TextProbe Nummer 3 im Rheinbacher Glasmuseum
Lyrik gekonnt dargeboten
Veranstaltung von „Rheinbach Liest“ und Bücherei St. Martin zog zahlreiche Teilnehmer an
Rheinbach. Mit großer Beteiligung und über 40 Gästen im Glasmuseum brachten „Rheinbach Liest“ und die öffentliche Bücherei St. Martin die dritte Textprobe erfolgreich über die Bühne. Die TextProbe war zugleich die zweite Veranstaltung der Lyriktage. Aus diesem Grunde waren die Beiträge auf Lyrik beschränkt. Gastgeber Lothar Tolksdorf zeigte sich inmitten edlen Glases gewohnt charmant und an den richtigen Stellen mit spontanem Witz ausgestattet.
Der Bornheimer eröffnete seine „talentierte Literaturbühne“ mit einem ganz frischen Text, in dem es darum ging, warum er an diesem Morgen kein Gedicht zustande bekam - natürlich in Gedichtform und zum Schreien komisch.
Blue-Notes-Solistin Petra Koitka aus Mechernich war mit dem zweiten Drittel ihrer Band „Acoustic Spirit“, Oliver Fregin, angereist und begeisterte mit gefühlvollen Texten und kraftvoller Stimme. Der 20-jährige Pallotti-Schüler Hendrik Mikliss, Herzklopfen-Preisträger von 2012 und Stammgast bei der TextProbe, trug verschiedene, oft schwermütige, aber stets kunstvolle Gedichte vor. Herausragend dabei das unglaublich dichte vierstrophige „Ich will“. Anschließend gaben Xaver Römer und Julia Trompeter aus Köln ihr TextProben-Debüt.
Die beiden sind in der Kölner Literaturszene seit Jahren eine feste Größe, und schnell merkte man warum: Ihre Texte waren in puncto Vortrag und sprachlicher Raffinesse absolut begeisternd. Als Höhepunkt trugen die beiden dann noch drei ihrer performativen Sprechduette vor - ein Hörerlebnis der besonderen Art.
Nach der Pause berührte Lea Abraham, frischgebackene Abiturientin des SJG, mit zwei leidenschaftlichen Gedichten: „Meeresspiegel“ und „Der Soldat“. Letzteres war erst kürzlich nach der Verdun-Fahrt mit einer großen Gruppe aus Rheinbach entstanden.
Die 76-jährige Margret Wittgrefe versprach anschließend ironisch: „Der nächste Sommer kommt bestimmt.“ Und spottete dann gekonnt über Zeitgenossen, die ihr hohes Lebenstempo selbst am Strand nicht drosseln können („Am Strand“).
Die in Rheinbach und im Vorgebirge schon bekannte Lyrikerin Renate von Elm steuerte sechs wunderbare Gedichte aus ihrem großen Fundus bei und zeigte, welche Themenvielfalt in der Lyrik möglich ist: scharfsinnig, tiefgründig und künstlerisch auf hohem Niveau.
Doris Beste ist noch nicht lange in Rheinbach. Die 57-jährige zog 2011 von Velbert nach Flerzheim. Die ehemalige Realschullehrerin hatte in ihrer alten Heimat an Schreibprojekten mitgewirkt und überzeugte durch Lyrik in freien Versen, die kraftvolle Bilder auffalteten.
Den Abschluss bildete Gerd Engel, der wegen der fortgeschrittenen Zeit den mehrstündigen Zyklus „Besinnliches zwischen zwei Schafskäsebroten“ auf einen Beitrag verdichtete und stattdessen singend bedauerte, auf Meckenheim gäbe es keinen guten Reim (außer Schleim und Keim). An dieser Tatsache konnten auch die vereinzelt anwesenden Bürger der Apfelstadt nicht rütteln und applaudierten zähneknirschend.
Daniela Hahn, Leiterin der Öffentlichen Bücherei St. Martin freute sich: „Die TextProbe beginnt in der Rheinbacher Kulturszene eine feste Größe zu werden.“
Die auswärtigen Teilnehmer zeigten sich angetan von der herzlichen Atmosphäre und dem aufmerksamen Publikum. Lothar Tolksdorf: „Ich mag diese Veranstaltung. Hoffentlich fühlen sich auch weiter Hobby-Autoren jedes Alters ermutigt vor meinem Publikum zu lesen.“
Die nächste TextProbe soll schon bald nach den Sommerferien stattfinden - dann wieder offen für jede Gattung.
Die Lyriktage werden veranstaltet von „Rheinbach Liest“ e.V. in Kooperation mit der Öffentlichen Bücherei St. Martin und der Musikschule Meckenheim-Rheinbach-Swisttal. Unterstützt werden die Lyriktage von der Kreissparkasse Köln.
