Interview mit dem Hausmeister der Realschule plus auf der Karthause
Lothar Daum als Herr der Schlüssel
Karthause. Lothar Daum ist eine Anlaufstelle, immer in Bewegung, im Haus unterwegs, in den Gebäuden besser gesagt. Wer ihn sucht, de findet ihn, weil das Klappern des Schlüsselbunds, mitunter auch ein fröhliches Pfeifen zu hören ist. In seiner Schaltzentrale, dem „Glaskasten“ neben dem Eingang, sortiert er Kalender, überträgt Telefonnummern, hakt Notizen ab. Umgeben von Werkzeug, kleinen, mittleren und großen Kartons, Andenken von Schülern und ehemaligen Lehrern, zum Beispiel dem „Ewiges-Licht-Männlein“ und verschlungenen Vorhängeschlössern.
Es sieht nach routinierten Handgriffen aus, die einen Arbeitstag vorbereiten. Doch gleichzeitig bereitet Daum damit seinen Ruhestand vor. Wie immer hat er einen Moment Zeit, immer, für jeden.
Wie viele Schulleiter haben Sie hier auf der Karthause erlebt?
Daum: „Da waren Edgar Hammes, Rita Simonis, Lothar Gail und jetzt natürlich Bodo Dobbertin. Das waren gute Zeiten und auch mal schwierige Zeiten. Der Wandel von der Hauptschule zur Realschule plus zum Beispiel, Fragen der Zuständigkeiten. Aber mit der Zeit klärt sich alles.“
Was wandelt sich nie?
Daum: „Mein Lieblingsessen, Bratkartoffeln mit Spiegelei und Spinat. Und meine Lieblingsfernsehserie. Ich sehe die Tagesschau, jeden Tag. Wir haben hier unsere kleine Welt. Aber du musst wissen, was draußen in der großen Welt los ist, das hängt alles zusammen.“
Wie viele Tonnen Kreide haben Sie im Lauf der Jahre an Schüler ausgeteilt?
Daum: „Oh, jede Menge. Aufgrund eines Missverständnisses habe ich mal eine ganze Palette voll bestellt, die hat bis vor zwei Jahren gehalten. Und bevor gefragt wird: Mit dem ausgeteilten Toilettenpapier könnte ich vermutlich die Erde umrunden.“
Haben Sie bei den vielen Schlüsseln noch den Überblick?
Daum: „Mindestens 25 Schlüssel sind immer am Mann. Dann gibt es Spezialräume, Fenster, Schwimmbad, Gymnasium, Grundschule, Tore, das Heizkraftwerk. Da brauchst du ständig Schlüssel, einer muss ja den Überblick behalten.“
Das hört sich nach sehr viel Arbeit an. Was machen Sie denn am liebsten?
Daum: „Ich schließe jeden Morgen gern auf. Dann beginnt ein neuer Tag mit neuen Herausforderungen. Schüler stehen vor der Tür. Es gibt viele Gespräche, wie Vater-Sohn-Gespräche. Kinder laden bei mir was ab. Manchmal privaten Kummer, manchmal Ärger mit einem Lehrer. Ich sage dann: Versetz dich mal in die Lage von dem Lehrer, jede Medaille hat zwei Seiten. Letztendlich wollen wir den Kindern doch alle Rüstzeug fürs Leben mitgeben.“
Begegnen Sie diesen Schülern später wieder?
Daum: „Tja, bei bestimmt 3000 Kindern in 30 Jahren hast du fast so etwas wie eine Fangemeinde. Wenn ich mal samstags vom Bahnhof zum Löhr-Center spaziere, dann komm ich nicht schnell vorwärts. Die sind dann groß, haben es ganz gut geschafft. Manche wollen wissen, ob bestimmte Lehrer noch da sind. Ich freu mich bei den Begegnungen eigentlich immer.“
Wird Ihnen denn etwas fehlen nach dem 31. Dezember?
Daum: „Die Gespräche mit den Jugendlichen. Im Kopf bin ich ja noch jung, ich mag die moderne Kommunikation, den Pulsschlag des Lebens hier jeden Tag. Die Schule und das Leben setzen sich aus so vielen Mosaiksteinchen zusammen. Bricht hier eins weg, fällt da ein Teil zusammen, aber dann setze sich ein neues, anderes Steinchen ein und baue wieder auf. So geht es immer weiter, immer neu, immer anders.“
