Auftakt der 28. Morenhovener Kabaretttage
Männer brauchen Grenzen und Frauen müssen reden
Kabarettistin Tina Teubner brachte neue Perspektiven in den Geschlechterkampf
Morenhoven. „Männer brauchen Grenzen“ - so ein Kabaretttitel kann natürlich nur von einer Frau stammen. Tina Teubner steckte zum Auftakt der 28. Morenhovener Kabaretttage die Front zum Geschlechterkampf mit Ukulele und Rotwein ab, schert sich aber natürlich selbst kein bisschen um die imaginären Schranken. Mit Frack und Weste, Gamaschen und zweifarbigen Budapestern verwischte sie die äußerlichen Unterschiede, um die inneren Differenzen umso deutlicher herauszukehren. Während die Frauen nächtelang sitzen, reden und rauchen wollen, wenn in der Paarbeziehung wieder einmal Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen, weiß der Mann: Mit dem Reden fangen die Probleme erst an.
Wohldosiert wohlgemeinte Widerworte
Auch auf der Bühne, denn ihr tastengöttlicher Begleiter Ben Süverküp setzt nicht nur musikalische Kontrapunkte, sondern gibt wohldosiert wohlgemeinte Widerworte mit versöhnlicher Attitüde. So ganz ohne männlichen Gegenpart will die „alleinerziehende Ehefrau“ eben doch nicht sein, und letztlich nimmt sie in ihrem erstaunlich originellen Programm gleich beide Geschlechter aufs Korn. Der Geschlechterkampf ist ja nun wahrlich kein Thema, das kabarettistisch vernachlässigt wird. Doch nur wenigen gelingt eine so erfrischend neue Perspektive mit wohlbekannten Nebenkriegsschauplätzen wie Tina Teubner. Und das Beste: Sie singt auch noch hervorragend. Mal schenkelklopfend, mal ernst und mal verstörend ist ihr Programm so vielseitig wie die zwischenmenschliche Beziehung. Ein Ratgeber ist da immer willkommen, vor allem wenn, wie die streitbare Kabarettistin, in schleichend bösartigen Kommentaren und süffisanten Liedtexten ihre Geschlechtsgenossinnen nicht verschont und die Probleme „wurzulös“ angegangen werden. In ihrer unnachahmlichen Mischung aus Chansons, politischem Kabarett und schwarzem Humor ist sie den Lebenslügen auf der Spur, die aus Angst vor der Zukunft und Verklärung der Vergangenheit entstehen. Zwei Stunden lang erzählte sie viele kleine Geschichten, die für etwas Großes stehen: Die Schwierigkeit, den Zauber der Liebe dauerhaft zu bewahren und sich nicht gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen. Die Morenhovener Kabaretttage gehen, allerdings ausverkauft, weiter mit der Verleihung der 28. Morenhovener Lupe an Jürgen Beckers am Montag, 2. November um 20 Uhr, bei der der Preisträger natürlich sein aktuelles Programm als Jürgen B. Hausmann zeigt: „Wie jeht et? - Et jeht!“
