Agentur für Arbeit Montabaur
Mädchen bauen Schaltkreise, Jungs besuchen Kita-Knirpse
Girls´ und Boys´ Day mit spannenden Erfahrungen in BBS, Altenheim und Kita
Montabaur. Frauen bedienen CNC-Maschinen und steuern Feuerwehrautos, Männer erziehen Knirpse im Kindergarten und pflegen Senioren im Altenheim: Die Erwerbswelt wäre bunter, gleichberechtigter und spannender, wenn Jungen und Mädchen schon bei der Berufswahl „über den Tellerrand“ schauten und sich für Tätigkeiten interessierten, die vermeintlich dem anderen Geschlecht vorbehalten sind. Am heutigen Girls´ und Boys´ Day, organisiert von der Agentur für Arbeit Montabaur, wurde die Neugier auf die beste Weise geweckt. 130 Mädchen und 40 Jungen wagten sich auf neue Felder. Sie durften fragen, zuschauen und vor allem: ausprobieren.
Die Mädels wollen hoch hinaus. Im Korb der Feuerwehr-Drehleiter genießen sie den Blick über die Stadt. Ort des Geschehens ist die Berufsbildende Schule (BBS) Montabaur, wo anlässlich des Girls´ Day Betriebe aus der Region und auch die Schule selbst Ausbildungsberufe aus den Bereichen Elektro, Holz und Metall präsentieren. Wieder auf festem Boden gelandet, zollt Ayleen der Feuerwehr Respekt. Sie selbst würde sich eine solche Aufgabe nicht zutrauen, aber ihr Berufswunsch liegt durchaus im Spektrum Schutz und Sicherheit: Polizistin möchte die 13-Jährige werden. Sie weiß, dass ihre absoluten Traumberufe Schauspielerin oder Model nicht realistisch sind.
„Ich kann gut mit Holz arbeiten und ohne Anleitung Schränke zusammen bauen“, sagt Michelle (16). Insofern wäre eine Ausbildung im Handwerk denkbar. Aber auch Chemielaborantin ist eine Option. Die gleichaltrige Diana zieht es - wie viele andere auch - eher in einen „typischen Frauenberuf“, zum Beispiel Erzieherin. Das nächste Etappenziel der beiden ist die Mittlere Reife.
„Wichtig für junge Menschen ist eine frühzeitige und möglichst breit angelegte Berufsorientierung“, sagt Madeleine Seidel, Leiterin der Agentur für Arbeit Montabaur. „Die Entscheidung, wie es nach der Schule weitergehen soll, ist gewiss nicht bindend für ein ganzes Leben. Aber sie stellt Weichen. Es ist gut, wenn die Jugendlichen eingefahrene Gleise verlassen und Ungewohntes ins Visier nehmen. Deshalb freuen wir uns, dass der Girls´ und Boys´ Day so regen Zuspruch findet.“ Natürlich ist auch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit in der BBS vertreten. Dazu gibt es Workshops zum Thema „Richtig bewerben und erfolgreich vorstellen“. Dorothea Samson, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, hat ein Girls´ Day-Quiz erdacht. Wer die Fragen richtig beantworten will, muss sich das Angebot genau anschauen. Beate Ullwer von der Gleichstellungsstelle des Westerwaldkreises, beeindruckt ihr Publikum mit einem kleinen Technik-Parcours.
Wie funktioniert das? Diese Frage wird in der BBS vielfach gestellt und „in Eigenarbeit“ beantwortet: In der Holzwerkstatt wird gesägt, gebohrt und geschmirgelt, und viele Mädchen nehmen stolz ein Solitär-Spiel mit nach Hause. Einen Berührungssensor bauen die Schülerinnen im Elektrobereich und lernen spielerisch, wie ein Handy-Touchscreen funktioniert. Für Angelika (16) ist das nichts Neues. Die Realschülerin hat das Wahlfach Technik und Naturwissenschaft im Stundenplan; sie ist eines von drei Mädchen unter 14 Jungs. Sie und ihre Freundinnen Marie, Victoria und Franziska haben beschlossen, das Abitur zu machen. Und dies aus ganz unterschiedlichen Gründen - um ihre Perspektiven zu verbessern, Zeit für eine Entscheidung zu gewinnen oder die Voraussetzung für ein Studium zu schaffen.
Der Boys´ Day startet und endet in der Agentur für Arbeit Montabaur. Nach grundlegenden Informationen über die Berufe Sozialassistent, Erzieher und Altenpfleger und Altenpflegehelfer geht es gruppenweise in zwei nahe gelegene Einrichtungen: das Altenheim des Hospitalfonds Montabaur und die kommunale Kita Himmelfeld. Ganz im Sinne der Gleichberechtigung gibt es auch für Jungs ein Quiz mit Gewinnen.
Beim abschließenden Erfahrungsaustausch sind sie überzeugt, „sämtliche Vorurteile abgebaut“ zu haben. Joel (13), der sich vorstellen kann, in der Altenpflege zu arbeiten, ist wie viele Mitschüler berührt vom Abschiedsraum im Altenheim, in dem an diesem Tag ein Verstorbener liegt: „Wir haben uns mit dem Tod beschäftigt und mit Bewohnern gesprochen.“ André hat positive Eindrücke in der Kita gesammelt: „Die Kinder kamen direkt auf uns zu und wollten mit uns spielen. Und es war längst nicht so laut, wie ich gedacht hatte.“ Trotzdem zieht es den 14-Jährigen eher in den IT-Bereich. Dagegen kann Lars (15) sich gut vorstellen, Erzieher zu werden; er hat schon einmal in einem Kindergarten hospitiert. Sein Freund Julian (13) orientiert sich anders, aber vorbildlich. Gleich drei Praktika macht er in nächster Zeit – als Maurer, Waldarbeiter und in einer Kfz-Werkstatt.
Im Namen aller verabschiedet Julian sich formvollendet aus der Agentur für Arbeit: „Danke, dass wir heute hier sein durften.“ Nicht nur die Boys, auch die Girls sind zufrieden. Auf dem BBS-Gelände sagt ein Mädel mit Handy am Ohr: „Wir haben hier voll die coolen Sachen gemacht.“
Pressemitteilung
Agentur für Arbeit Montabaur
