Gelungener Liederabend in Bad Breisig
„Leedche“, die von Heimat künden
Dr. Dirk Pollerberg stieß mit seinem Programm auf große Begeisterung des Publikums
Bad Breisig. Wer hätte das gedacht: stehende Ovationen für den so überaus heimatverbundenen Liedermacher Dr. Dirk Pollerberg. Unter dem Titel „Meine Heimat – meine Lieder“ hatte der Komponist, der als Breisiger Urgestein hohes Ansehen in der Quellenstadt genießt, in den Saal des Hotels „Zur Mühle“ eingeladen; und tatsächlich: Viele Bürger, aber auch auswärtige Gäste waren gekommen, um die musikalische Hommage von Pollerberg an seine Heimatstadt zu erleben. Sie wurden nicht enttäuscht: Wunderschön durchkomponierte Melodien und anspruchsvolle Texte spielte und sang „ohse Dirk“, als den ihn die Breisiger kennen, am Klavier.
Die von dem Verein „Forum Kultur“ unter dessen Vorsitzendem Bernd Lang unterstützte Veranstaltung wurde denn auch ein voller Erfolg; sie war gut besucht, und was das Gebotene angeht: Pollerberg trifft den Nerv jedes Besuchers, der die Quellenstadt ins Herz geschlossen hat. Der Protagonist moderiert seine Beiträge selbst an, und er tut dies mit viel Witz. Zunächst unterstreicht er musikalisch seine Ambitionen: „Ahle Leedche moss me singe on sie en Erinnerung bringe.“ Das tut er denn nachdrücklich und liebevoll, zum Beispiel mit dem „Lied von de ahle Bierjass“. Darin lässt er viele einstige Originale auferstehen, wie „de Klees Philipp“, „de Jockey“, „Et Strü“ oder „et Schmitze Änn“. Man muss ihm glauben: „Die Bierjass wor et schönste Strößje von de Welt.“ Aber nicht nur die Bierjass. Der Komponist erzählt ohne Scheu: „Dat Leedche von de Bufhell han ech en de Onnerbotz ofjeschriwwe“, und so wurde die Erinnerung an die Niederbreisiger historische Urzelle „Bufhell“ ein flottes Marschlied, in dem „et Kaisers Billa“ und „et Schmitze Kathrinche“ und andere im Mittelpunkt marschieren.
Lieder vom „Fastelovend“
Dirk Pollerbergs abgeschlossene Karnevalistenkarriere lebt wieder auf in Ausschnitten aus seinen Walzer-Liedern, die einst von Sonja („Ich bin e Breisiger Kind) und dem unvergessenen Scheiki Polch („Ich liebe Breisiger Platt“) interpretiert wurden. Das Publikum lässt sich von den Melodien wieder verzaubern, es schunkelt einfach mit. Ganz anders die Reminiszenz an ein einstiges Breisiger Karnevalsidol, an „de Blumenthals Fritz.“ Ihm zum Abschied hatte Pollerberg damals gesungen „De ahle Fastelovendsjeck jeht heim“, und er wiederholte die unter die Haut gehende Komposition, mit der er gar über den Funk Aufmerksamkeit erregte. Eine völlig andere Qualität hat das gesungene Kompliment an eine durch ihr ansteckendes Lachen bekannte Karnevalistin: „Edithche, Edithche, laach noch emohl“ – und die Leute im Saal lachen tatsächlich mit.
Erinnerungen an die Jugend
In eine Komposition ist „ohse Dirk“ besonders verliebt: „Et Schaufenster vom Theo Brug.“ Jener einstige Spielwaren-Laden an der Koblenzer Straße hatte den Heranwachsenden so fasziniert, dass er früh darüber ein Liedchen schrieb – und das lässt heute noch sehnsüchtige Gefühle aufkommen. Angeblich bei einem Glas Weizenbier war ihm vor Zeiten ein weiteres gefühlvolles Lied eingefallen: „Papa, trag mich!“ – eine Erinnerung an den liebevollen Vater. Vom Heimweh eines aus der Fremde nach Breisig zurückgekehrten Bürgers kündet das kleine Lied „Ach, lossen me doch noch ähs durch Breisig john“. Da prasselt ein Regen von Erinnerungen auf das Publikum ein. Mit Erinnerung hat auch die überaus hübsche Hommage an einen alten Marktbeschicker zu tun: „de ahle Maat-Mann“, der vor Pollerbergs Elternhaus an jedem Zwiebelmarkt seine Bratpfannen anbot und plötzlich fehlte.
Viel Menschenliebe spricht aus dem schwermütigen Text. Auch um Liebe geht es in dem großartigen musikalischen Geständnis: „Ich bin daheim, wo dau bes!“ Schöner kann eine Liebeserklärung nicht formuliert und gesungen werden – und da gibt es zum wiederholten Mal stehende Ovationen. Viele bleibende Eindrücke sind in dem erstmals aufgeführten neuen Lied gesammelt „Die ahle Breisiger Stroße“.
Es sollte der letzte offizielle Beitrag des Abends sein, aber die Leute im Saal konnten von Pollerbergs musikalischen Einfällen noch lange nicht genug bekommen.
Er sang denn noch ein Loblied auf das Breisiger Klima mit „Solang de Sonn‘ scheint“, und bei der alten Pollerberg-Hymne „Breisig, Breisig, schöne Perle hier am Rhein“ war für das Publikum kein Halten mehr: Alle sangen und klatschten kräftig mit. Aber Dr. Dirk Pollerberg weiß, wie man mit Publikum umgeht: Mit seinem nachdenklichen Abschiedslied „Johde Naach, Breisig“ stellte er die Ruhe wieder her und beendete einen Abend der in wunderbare Lieder eingebetteten Heimatliebe, den alle, die dabei waren, so schnell nicht vergessen werden.
Wer den Abend versäumt hat oder Dr. Dirk Pollerberg und zumindest einige seiner Lieder wieder hören will: Am 23. November, 19 Uhr, beim Abend „Breisiger Verzällche“ an gleicher Stelle, ist er wieder dabei. FA
