Allgemeine Berichte | 02.02.2018

Bei der Kultursommer Eröffnung steht Raiffeisen im Mittelpunkt

Leuchtende Pferde, Kartonhäuser und Gemeinschaftsbacken

Standen Rede und Antwort: Prof. Dr. Jürgen Hardeck, OB Jan Einig, Kulturminister Konrad Wolf, Josef Zolk und Petra Neundorf. FF

Neuwied. Vom 27. bis 29. April wird in Neuwied der Kultursommer Rheinland-Pfalz eröffnet. Auf einer Pressekonferenz präsentierten die Landesregierung, Oberbürgermeister Jan Einig und Stadtmarketing Chefin Petra Neuendorf, was die Besucher erwartet. Die Rede war von einem Kulturfest für alle Generationen mit viel Kunst, Theater und Gemeinsinn. Letzterer rührt von Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen her. Anlässlich den 200. Geburtstagen des Genossenschaftsgründers und Karl-Marx hat das Land den Kultursommer unter die Überschrift „Industrie-Kultur“ gesetzt. „Beide bedeutende Rheinland-Pfälzer haben auf unterschiedliche Weise für einen sozialen und kulturellen Wandel sowie gesellschaftliche Veränderungen gesorgt“, erklärte Kulturminister Konrad Wolf.

Karl Marx aus einer urbanen Umgebung stammend, habe sich mit dem Industrieproletariat beschäftigt. Während der Ökonom und Philosoph politisch aktiv wurde, hat Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen einen anderen Weg beschritten. Er hat Armut und Hunger in der ländlichen Region am eigenen Leib miterlebt. Der Westerwälder entwickelte die Genossenschaftsidee. Ihm waren die Bildung und das gemeinschaftliche Handeln wichtig. In den Genuss seiner Darlehnskassen kamen auch Industriearbeiter, denen durch Kredite selbstständiges Arbeiten ermöglicht wurden.

Die Begrifflichkeit der „Industrie-Kultur“ erklärte Konrad Wolf so: „Viele ehemalige Industriehallen und Flächen beherbergen heute Kultureinrichtungen“. Der Kulturminister nannte aus der Nachbarschaft die Sayner Hütte und die Kulturfabrik in Koblenz.

„Das der Kultursommer hier eröffnet wird, ist uns eine Ehre“, sagte Jan Einig. Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass Raiffeisens Kleinstkreditverein von Neuwied aus in die Welt getragen wurde. Konrad Wolf berichtete, dass der verstorbene Oberbürgermeister Nikolaus Roth daher vehement darauf gepocht hatte, den Kultursommer in Neuwied zu eröffnen.

Raiffeisen Experte Josef Zolk, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft, zeigte sich überzeugt davon, dass Raiffeisen ohne sein Amt als Heddesdorfer Bürgermeister und der Fürsprache des Fürsten zu Wied keinen Erfolg gehabt hätte. Dieser habe auf politischer Ebene in Berlin und beim Kaiser für Raiffeisens Ideen geworben.

Programmpunkte im Sinne Raiffeisens

Die Veranstaltungsmacher haben sich einige Programmpunkte ausgedacht, die ganz im Sinne Raiffeisens „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“ sind. An vorderster Stelle steht ein zwanzig bis dreißig Meter hohes Gebäude, das vom Französischen Künstler Olivier Grossetete aus Pappkartons errichtet wird. „Dazu benötigen wir die Mithilfe von ca. 250 Helfern. Ein paar Tage zuvor werden die Kartons gefaltet und geklebt. Am Samstag ist Aufbau und am Sonntag gemeinschaftlicher Abriss“, kündigte Prof. Dr. Jürgen Hardeck, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter vom Kultursommer RLP, an.

Auch Petra Neuendorf vom Stadtmarketing hat Projekte im Sinne Raiffeisens in Planung. Zahlreiche Bäcker werden öffentlich mit den Besuchern gemeinsam Brot backen. Außerdem werden Neuwieder Floristen und Gärtnereien einen riesigen Blumenteppich gestalten. Eine Privatinitiative ist Kunst im Karree. Die Organisatoren Uli Adams und Volker Frohneberg haben ihre neunte Veranstaltung extra auf die Kultursommeröffnung verlegt. Denn auch dies ist ein Gemeinschaftswerk, zu dem rund sechzig Künstler/innen ihren Beitrag leisten. Viele weitere Programmpunkte sind in Planung. Etwa ein Gottesdienst durch den Arbeitskreis christlicher Kirchen (ACK) oder der Einsatz der Raiffeisen-Botschafter. Derzeit befinden sich die 23 Frauen und Männer noch in der Ausbildung.

Das Brot, dass zu Zeiten Raiffeisens so knapp war, sollen Kinder schätzen lernen. An über 20 Schulen und Kitas entlang der Raiffeisenstraße wird Saatgut verteilt. Es soll ausgesät, geerntet und das Getreide gemahlen werden. Am Ende sollen die Kinder verstanden haben, wie lange es dauert, bis Brot entsteht.

Einer der Höhepunkt des Wochenendes ist die Festgala im Heimathaus, zu der jeder eingeladen ist. Karten gibt es für eine Reservierungsgebühr von sechs Euro in der Tourist-Information. Ein anderer Höhepunkt ist die Inszenierung „FierS à Cheval“. Überlebensgroße, von innen beleuchtete Pferdefiguren erinnern nicht zufällig an das Symbol der Raiffeisengenossenschaften. Ansonsten ist in vielen Straßen und auf mehreren Plätzen Theater, Artistik, Tanz und Kunst geboten. Neuwieder, die Interesse haben, beim Gebäude aus Kartons mitzumachen oder sich anderweitig einzubringen, können sich telefonisch unter (0 26 31) 80 24 60 oder per mail Kultursommer@Neuwied.de beim Stadtmarketing melden. FF

Künstler Olivier Grossetête möchte mit dem Publikum gemeinsam ein Haus aus Karton bauen. Sebastien Laval

Künstler Olivier Grossetête möchte mit dem Publikum gemeinsam ein Haus aus Karton bauen. Foto: Sebastien Laval

Von innen beleuchtete Pferdefiguren sollen an das Symbol der Raiffeisengenossenschaften erinnern. Marc Van Canneyt

Von innen beleuchtete Pferdefiguren sollen an das Symbol der Raiffeisengenossenschaften erinnern. Foto: Marc Van Canneyt Foto: Marc Van Canneyt

Standen Rede und Antwort: Prof. Dr. Jürgen Hardeck, OB Jan Einig, Kulturminister Konrad Wolf, Josef Zolk und Petra Neundorf. Foto: FF

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