Allgemeine Berichte | 13.03.2018

Koblenzer Literaturtage „ganzOhr“ feierten zehnjähriges Bestehen

Lesung spannte ganz großen Bogen

Schauspielerin Eva Mattes stellte Elena Ferrantes Neapel-Tetralogie im Stadttheater vor

Robert Duchstein (l.) bedankte sich bei Eva Mattes (2. v. l.) und dem „Calamus Reed Quintet“ für die Gestaltung der Matinee.  BSB

Koblenz. Die von der Koblenz-Touristik veranstalteten Koblenzer Literaturtage „ganzOhr“ feierten mit der 22. Literaturmatinee ihren zehnten Geburtstag und den Auftakt des bis zum 24. März andauernden elften Festivals. „Kommissarin Blum“ wechselte dafür eigens vom Tatort Konstanz als Vorleserin ins Theater der Stadt Koblenz. Die Schauspielerin Eva Mattes las Ausschnitte aus der im Suhrkamp Verlag erschienenen vierbändigen, als „Neapolitanische Saga“ bekannten Romanfolge der Schriftstellerin Elena Ferrante. Der letzte Band in deutscher Übersetzung erschien im Januar 2018.

Dank an die „Mutter“ des Festivals und die weitere Familie

Zu Beginn allerdings galt es, Dank zu sagen. Das übernahm der Veranstaltungsleiter der Koblenz-Touristik, Thomas Steinebach, der die Literaturtage von Beginn an begleitet. Genau wie Ruth Duchstein, Inhaberin der Buchhandlung Reuffel, die gemeinhin als „Mutter des Festivals“ bezeichnet wird. Steinebachs Idee, Ruth Duchstein das Festival 2018 zu widmen, goutierte das Publikum mit kräftigem Applaus. Von der „Mutter“ ließ sich Steinebach zu Geschwistern, Tanten, Onkels, Schwägerinnen und Schwägern des Festivals inspirieren. Alles Menschen, die die Literaturtage prägen, sie mit Inhalten füllen, sie finanzierbar machen. Insbesondere zu erwähnen ist das Unternehmen „Becker Hörakustik“, das sich von Anfang an mit „Gut-Hör-Plätzen“ und dem Verleih von Hörverstärkern einbrachte. Die wichtigsten Bande habe jedoch das treue Publikum geknüpft, das für eine hervorragende Auslastungsquote der Literaturveranstaltungen sorgte. „Begleiten Sie uns auch in den schwierigen Weg der Pubertät“, bat Steinebach. Reuffel-Geschäftsführer Robert Duchstein, der das Festival gemeinsam mit seiner erkrankten Mutter Ruth vorbereitet hatte, versprach dem Publikum für die kommenden Tage poetische, autobiografische, spannende und sogar phantastische Literaturerlebnisse.

Auf das an diesem Vormittag Bevorstehende bereitete Theaterintendant Markus Dietze die Zuhörer vor. Insbesondere stellte er das neu gegründete Koblenzer „Calamus Reed Quintet“ vor, das sich mit Rohrblattinstrumenten im Bereich Kammermusik hervortut. Mit Kompositionen von Christopher Meux, Gabriel Fauré und Ton ter Doest ließen die drei Damen und zwei Herren hören, wie besonders der musikalische Dialog von Oboe, Klarinette, Saxofon, Bassklarinette und Fagott klingt.

Eine vierbändige Romanreihe erlebbar gemacht

Aus vier Romanbänden eine Lesung zusammenzustellen, die dem Zuhörer eine ungefähre Vorstellung des gesamten Inhalts gibt, war sicher keine leichte Aufgabe. Markus Dietze zeigte sich überzeugt, dass die intelligente Textauswahl es ermögliche, den ganz großen Bogen der aus den Bänden „Meine geniale Freundin“, „Die Geschichte eines neuen Namens“, „Die Geschichte der getrennten Wege“ und „Die Geschichte des verlorenen Kindes“ bestehenden Saga erlebbar zu machen. Für den Vortrag stand allerdings nicht die Autorin selbst zur Verfügung. Denn Elena Ferrante will anonym bleiben. Deshalb lieh Schauspielerin Eva Mattes dem Text ihre Stimme, die auch das Hörbuch interpretiert hat. Auf der Bühne des Koblenzer Theaters machte Mattes sich ohne Umschweife direkt ans Werk, nahm am Lesetisch Platz, setzte die Brille auf und begann.

