Allgemeine Berichte | 11.04.2017

Josef Siebenborn stellt seine Schrift vor und erzählt darin die Geschichte vor und nach der Eingemeindung

„Lay – vom Armenhaus zum beliebten Stadtteil“

Zur offiziellen Vorstellung der Lektüre von Josef Siebenborn waren einige Interessierteund Mitstreiter in das TSV-Heim am Sportplatz in Lay gekommen. Fotos: Udo Stanzlawski

Koblenz-Lay. Der Autor Josef Siebenborn berichtet in seiner Lektüre von dem Ort Lay, einer der wahrscheinlich ärmsten Gemeinden im ganzen Regierungsbezirk, der heute zu einem der schönsten und beliebtesten Stadtteilen von Koblenz zu zählen ist. In groben Zügen will die Schrift von Siebenborn unter der Überschrift: „Lay – vom Armenhaus zum beliebten Stadtteil“ die Zeiten vor und nach der Eingemeindung darstellen. Seine Schrift umfasst 43 Seiten, ist mit alten und neuen Bilder bestückt und wurde in einer Auflage von 70 Exemplaren gedruckt und ist ab sofort in den beiden Bankfilialen in Lay käuflich erhältlich.

Zur Vorstellung begrüßte Ortsvorsteher Jörg Kreuser einige Gäste im TSV-Heim am Sportplatz in Lay. „Mit Spannung und großer Aufmerksamkeit habe ich die Lektüre gelesen“, so Kreuser. „Danke kann ich sagen. Danke dafür dass du mit deiner Arbeit die ereignisreichen Stationen des Layer Dorflebens zu Papier gebracht hast. Damit hast du Geschichte gesichert, die unseren Kindern und den zukünftig in Lay lebenden Menschen in Lay zugänglich bleiben muss“, fügte er an.

Vor 50 Jahren waren die Straßen in Lay noch nicht befestigt

Einen kurzen Einblick in das Buch gab die Tochter des Autors, Rita Siebenborn und zeigte an einigen Zitaten und wenigen Beispielen, wie es von einem Armenhaus zu einem beliebten Stadtteil kam. Aus den Layer Nachbargemeinden hört man heute noch den Spottnamen „Kuoleroffer“. Mit dieser Aussage sollen die ärmlichen Verhältnisse in Lay ausgedrückt werden. Denn nach dem Ersten Weltkrieg sammelten die Layer aus den Schießständen auf der Karthause Gewehrkugeln und verkauften diese beim „Lompe-Dott“. Dass vor 50 Jahren die meisten Straßen noch nicht befestigt waren, dass durch die Straßenrinnen die Hausabwässer flossen und dass viele andere Dinge im Argen lagen, wissen nur noch die älteren Bürgerinnen und Bürger. Mit der Bezeichnung „Armenhaus“ ist nicht nur die Gemeinde Lay gemeint, arm waren auch die Einwohner. Im Jahr 1680 zählt der Ort nicht mehr als 52 Bürger. Mehrere Klöster, Adelsleute, Ministerialen und einige Wohlhabende besaßen in Lay Höfe zu denen Weinberge, Felder und Wiesen gehörten. An der großen Anzahl der Höfe ließ sich unschwer erkennen, dass nur ein Teil der landwirtschaftlichen Flächen und der Weinberge im Besitz der in Lay lebenden Menschen war. So kann von einem Wohlstand der Layer Bürger nicht ausgegangen werden. Hinzu kam, dass sie oft ihren kleinen Besitz teilweise oder ganz verloren haben, weil sie ihre Grundstücke an die Klöster oder Wohlhabenden aus Geldnot verpfänden mussten und das verzinste Darlehen nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzahlen konnten.

Es gab auch noch andere Gründe für die Armut im Ort. Durch die Bautätigkeiten in Koblenz und die Festungsbauten – Feste Konstantin und Festung Ehrenbreitstein – stieg die Zahl der Tagelöhner in Lay stark an. Für diesen Personenkreis musste die Gemeinde hohe Sozialleistungen aufbringen. Waren es jahrhundertelang die Zehnt- und Drittelabgaben, die die Bürger belasteten, so kamen im 18. Jahrhundert noch „bedrückende Steuerzuschläge“ dazu. Zur Tilgung von Kriegsschulden aus der Zeit nach 1794 musste die Gemeinde Lay 1822 alle ihre Grundstücke veräußern. Somit hatte die Gemeinde keinen Besitz mehr, um ihren Bürgern aus der Not helfen zu können, so ging selbst am Bettelstab. Erst 1921 gab es in Lay elektrisches Licht, 1924 floss erstmals Wasser aus der Leitung und im Jahr 1926 wurde eine Busverbindung zwischen Lay und Koblenz eingerichtet.

Aufschwung dank Eingemeindung

Ende der sechziger Jahre beschloss die rheinland-pfälzische Landesregierung eine Gebiets- und Verwaltungsreform. Eine Wende in Sicht? Es wurde bekannt, dass Randgemeinden in größere Städte eingemeindet werden. Im Herbst 1969 hieß es, dass Lay und einige andere Gemeinden ihre Selbstständigkeit verlieren. Empörung und Ungewissheit machten sich breit. Zudem kamen Zukunftsängste auf. Doch ganz im Gegenteil, Lay geriet nicht in Vergessenheit, sondern es gab Pläne zur weiteren Entwicklung des Stadtteils. Die Eingemeindung brachte eine ausreichende Wasserversorgung und 1970 konnten bereits 300 Häuser gezählt werden. Entsprechend stieg die Einwohnerzahl von 730 auf fast 2.000 um die Jahrtausendwende. Die Stadt Koblenz investierte viel Geld in den Kanal- und Straßenbau. Ein Fortschritt war unübersehbar und Feste wurden gefeiert. So wurde auch im Herbst 1971 das große Koblenzer Wein- und Erntefest gefeiert. Das Jahr 1970 brachte hinsichtlich der desolaten Finanzlage der Gemeinde Lay die Wende. Es ging steil bergauf und maßgebliche Veränderungen brachten Lay zu einem der heute beliebtesten Stadtteile.

Viele Neubürger bekunden heute, dass sie sich in Lay wohlfühlen und als Wohnort wegen der schönen Lage bevorzugen. Der Stadtteil ist eingerahmt von Weinbergen, Wald- und Grünflächen. Ein Dorf, das jahrhundertelang ein äußerst ärmliches Dasein fristete, wurde dank der Eingemeindung in einer Zeit von 30 Jahren zu einem vorzeigbaren und aufgeschlossenen Stadtteil. Und dank Josef Siebenborn wurde diese Ortsgeschichte nun für die Zukunft festgehalten. US

„Lay – vom Armenhaus zum beliebten Stadtteil“

Zur offiziellen Vorstellung der Lektüre von Josef Siebenborn waren einige Interessierte und Mitstreiter in das TSV-Heim am Sportplatz in Lay gekommen. Fotos: Udo Stanzlawski

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