Informationsveranstaltung in Schuld mit dem Landesbetrieb Mobilität Cochem-Koblenz und dem Planungsbüro Fischer
Lückenschluss des Radwegs dauert noch
Im ersten Halbjahr 2021 soll ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden
Schuld. Seit zehn Jahren klafft auf dem 77 Kilometer langen Radweg von der Ahrquelle in Blankenheim bis zur Rhein-Mündung in Sinzig eine Lücke zwischen Schuld und Fuchshofen von 4,7 Kilometern Länge. Dieses Stück müssen die Radler über die kurvenreiche und gefährliche Landesstraße 73, die an einen Felsen geschmiegt ist, zurücklegen. Wegen dieser Gefahr wird schon lange gefordert, den Lückenschluss doch zu vollenden. Es scheint für dieses Vorhaben kein baldiges, aber immerhin ein Ende in Sicht zu sein. Das erfuhren die interessierten Zuhörer in Schuld in der voll besetzten Bubenleyhalle. Hier hatte die Verbandsgemeinde auf Initiative der FWG eine Informationsveranstaltung angeboten, bei der der Landesbetrieb Mobilität Cochem-Koblenz als Bauleiter und das vom LBM beauftragte Planungsbüro Fischer Teamplan die Zuhörer über den Stand der Planung in Kenntnis setzte. Silvia Bernd stellte zunächst die verschiedenen Varianten der Wegführung vor, die durch ein ökologisch sensibles Gebiet verläuft. Die Nutzung der Bahntrasse wäre nicht nur die naheliegende, sondern mit 3,8 Kilometern auch die kürzeste Variante gewesen. Die scheiterte an Problemen mit den Eigentümern und außerdem an einer größeren Population von Fledermäusen im Huppenberg-Tunnel bei Schuld.
Auch die Ahrsteig-Variante über bestehende Waldwege als selbstständiger Radweg wurde verworfen. Dafür entschieden sich die Verantwortlichen für die dritte Version von 4,5 Kilometern Länge neben der L 73. Sie orientiert sich zwar an deren Verlauf, ist aber von ihr getrennt und verläuft mehrere Meter unterhalb in der Böschung zwischen Ahr und L 73. So überquert der Radweg wie die Landesstraße mehrfach die Ahr. Hier soll an den bestehenden Brücken seitlich eine Fahrspur angebaut werden.
Ralf Sebastian vom Planungsbüro, der den Radweg erläuterte, sagte, dass in Schuld in der Nähe des Sportplatzes sogar die noch stehenden Widerlager einer alten Brücke für die neue über die Ahr genutzt werden könnten. Wie sieht es dann mit Hochwasserschutz für den Radweg aus? Durch das Ahrhochwasser wäre zwar eine Überflutung möglich, wasserwirtschaftlich ist es aber untersagt, Dämme aufzuschütten, weil dadurch Retentionsflächen vernichtet werden, erläuterte Silvia Bernd vom LBM die Situation. Diese Variante der Streckenführung, die mit rund sechs Millionen Euro zu Buche schlägt und vom Land getragen wird, fand bei den Zuhörern viel Anklang.
Es kam die entscheidende Frage: Wie lange dauert das Bauvorhaben, damit die Lücke endlich geschlossen werden kann? Darauf konnte der Leiter des LBM, Bernd Cornely, keine genaue Antwort geben, weil der Weg bis zur Baugenehmigung sehr komplex sei. Nach Fertigstellung der Planung muss sie erneut mit der Struktur- und Genehmigungsbehörde Nord abgestimmt werden. Da hatte Bernd Cornely keine Bedenken. „Die Planung ist so genehmigungsfähig“, war sein Fazit.
Im ersten Halbjahr 2021 soll ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Das ist notwendig, um das Baurecht zu erlangen, und dauert etwa anderthalb Jahre. In dieser Zeit der Offenlage kann jeder der Betroffenen eine Stellungnahme abgeben. Seitens der beteiligten Behörden seien keine größeren Einwände zu erwarten. „Ich denke, dass wir im Vorfeld unsere Hausaufgaben gemacht haben, so dass auch keine größeren Einsprüche zu erwarten sind“, meinte Cornely. Einen rechtskräftigen Feststellungsbeschluss, der gleichbedeutend einer Baugenehmigung ist, gäbe es aber erst dann, wenn nach Abwägung der Stellungnahmen bei einem Erörterungstermin vor dem Oberverwaltungsgericht keine Klage erhoben wird. „Wenn wir die haben, gehen wir an die Ausführungsplanung, die notwendig ist, um Bauunternehmen Aufträge zu erteilen“, informierte Cornely.
Weiter wies er darauf hin, dass im fünfjährigen Investitionsprogramm des Landes der Radweg bereits enthalten ist. „Bei uns in der Bahnhofstraße in Schuld, wo der Radweg herführen soll, wohnt ein 95-jähriger, noch aktiver Radfahrer. Erlebt der die Fertigstellung des Radwegs noch?“ war die Frage an Cornely gerichtet, nachdem vorher einer geschätzt hatte, dass das alles ja wohl noch sechs Jahre dauern könnte. „Ich kann ihnen nicht sagen, wann der erste Bagger mit der Arbeit beginnt“, war die Antwort. Die sorgfältige Vorarbeit nannte Cornely als Grund, erst jetzt ein Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Damit es bei dem Verfahren keinen „Schiffbruch“ gibt, sei es manchmal besser, im Vorfeld mehr Zeit zu investieren, denn er könne in kein Verfahren gehen, was nicht genehmigungsfähig ist, sagte Cornely. Hier helfe aber die breite Übereinstimmung für den Lückenschluss. Das wären gute Voraussetzungen für einen überzeugenden Verlauf des Verfahrens, war der LBM-Bauleiter überzeugt. Auch bei den offenen Grundstücksfragen zeigte er sich optimistisch. „Die Fragen werden wir übereinstimmend regeln, damit wir die letzte Lücke des Ahrradwegs schließen können“, sagte er. Udo Seiffen, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Adenau, wies bei zunehmendem Radtourismus auf die gefährlichen Situationen auf der L73 hin und bat den LBM, das Planfeststellungsverfahren zu beschleunigen. Vielleicht wäre es ja möglich, das Verfahren schon im Herbst einzuleiten. „Denn je länger es dauert, umso wahrscheinlicher ist es, dass etwas passiert“, meinte Seiffen. SES
Sie informierten über den Planungsverlauf (von links): Verena Schuth (Planungsbüro Fischer) Rolf Sebastian (Planungsbüro Fischer), Regina Nick (LBM), Silvia Bernd (LBM), Bernd Cornely (LBM), Udo Seiffen (Verbandsgemeinde Adenau), Bernhard Jüngling (Verbandsgemeinde Adenau) und Horst Gies (Kreisbeigeordneter).Foto: SES Foto: HEINZ TONI SESTERHEIM
