Allgemeine Berichte | 23.01.2024

Vortrag von Prof. Dr. Günther Rüther im Odendorfer Zehnthaus

Kurt Tucholsky und die Weimarer Republik

Prof. Dr. Günther Rüther, der 2018 seine Biografie „Wir Negativen“ über Kurt Tucholsky veröffentlichte, referierte über das Leben und Werk des berühmten Journalisten und Schriftstellers. Foto: privat

Odendorf. Im Zehnthaus von Swisttal-Odendorf fand am 16. Januar ein bemerkenswerter Vortrag statt. Prof. Dr. Günther Rüther, der 2018 seine Biografie „Wir Negativen“ über Kurt Tucholsky veröffentlichte, referierte über das Leben und Werk des berühmten Journalisten und Schriftstellers.

Der Referent begann mit Tucholskys Kindheit und Jugend in einem gutbürgerlichen, assimiliert-jüdischen Elternhaus. Er skizzierte die Stationen von Tucholskys Leben, das im wilhelminischen Deutschland seine Prägung erhielt. Schon früh zeigte sich sein literarisches Talent: Bereits in der Schule entwickelte Tucholsky eine Affinität zum Schreiben und machte sich während seines Jurastudiums in Berlin, Genf und Jena als Schriftsteller einen Namen. Sein erstes Buch, „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“, erschien 1912, als er 22 Jahre alt war.

Nach seiner Promotion Anfang 1915 diente Tucholsky bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als Soldat. Obwohl er zunächst systemkonform war, entwickelte er bald eine ablehnende Haltung gegenüber dem Militär. Er wurde zu einem überzeugten Pazifisten und trat für internationale Verständigung und Abrüstung ein, wobei er auch die französische Kultur und Gesellschaft, die für ihn von großer Bedeutung waren, in den Blick nahm.

In der Weimarer Republik machte sich Tucholsky vor allem als Journalist einen Namen. Er schrieb für renommierte Publikationen wie das „Berliner Tageblatt“, die „Berliner Volks-Zeitung“, den „Vorwärts“, den „Simplicissimus“ und die „Weltbühne“. In seinen Artikeln deckte er gesellschaftliche Missstände auf, kritisierte politische Entwicklungen und warnte vor der aufkommenden Bedrohung durch den Nationalsozialismus. Sein markanter Stil, geprägt von Wortwitz und Sarkasmus, machte ihn zu einem gefürchteten und gleichzeitig bewunderten Kritiker. Trotz seiner harten Kritik blieb er ein engagierter Verfechter der Demokratie.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste Tucholsky ins Exil fliehen. Er emigrierte nach Schweden und verfolgte die Entwicklungen in Deutschland mit großer Sorge. Politische Verfolgung und persönliche Rückschläge führten zu einer tiefen Krise. Am 21. Dezember 1935 verstarb Kurt Tucholsky in Göteborg im Alter von nur 45 Jahren.BA

Prof. Dr. Günther Rüther, der 2018 seine Biografie „Wir Negativen“ über Kurt Tucholsky veröffentlichte, referierte über das Leben und Werk des berühmten Journalisten und Schriftstellers. Foto: privat

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