Kurzweilige Dienstbotenführung anno 1877 durch die Reichsburg
Lebensart und Wohnkultur in der guten alten Zeit
Cochem. Ein Hauch von Theaterluft weht durch das historische Gemäuer und die prachtvoll möblierten und mit kunstvollen Kleinoden ausgestatteten Kemenaten des Kulturdenkmals Reichsburg, wenn Hausdame Constanze und Kammerdiener Ernst zu einer Besichtigungstour durch die Räumlichkeiten ihres Herrn einladen. Bei diesem handelt es sich um keinen Geringeren als den Kommerzienrat und Kunstmäzen Louis Ravené (1823-1879), den Wiedererbauer von Cochems beliebtem und weltweit bekannten Wahrzeichen, das hoch über der Stadt thront und der traumhafte Blickfang des Moselstädtchens für Einheimische wie Touristen ist und bleibt. Es ist die Zeit nach 1870 in der Reichsburg angebrochen, wie sich am Outfit und der standesgemäßen Ausdrucksweise der beiden Ravené-Bediensteten schnell erkennen lässt. Beide nutzen oftmals gerne den Zeitrahmen einer überschaubaren Abwesenheit ihres Brotgebers, um neugierige Besucher durch die exklusiven Wohnräumlichkeiten von Herrn Kommerzienrat zu führen. Dafür halten sie natürlich mit Freude die Hand auf, wo pro Besucher jeweils eine halbe Goldmark abgelegt wird, die alsbald in den weiten Taschen der beiden Protagonisten verschwindet. Da Herr Ravené in Bälde von seinem Jagdausflug zurückerwartet wird, bleibt den beiden heimlichen Burgführern dann auch nur eine gute Stunde, um Räume, Inventar und das feudale Leben des umständehalber wieder zum Junggesellen gewordenen Hausherrn den neugierigen Gästen näherzubringen. Dies gelingt ihnen aber eindrucksvoll und mit Bravour in einer kurzweiligen und vor allem interessanten Theatershow. Als Solist oder im Duett führen sie mit ausgeprägtem Hintergrundwissen durch das Burginnere und erfreuen ihr Publikum bezüglich des Lebens im 19. Jahrhundert wortgewandt und mit hoher Authentizität. Mit geübter Zunge, aber stets unterwürfiger Betonung, vermittelt Kammerdiener Ernst den Tagesablauf seines Herrn in der Burg und führt die Besucher durch Schreibzimmer, Herrensalon, Frühstücksraum, Boudoir (Ankleidezimmer), sowie den Rüstungs- und Waffenraum, der vom Eigentümer und seinen prominenten Gästen als Zigarrenstube genutzt wird. Die Zahnbürste aus Dachshaar findet sich im herrschaftlichen Waschraum, wo Hausdame Constanze, die ihren untergebenen Kammerdiener Ernst zu keinem Zeitpunkt der Führung aus den Augen lässt, auch über die komische Gepflogenheiten bei der damaligen Morgentoilette plaudert. Im Schlafgemach mit Himmelbett hat sich Ernst den eisernen Bettwärmer geschnappt, um ihn mit heißen Kohlen zu füllen und die Bettstatt des Herrn aufzuwärmen. Die Steinwendeltreppe führt die Besucher ins mit ausgestopften Tierexponaten reichlich bestückte Jagdzimmer, wo der Kammerdiener unter vorgehaltener Hand und mit deutlich erkennbarem Augenzwinkern, frivole kleine Geheimnisse über seinen Besitzer amüsant zu Gehör bringt. Die ausführlich beschriebenen Leckereien auf der langen Tafel im großen Saal, lassen den aufmerksam Zuhörenden sich gerne mal über die Lippen lecken, denn auch die dazugehörigen edlen Weine aus dem 19. Jahrhundert, können sich sehen und schmecken lassen. Derweil gönnt sich Constanze einen tiefen Atemzug vom Riechfläschchen aus ihrer Rockfalte und rezitiert Theodor Fontane und Co., während Kammerdiener Ernst vom Besuch des schwedischen Königs vom vergangenen Jahr schwärmt. Gleichzeitig ist man gemeinsam in froher Erwartung, dass selbst Kaiser Wilhelm I. demnächst seine geschätzte Aufwartung macht. Der Panoramablick vom äußeren Balkonsöller mit kunstvoll geschnitzter Balustrade, der sich 300 Fuß oberhalb der Mosel befindet, ist tatsächlich atemberaubend und als Finale einer besonderen Burgführung trefflich gewählt. Eine tolles Spektakel mit echtem Erlebnischarakter. -TE-
Zur Premierenveranstaltung erhielten die Offiziellen der Führung von Burgherr Oliver Pinzer ein Präsent.
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