Allgemeine Berichte | 05.11.2021, 15:46 Uhr

Abschied von der Lutherkirche in Montabaur

Letzter Gottesdienst am Reformationstag

Viel Musik gab es im Abschiedsgottesdienst – unter anderem vom Singkreis.Fotos: Evangelischen Dekanats Westerwald
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Montabaur. In einem festlichen Gottesdienst hat die Evangelische Kirchengemeinde Montabaur Abschied von der Lutherkirche genommen. Rund 100 Menschen nutzten die Gelegenheit, am letzten Gottesdienst in der Kirche teilzunehmen, die im Anschluss entwidmet wurde. Pfarrerin Anne Pollmächer begrüßte die Anwesenden und wies auf die vielen Begegnungen mit Gott und zwischen Menschen hin, die in der 54-jährigen Geschichte der Lutherkirche in dem Gebäude stattfanden.

„Vieles können wir nicht in Worte fassen, was jetzt in uns vorgeht“, sagte Pollmächer. In seiner Predigt sprach Dekan Dr. Axel Wengenroth über die wechselhaften Zeiten, in denen wir leben. Kriege überall auf der Welt, die Corona-Pandemie, der Klimawandel, die aktuelle Teuerung, all das seien Themen, mit denen sich auseinanderzusetzen gälte. Auf die damit verbundenen Veränderungen beobachte er drei verschiedene Reaktionen, sagte Wengenroth. Erstens Menschen, die die Veränderung leugnen, indem sie zum Beispiel Corona verharmlosen und den Klimawandel für nicht menschengemacht halten; zweitens Menschen, die unbedingt am Status quo festhalten wollen und aus Angst vor Veränderung den Kopf in den Sand stecken. Und drittens „Menschen, die die Veränderung aktiv angehen, um neue Möglichkeiten zu entdecken, die Zukunft nicht zu erleiden, sondern zu gestalten.“

Besonders junge Leute legten sich da gerade sehr ins Zeug, erwähnte Wengenroth mit Blick auf die Klimadebatte. Die drei Reaktionen ließen sich auch bei Veränderungen in der Kirche beobachten, sagte der Dekan. Durch die stetige Reduktion der Kirchenmitgliederzahlen werde sich die Zahl der Pfarrstellen in den nächsten Jahren verringern, kirchliche Gebäude kämen auf den Prüfstand. „Das Ideal der Vereinskirche ist passé“, sagte Wengenroth. Aber auch in dieser Situation gebe es Menschen, die die Veränderung annehmen und neue Wege der Verkündigung und des kirchlichen Lebens suchen.

„Wir müssen manches Liebgewordene loslassen, können aber Neues entdecken und dabei unseren Glauben ergründen“, sagte der Theologe. „Wir sind zum Aufbruch aufgefordert.“ Wichtige dabei sei: diese Bewegung gehe von Gott aus. „Unsere menschlichen Kriterien wie Geld oder Höhe der Kirchtürme spielen keine Rolle, Gottes Kriterien sind andere.“

Er könne nicht umhin, am Reformationstag Luther zu zitieren, der 1539 schrieb: „Denn wir sind es doch nicht, die da könnten die Kirche erhalten; unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen; unsere Nachkommen werdens auch nicht sein; sondern der ist’s gewesen, ist’s noch, wirds sein, der da spricht: „Ich bin bei euch bis zur Welt Ende“.

Der Bau der Lutherkirche möge 1967 richtig gewesen sein – doch nun sei es Zeit das Lutherzentrum in dankbarer Erinnerung, aber ohne Sentimentalitäten zurückzulassen, sagte der Dekan. Es sei der richtige Schritt, um mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein. Zum Abschluss seiner Predigt ermutigte Wengenroth die Gemeinde mit einer Liedzeile aus einem bekannten Kirchenlied von August Hermann Franke:“ Wir gehen an unseres Meisters Hand und unser Herr geht mit.“ Die musikalische Gestaltung des Abschiedsgottesdienstes lag beim Singkreis, Sophie Jungbluth an der Violine und Ingo Jungbluth sowie Leo Wilderer an der Orgel.

Da die Lutherkirche ursprünglich eine Garnisonskirche war, d.h. für die stationierten Soldaten in der Region erbaut wurde, sprach Militärdekan Thomas Balzk aus Koblenz ein Grußwort. Das Evangelische Militärpfarramt Koblenz I ist zuständig für die Standorte Diez, Koblenz, Lahnstein und zugehörig zum Militärdekanat Köln. Balzk wies darauf hin, dass die Gemeinde der Tempel des lebendigen Gottes sei und nicht abhängig von einem bestimmten Gebäude. Er selbst habe sechs Monate lang in Mali Gottesdienst in einem Zelt gefeiert und dort Kirche erlebt.

Weitere Grußworte kamen von Pfarrer Stefan Salzmann von der Katholischen Pfarrei St. Peter Montabaur, von Stadtbürgermeisterin Gabriele Wieland und Verbandsbürgermeister Ulrich Richter-Hopprich. Im Anschluss an den Festgottesdienst waren die Besucher zu einem Kaffee im Kirchengebäude eingeladen.

Hintergrund

Der erhebliche Sanierungsstau beider evangelischer Kirchen in Montabaur – der denkmalgeschützten Pauluskirche und der Lutherkirche – und die zurückgehenden Mitgliederzahlen führen dazu, dass sich die Evangelische Kirchengemeinde Montabaur von der Lutherkirche trennt. Im Frühjahr 2021 wurden die Kirche und die Nebengebäude an einen Investor verkauft, der auf dem 8000 Quadratmeter großen Gelände Wohnbebauung realisieren wird. Mit der gewonnenen finanziellen Schwungmasse soll ein modernes, barrierefreies und energetisch konzeptioniertes Gemeindezentrum an der, nur einem Kilometer entfernten, Pauluskirche entstehen. Pressemitteilung des

Evangelischen Dekanats

Westerwald

Letzter Gottesdienst am Reformationstag

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Viel Musik gab es im Abschiedsgottesdienst – unter anderem vom Singkreis.Fotos: Evangelischen Dekanats Westerwald

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