Allgemeine Berichte | 25.02.2026

Grundschule Kruft fördert Inklusion mit Gebärdensprache

Lernen ohne Worte

Seit Beginn des Schuljahres setzt die Grundschule Kruft ein starkes Zeichen für gelebte Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe: Das Thema Gebärdensprache ist fester Bestandteil des schulischen Lebens geworden.Foto: privat

Kruft. Seit Beginn des Schuljahres setzt die Grundschule Kruft ein Zeichen für gelebte Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe. Gebärdensprache ist fester Bestandteil des schulischen Alltags geworden. Neben regelmäßig stattfindenden Arbeitsgemeinschaften über das gesamte Schuljahr hinweg bis zum Schuljahresende lief vom 27. November 2025 bis zum 29. Januar 2026 zusätzlich ein intensives Projekt mit acht zweistündigen Einheiten. Ziel der Initiative ist es, Kindern frühzeitig alternative Kommunikationsformen nahezubringen, Berührungsängste abzubauen und Sensibilität für unterschiedliche Lebensrealitäten zu fördern. Teilgenommen haben Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 4 mit unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsständen. Gerade diese Heterogenität erwies sich als besondere Stärke, da Gebärdensprache stark visuell, handlungsorientiert und kooperativ angelegt ist.

Zu Beginn lernten die Kinder das Fingeralphabet kennen und übten motiviert, ihre eigenen Namen sowie erste Begriffe zu gebärden. Spielerische Elemente, etwa ein selbst gestaltetes Memory-Spiel, festigten die Inhalte nachhaltig. Schnell zeigte sich eine hohe Merkfähigkeit und gegenseitige Unterstützung innerhalb der Gruppe. Im weiteren Verlauf entstanden einfache Dialoge. Die Kinder begrüßten sich, stellten sich vor, fragten nach dem Befinden und antworteten in Gebärdensprache – ganz ohne gesprochene Worte. Dabei wurde unmittelbar erfahrbar, wie wichtig Mimik, Blickkontakt, Körperhaltung und Aufmerksamkeit für gelingende Verständigung sind. Kommunikation wurde bewusst erlebt und reflektiert. Besonders für sprachlich unsichere Kinder eröffnete die Gebärdensprache neue Ausdrucksmöglichkeiten und stärkte das Selbstvertrauen.

Ein Höhepunkt des Projekts war der Besuch einer schwerhörigen Referentin, die Einblicke in ihren Alltag gab. Die Kinder hatten zuvor Fragen vorbereitet und begegneten ihrem Gast offen und interessiert. Die persönliche Begegnung machte deutlich, dass Inklusion durch Begegnung und gegenseitiges Verständnis wächst. Viele Kinder äußerten anschließend, wie beeindruckend es sei, dass Kommunikation ohne Lautsprache selbstverständlich und souverän funktionieren kann.

Auch kreative Elemente hatten ihren Platz. Mit großem Engagement studierten die Kinder das Lied „Oh Tannenbaum“ in Gebärdensprache ein. Dabei wurde deutlich, dass Musik nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar und spürbar sein kann. Rhythmus, Ausdruck und gemeinsames Erleben standen im Mittelpunkt. Um die Nachhaltigkeit zu sichern, brachte die Schule Gebärdentafeln im Gebäude an und führte eine „Gebärde der Woche“ ein. So bleibt das Thema über den Projektzeitraum hinaus im Alltag präsent. Die fortlaufenden Arbeitsgemeinschaften vertiefen die Inhalte und ermöglichen interessierten Kindern, ihre Kenntnisse weiter auszubauen.

Mit diesem langfristigen Engagement zeigt die Grundschule Kruft, wie Schule einen Beitrag zu Inklusion, Empathie und gesellschaftlichem Zusammenhalt leisten kann. Gebärdensprache wird dabei nicht nur vermittelt, sondern als Brücke zwischen Menschen, Ausdrucksformen und Lebenswelten verstanden. Das Projekt macht deutlich, dass Kommunikation viele Wege kennt und von Kindern wie Erwachsenen erlernt werden kann.BA

Seit Beginn des Schuljahres setzt die Grundschule Kruft ein starkes Zeichen für gelebte Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe: Das Thema Gebärdensprache ist fester Bestandteil des schulischen Lebens geworden.Foto: privat

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