauerte. Beratergruppen diskutierten in vielen Sitzungen hin und her. Der Künstler musste seine Entwürfe immer wieder anpassen und ändern und zum Schluss auf einem öffentlichen Kolloquium vorstellen.
*) Nach der Erinnerung von Doris Mittler, der Witwe von Peter Mittler soll es sich um die Gesichtszüge von Franz-Josef Strauß handeln. Er war ein umstrittener Politiker, der für Peter Mittler ein rotes Tuch war. Auf Nachfrage bei der Universität Bremen ließ sich kein Hinweis auf die Richtigkeit der Gesichtszüge Ludwig-Erhards in den Archiven finden.
Die Skulptur ist ein Beispiel dafür, wie die öffentliche Hand zurzeit mit Dingen umgeht, die sie initiiert und in ihre Obhut genommen hat. Es war erfreulich, dass meine Frau und ich Menschen trafen, die uns den Weg zu der Radfahrergruppe zeigen konnten. Das Werk von Peter Mittler ist nicht vergessen, bedarf aber einer erneuten Anstrengung zum Erhalt. Peter Mittler hat Marken gesetzt, die unsere Region auch weit über sie hinaus repräsentieren.
Ein weiterer Auszug aus – up2date, das Onlinemagazin der Universität Bremen, Kategorie „Campusleben“ dem Artikel „Kennt Ihr schon… die Radfahrergruppe auf dem Boulevard?“ von Karla Götz: Für Peter Mittler, den Bildhauer aus dem 8.000-Einwohnerort Mendig in der Eifel (nahe Koblenz), war die sozialkritische Plastik aus Polyester auch eher die Ausnahme. Der begeisterte Biker hatte zwar die Steinmetzwerkstatt seines Vaters übernommen, doch zunächst vorrangig martialische Motorradplastiken aus Einzelteilen zusammengeschweißt. Nebenbei jobbte er als Steinmetz und restaurierte Kirchen. Nach einem Studium an der Werkkunstschule Köln versuchte er sich in sozialkritischen Plastiken. Das kam Ende der 60er-Jahre gut an und machte ihn bekannt. Seine Bremer Radfahrergruppe wurde sogar im Centre Pompidou in Paris ausgestellt. Mittler verließ die politische Kunst schnell wieder. Er wendete sich dem heimischen Basalt der Eifel zu und haute Skulpturen in Stein. Am liebsten Drachen und Fabelwesen. Sein letztes Werk war die „Mogenia-Schutzengel der Motorradfahrer“. Die Einweihung, zu der Hunderte Biker kamen, erlebte er nicht mehr. Peter Mittler starb 2004 im Alter von 58 Jahren. Zur voraussichtlichen Haltbarkeit seiner Radfahrergruppe hatte er 1976 dem Universitätsbauamt geschrieben: „Vor mutwilligen Zerstörungen muss man eine Polyesterplastik nicht mehr als eine Marmorplastik schützen“. Wenn er sich da mal nicht geirrt hat.
Peter Mittler hat auch den öffentlichen Raum in unserer Region mit seinen Werken geprägt und zu Diskussionen angeregt. Genannt seien hier nur der „Liegende Stier“ auf der Verkehrsinsel Poststraße/Ecke St. Barbarastraße in Mendig, das Basalttor auf dem Verkehrskreisel Polcher Straße in Mayen, Albertus Magnus vor dem Lava Dome und dem Löwen am Marktpatz, beide in Mendig. Peter Mittler entlockte dem Material seiner Heimat Basalt ausdrucksstarke Kunstwerke. Mit dem heimischen Material hat er Werke geschaffen, die auch noch in Zukunft die Erinnerung an ihn wachhalten.
Hans-Peter Kranz
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