Männliches Vermeidungssyndrom
Kennt Ihr auch so Leute, bei denen die Bude immer tipptopp aussieht? Meine Freundin Gisela ist so eine. Umso verwunderte war ich daher, als ich vergangene Woche bei ihr war.
Die Küche glich einem Trümmerfeld! Auf der Anrichte stapelte sich das Geschirr. „Erziehungsmaßnahmen!“, meinte sie schulterzuckend, als sie mich Bauklötze staunen sah. Sie erklärte mir dann, dass es in ihrem Haushalt zu gar wundersamen Phänomenen komme. Wenn ihr Rudi zum Beispiel den Tisch abdeckt – also wenn! –, dann schafft es das Geschirr seltsamerweise immer nur bis VOR die Spülmaschine, nie aber REIN.
Dann stehen Tassen, Teller und Gläser auf der Ablage, gucken blöd in die Gegend und warten darauf, dass irgendjemand vorbeikommt, um den ganzen Kram eine Etage tiefer in die Maschine zu befördern. Also meine Gisela.
Eine plausible Erklärung dafür konnte bisher noch nicht gefunden werden.
Wir vermuten ein pathologisches Vermeidungssyndrom bei Rudi.
Und nun startet Gisela also die Konfrontationstherapie und lässt das Zeug einfach stehen, bis er lernt, die Sachen dahin zu räumen, wo sie hingehören. Ähnlich verhält es sich mit dem Altglas. Nicht genug, dass frau die leeren Flaschen und Gläser im ganzen Haus einsammeln muss.
Nein! Da stellt sie alles in Weiß- und Buntglas vorsortiert in zwei Klappboxen vor die Türe, damit er es „nur noch“ wegbringen muss – und nach drei Tagen kommt dann ein empörter Schrei aus dem Flur „Man, Gisela, muss das Altglas hier in der Tür stehen? Ich brech‘ mir noch alle Knochen, wenn ich da immer drübersteigen muss!“
Anderes Beispiel: Wäsche! Die findet auch nie alleine den Weg zur Waschmaschine. Wäschekörbe stehen im Schlafzimmer, im Bad und in der Waschküche. Für Rudi scheinen das zu wenige zu sein, denn er verteilte Socken, Hemden und Handtücher gerne da, wo er sie gerade brauchte: in der Garage, am Schreibtisch oder im Hausflur. Irgendwann hatte meine Freundin dann die Faxen dicke, wusch nur, was im Korb war. Als Rudi dann nach paar Tagen völlig irritiert meinte, er habe gar kein frisches Hemd mehr, staunte Gisela programmgemäß: „Echt?! Es war gar keine Wäsche von Dir im Korb, da muss also noch alles sauber sein?!“
Resultat: Rudis Wäsche schafft es seither in die Körbe. Bloß kann dieser Mann mit akrobatischer Finesse seine Hosen so ausziehen, dass ein Bein links und das andere rechts rum ist – was beim Waschen dann auch nur bedingt günstig ist. Gisela arbeitet dran!
Habt es gut,
Eure Karla
