Allgemeine Berichte | 10.07.2018

Der Unkeler Geschichtsverein erinnert im Palmenhaus an den Kölner Krieg vor 435 Jahren

„Liebe, Macht und Untergang“

Elsbeth Bovy und Gisela Meitzner haben umfassend recherchiert

In strahlendem Sonnenschein traf Gebhard von Truchsess seine geliebte Agnes vor dem Palmenhaus. Foto: DL

Unkel. Kaum dass die Carl-Loewe-Musiktage im Palmenhaus der ehemaligen Henkel-Villa zu Ende gegangen sind, hat sich beim Großenkel des Industriellen, Fritz Bagel, nach den Musikfreunden des Geschichtsvereins nun die Schauspieltruppe breit gemacht. Zunächst noch lediglich einmal pro Woche probt sie dort, um nach Aufführungen etwa vom „Kulturkampf in Unkel“ oder von „Adenauers Aufenthalt im Paxheim“ nun die Ereignisse um den Kölner Krieg (1582-84) auf die Bühne zu bringen. „Eine Bühne haben wir dieses Mal aber gar nicht, sieht man von der kleinen Erhöhung einmal ab, auf der Schmähgedichte auf den Erzbischof und Kurfürsten von Köln, Gebhard Truchseß I. von Waldburg-

Trauchburg rezitiert werden, der mit seinem Wechsel zum evangelischen Glauben den Anstoß zu dem Krieg gegeben hat“, so Doris Fortuin, die wie schon bei den früheren Aufführungen des Vereins wieder die Regie übernommen hat. „Was er sich da hat ausgedacht, nur Schande hat er uns gemacht. Und mit seinem falschen Glauben, tat er Kirchengüter rauben. Wegen seiner üblen Taten, soll er in der Hölle braten!“, zitieren Daniela Görken-Bell, die später die Rolle der „alten“ Agnes übernimmt, und Günter Küpper, der auch in der Rolle des Domherrn Severinus zu sehen ist und der auch einen kurfürstlichen Soldaten sowie einen Unkeler der Gegenwart spielt, ein Schmähgedicht auf Gebhard.

„Das

mussten unsere Autorinnen natürlich in unsere heutige Sprache übersetzen“, erklärt Doris Fortuin, Alle elf Szenen des Stücks „Liebe, Macht und Untergang“ aus der Feder des Autorinnen-Duos, Elsbeth Bovy und Gisela Meitzner, werden vor der gesamten Breite der Fensterfront Aug in Aug mit den Zuschauern, ohne Bühnenbild und quasi ohne Requisiten unmittelbar ineinander übergehend gespielt. „Gudrun Küpper hat zwar wieder einige Kleidungsstücke geschneidert, aber auch die Kostümierung haben wir auf ein Minimum reduziert“, so die Regisseurin.

Der Kölner Krieg und wie er nach Unkel kam

Die Geschichte vom „Kölner Krieg und wie er nach Unkel kam“ ist schnell erzählt. Der Kölner Erzbischof, dessen Rolle Hans-Joachim Klein übernimmt, der nach seiner Wahl 1577 ein Jahr später die Priesterweihe empfangen hatte, hatte spätestens seit 1580 ein Liebesverhältnis mit der protestantischen Agnes von Mansfeld, einer Kanonissin des Stifts Gerresheim. Um seine junge Geliebte, dargestellt von Annalena Sabrowsky,

heiraten zu können, wollte der Kurfürst wie schon zuvor sein Freund und Kollege, Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg, dargestellt von Werner Geißler, zum Protestantismus konvertieren, ohne auf sein Amt zu verzichten. Ja er hatte sogar vor, bei genereller Glaubensfreiheit das Erzstift Köln zu säkularisieren. Am 2. Februar 1583 heiratete er Agnes in Bonn, Ende März wurde er von Papst Gregor XIII. exkommuniziert und mit einer Bannbulle belegt, womit er von allen Ämtern enthoben wurde, während das Domkapitel Ernst von Bayern zum neuen Erzbischof wählte.

„In dem daraufhin ausbrechenden Kölner Krieg begann der Hauptmann des Wittelsbachers, Burkhard Stickel, (im Stück Wilfried Meitzner) ab dem 9. Juli in Unkel mit Schanzarbeiten“, so Gisela Meitzner. Keine zwei Wochen später griffen dann Gebhards Truppen die Stadt an. Nur Dank dieser Schanzarbeiten und Stickels Rückkehr aus Andernach mit Soldaten und Waffen seien die drei Angriffe auf die Stadt am 22. und 23. Juli 1583 erfolglos gewesen, „während die Truppen des Kurfürsten auf ihrem Rückzug nach Bonn die Orte Heister, Scheuren und Rheinbreitbach niederbrannten“, erinnert Wolfgang Ruland. Er spielt den Schreiber des Kurfürsten, Aegidius Quadflieg, dem die Aufgabe zukommt, die Zuschauer etwa über die Schlachten zu informieren und der papsttreuen Bevölkerung Unkels eine Stimme zu verleihen.

Schauspieler müssen mehrere Rollen übernehmen

„Mit ihm haben wir eine fiktive Figur eingeführt, ansonsten haben wir uns genau an die recherchierten Begebenheiten gehalten. Aber für die Bestürmung von Unkel, die als Radierung des Holländers Frans Hogenberg lange Jahre das Etikett Unkeler Weinflaschen geziert hat, mussten wir ja einen Erzähler in das Stück einbauen“, so Gisela Meitzner, die nicht nur zusammen mit Johanna Knoppik als Souffleuse im Einsatz ist, sondern auch Eva Herrestorf, die Ehefrau des Unkeler Schultheiß, sowie die seines Linzer Kollegen darstellt.

„Einige unserer Schauspieler müssen mehrere der 24 Rollen übernehmen“, berichte Doris Fortuin, während das „Volk“ im Palmenhaus gerade in helle Aufregung gerät. Nachdem die Gardinen vor den großen Fenstern plötzlich gefallen sind, ist draußen im Park die „schöne Mansfelderin“ zu sehen. Auf dem Weg zu ihrem geliebten Kurfürsten betritt die junge Stiftsdame das Gebäude und flaniert an der gaffenden Bevölkerung vorbei durch die Länge des Raumes, den sie schließlich durch eine kleine Seitentür verlässt.

„Hier proben wir erst seit drei Wochen, begonnen mit den Proben haben wir aber immer dienstags im Ratssaal schon im November. Spätestens Ende des Monats werden wir aber hier wohl wieder mehrmals in der Woche proben“, so Doris Fortuin. Premiere von „Liebe, Macht und Untergang“ ist zwar erst am Samstag, 18 August, um 19.30 Uhr, der Vorverkauf der Karten hat jedoch schon bei Photo Porst Florian-Schädlich, Frankfurter Straße 25, oder unter Tel. (0 22 24) 7 49 02 sowie per E-Mail; geissler.g@online.de begonnen. Nach der „Uraufführung“ ist das Stück noch an den Sonntagen, 19./26. August, jeweils ab 18 Uhr, sowie am Samstag, 25. August, wieder ab 18 Uhr zu sehen. DL

In strahlendem Sonnenschein traf Gebhard von Truchsess seine geliebte Agnes vor dem Palmenhaus. Foto: DL

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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