Geschichte einer großen und besonderen Freundschaft

Schon mit dem ersten Texthappen wird dem Zuhörer klar, dass es um eine ganz besondere, ganz große Freundschaft zwischen zwei Mädchen geht. Als Schülerinnen streben beide Reichtum an und denken, dass er mit dem Schreiben von Büchern erreichbar sein müsse. Die Ich-Erzählerin ist Elena, die ihre schriftstellerischen Fähigkeiten stets geringer einstuft als die ihrer intelligenten und kreativen Freundin Lila. Deren erste, schon als Schülerin in den 1950er-Jahren scheinbar aus dem Handgelenk geschüttelte, zehnseitige Erzählung „Die blaue Fee“ idealisiert sie derart, dass ihr eigenes Schreiben in ihrer Einschätzung dahinter einfach zurückbleiben muss. Dennoch liebt sie ihre „geniale Freundin“ über alles, beneidet sie aber auch. Eva Mattes las die Dialoge, die ihre wilde Mähne gelegentlich leicht vibrieren ließen, mit kaum differenzierter Stimmfärbung und ohne mimische Interpretation. Zugunsten der Textwirkung nahm sie sich zurück. Die weiteren Leseproben aus Band 2, 3 und 4 gewährten Einblicke in die Jugend- und Erwachsenenjahre bis zum reifen Alter. Die Zuhörer erfuhren, dass Elena erfolgreiche Schriftstellerin wurde. Lilas kindliche Seiten der „Blauen Fee“, die das „heimliche Herz“ von Elenas erstem Roman wurden, ziehen wie ein roter Faden durch die Lesung. Nebenbei liefert der Text etliche Kostproben der Formulierkunst Ferrantes. „Ich glaubte, ihr viel mehr weggenommen zu haben, als sie mir je hätte wegnehmen können“, heißt es, als wegen des Ideendiebstahls das schlechte Gewissen auf Elena lastet. Eva Mattes las, wie Lebenswelten aufeinanderprallen, über die Dünnhäutigkeit der Autorin Elena und ihre stete Frage, die mehr eine Befürchtung zu sein scheint, ob Lila, „die ihr immer noch mehr als jeder andere Mensch bedeutete“ möglicherweise selbst an einem genialen Roman schreibt, in Elenas berufliche Identität einbricht, sie gar aushöhlen wird. Aber wie sollte Lila schreiben, da sie sich selbst doch nicht liebte? „Nein, von ihr würde sicher nichts Denkwürdiges kommen“. Dennoch sollte Lila fortdauern. Aber Elena wollte es sein, die sie fortdauern ließ. Mit diesen Worten entließ die gerade erst bei dem Literaturfest „LitCologne“ in Köln mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnete Eva Mattes das Publikum. Die wenigen Textabschnitte konnten natürlich nur einen Bruchteil der Lebensgeschichte dieser beiden starken Frauenfiguren wiedergeben. Wer mehr über sie erfahren wollte, hatte die Gelegenheit, Buchexemplare am Reuffel-Büchertisch im Foyer zu erwerben und sie mit einer Signatur der Schauspielerin zu veredeln.

BSB

Auch Ute Scherer, Ehefrau des Vorsitzenden des Freundeskreises Theater Koblenz, nutzte die Signierstunde im Anschluss an die Matinee zum einem kurzen Plausch mit Eva Mattes.

Auch Ute Scherer, Ehefrau des Vorsitzenden des Freundeskreises Theater Koblenz, nutzte die Signierstunde im Anschluss an die Matinee zum einem kurzen Plausch mit Eva Mattes.

Lesung spannte ganz großen Bogen

Thomas Steinebach, Veranstaltungsleiter der Koblenz-Touristik, übernahm es, die Gäste zu begrüßen und Dank zu sagen zum zehnjährigen Bestehen der Koblenzer Literaturtage.

Thomas Steinebach, Veranstaltungsleiter der Koblenz-Touristik, übernahm es, die Gäste zu begrüßen und Dank zu sagen zum zehnjährigen Bestehen der Koblenzer Literaturtage.

Robert Duchstein (l.) bedankte sich bei Eva Mattes (2. v. l.) und dem „Calamus Reed Quintet“ für die Gestaltung der Matinee. Fotos: BSB

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