"Wer will fleißige Handwerker seh’n?" Ehrenamtler und Gewerke renovieren das alte Zollhaus
Linzer Rheintor bald wieder innen nutzbar
Linz. „Schon als ich als Beigeordneter vor fünf Jahren anfing, war das Rheintor Thema“, erinnerte sich der jetzige Stadtbürgermeister Helmut Muthers und zeigte sich hocherfreut, welch Fortschritte die Renovierung des alten Gebäudes im letzten Jahr gemacht hat.
Die Arbeitsgruppe „Nutzung des Rheintores“ in Linz am Rhein hatte sich vor geraumer Zeit vorgenommen, kulturelles Leben in die historischen Räume zu bringen und plante, zeitlich begrenzte Räumlichkeiten für Kunstschaffende zu stellen. Dazu wurden die Bürger um mithilfe gebeten. Vor genau einem Jahr hatte man sich hierfür im Zollhaus vom Rheintor getroffen.
Der damalige Stadtbürgermeister Hans Georg Faust hatte dort betont, dass die 500.000 Euro, die die Fassaden-Renovierung gekostet hätten, für den Innenausbau leider nicht zur Verfügung stünden.
Die Stadt Linz sei aber bereit, die Materialkosten für einen Ausbau zu zahlen. Also mussten Freiwillige her, die mit anpacken konnten. „Wir wollen kulturelles Leben ins Rheintor bringen, nicht nur die Fassade von außen bewundern.“, erläuterte Dieter Lehmann von der Arbeitsgruppe damals allen interessierten Bürgern. Jede helfende Hand, jede gute Idee sei dabei gefragt.
Und es hat funktioniert: Von den damals Anwesenden sind nicht nur einige geblieben, sondern auch neue Helfer dazu gekommen. Nach einem Jahr konnte nun Zwischenbilanz gezogen werden.
Muthers wollte dazu besonders engagierte Helfer auszeichnen und überreichte an Ulrich Pachulski-Schumacher, Erich Schönenberg und Jan Lebenstedt je einen Linzer Schal als Dankeschön. „Ihr habt großartige Arbeit geleistet“, so Muthers, der sich gar nicht vorstellen mochte, wie viele Stunden in diese für Ehrenamtler berüchtigte „Extrameile“ gesteckt worden seien.
Anstatt ein wenig Ruhe in der frisch gewonnenen Rentenzeit zu genießen, sorgte der Elektrofachmann Schönenberg für Elektroleitungen und Steckdosen im Zollhaus. Nicht wirklich vom Fach, aber unbezahlbar bei Spachtel-, Schleif-, Verkleidungsaufgaben und mehr sind der ehemalige Kriminalkommissar Pachulski und Lehrer Lebenstedt, die ihre freie Zeit oft in den zu gestaltenden Räumlichkeiten verbrachten. „Es ist die Gemeinschaftsarbeit, die einfach gut gelingt.“, zeigte sich Lehmann begeistert.
Zu der Arbeitsgruppe um das Rheintor zählen mit der Architektin Barbara Bußmann, die die genauen Pläne entworfen hatte, Klaus Krumscheid, Wolfgang Latz und Dieter Lehmann als engagierte Mitglieder, die auch als Organisatoren mit Hand anlegen. „Das Schlimmste ist gemacht“, meinte Bußmann und zählte dabei unter anderem die „Leitungen in der Wand, Vorbereitung der Sanitäranlagen, Verschließen der Decke mit original Lehmputz und andere Verputzarbeiten“ auf.
Im Zollhaus hatte schon einmal ein Künstlerpaar gelebt – ohne Bad und Küche. Das wird nun anders sein. Bußmann ist zuversichtlich, dass es noch dieses Jahr zu einer Fertigstellung komme:
Plan war und ist ein Ort, wo für einige Wochen Künstler aus den Bereichen bildende Kunst, Musik, Literatur, Fotografie, neue Medien, aber auch Designer und Architekten kreativ arbeiten und ihre Werke präsentieren können.
Dazu werden im ersten Stock des Gebäudes Arbeits- und Ausstellungsräume und im Stockwerk darüber eine kleine Wohnung für die jeweils im Rheintor tätigen „Stadt-Strünzer“ eingerichtet. „Die bekannt angenehmen Eigenschaften des Linzer Stadt-Strünzers sollen hier Einzug halten.“, gab Lehmann 2024 kund.
Nach Ideen der Arbeitsgruppe könnte zum Beispiel ein Maler dort für einen gewissen Zeitraum Kunstwerke produzieren, die dann in einer Ausstellung im Rheintor der Öffentlichkeit gezeigt würden. Oder ein Autor präsentierte eine Lesung mit Texten, die während seines Aufenthalts im Rheintor entstanden sind. „Wir hoffen, vielleicht zwei bis drei verschiedene Personen pro Jahr hier unterbringen zu können.“, erklärte Lehmann.
Es stehen vor allem noch Maler- und Tapezierarbeiten an, wozu wiederum Bürger, die Interesse an alten Gebäuden und deren Erhaltung haben, eingeladen sind, mit Hand anzulegen. Dazu kann man sich bei Dieter Lehmann von der Arbeitsgruppe Rheintor d.lehmann@gmx.de melden.
Vorher: Als die Arbeitsgruppe „Nutzung des Rheintores“ 2024 die Räumlichkeiten vorstellte, waren die Folgen eines großen Wasserschadens sichtbar.
Stadtbürgermeister Helmut Muthers überreicht drei ehrenamtlich besonders engagierten Helfern einen Linzer Stadtschal, hier an Ulrich Pachulski-Schumacher.
Nachher: Ehrenamtliche und Gewerke haben einen neuen Raum hinterlassen (mehrere Schichten Tapeten wurden abgetragen, Schäden beseitigt, die Decke aufgefüllt und verputzt, Fensterrahmen geschliffen).
