Allgemeine Berichte | 09.07.2019

In Schuld an der Ahr lockt die Freilichtbühne

Märchenhaftes Theater

Aktuell wird „Pinocchio“ aufgeführt – Vorstellungen noch bis 4. August

„Tom Sawyers Abenteuer“ wurden den Zuschauern im Jahr 2011 vorgeführt. Fotos: SCHÜ

Schuld. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs führte der Dorfschullehrer Walter Pfahl 1946 mit seinen Schulkindern anlässlich einer Weihnachtsfeier das Märchen Schneewittchen auf. Es war der Start für die Theatereuphorie in Schuld und Umgebung. Schnell fanden sich einige Spielfreudige zusammen, die unter der Leitung von Pfahl Theater spielen wollten. So gründete sich 1947 die Katholische Spielschar Schuld, die überwiegend Saalstücke aufführte. Dann hatte man 1948 die Idee, in einer kleinen Waldlichtung neben der Schornkapelle, einer Wallfahrtskirche, ein Freilichttheater zu errichten, um dort nach den Marienwallfahrten im Mai, an denen hunderte Pilger teilnahmen, Theater zu spielen. Dieser Platz gibt Schuld bis zum heutigen Tag seinen einmaligen Reiz. Mitten im Wald, in einem sanft abfallenden Talkessel, ein laubgrünes Amphitheater, wie manche es schon episch beschrieben haben. 1948 spielte man Genovefa, 1951 den „Jedermann“ oder 1953 „Wilhelm Tell“. Alle Mitglieder arbeiteten ehrenamtlich, und der Erlös wurde für die Renovierung der durch den Krieg beschädigten Kirche und die Anschaffung von Glocken genutzt. Ende der 1950er-Jahre wurde eine neue Straße gebaut, die den Bereich der Bühne berührte, die deshalb hätte umgebaut werden müssen. Da auch das Interesse am Theaterspiel mit dem aufkommenden Fernsehen nachließ, pausierte das Freilichttheater von 1959 bis 1965.

Neustart im Jahr 1966

1966 besannen sich dann einige Altgediente und ein paar Neuinteressenten auf die Theatertradition. Sie bauten die mittlerweile heruntergekommene Bühne neu auf und schufen neue Zuschauerplätze. Die nun gespielten Volksstücke wie „Schneider Wibbel (1976)“ und Märchen wie „Das tapfere Schneiderlein“ (1979) brachten jedoch nicht ganz den erhofften Zuschauerzuspruch. Vor allem auch deshalb nicht, weil die Zuschauerplätze nicht überdacht waren und die Leute deshalb bei angekündigtem Regenwetter lieber zu Hause blieben oder die Vorstellungen gar ausfallen mussten. Das änderte sich, als 1983 die Zuschauerränge unter Mithilfe des Landkreises Ahrweiler mit zwei großen Schirmen teilüberdacht wurden, unter denen ca. 400 Zuschauer Platz fanden. Seitdem konzentrierte man sich auf Kinder- und Jugendstücke wie „Räuber Hotzenplotz“ (1987), „Die kleine Hexe“ (1991) oder „Das Dschungelbuch“ (1996) und investierte mehr in die Werbung. So wurde der Zuspruch der Zuschauer wesentlich größer, sodass man oft vor vollbesetzten Rängen spielen konnte. Damit wurde auch mehr Geld verdient, da außer dem Regisseur alle ehrenamtlich mitarbeiteten. So konnte die Zuschauerüberdachung erweitert werden. Die Sitzbänke wurden erneuert und seitlich der Bühne ein neues Haus errichtet, das eine Garderobe, Toiletten und einen Aufenthaltsraum enthielt. Auch wurden die Zuschauertoiletten und ein Verkaufskiosk neu gebaut. Ebenfalls wurde in die Technik für Licht und Ton investiert. Erst kürzlich wurde die etwas in die Jahre gekommene Überdachung renoviert, sodass man heute über eine moderne, den aktuellen Ansprüchen genügende Bühne verfügt.

Prägender Einfluss

Nach Walter Pfahls folgte bei den Regisseuren eine 30 Jahre dauernde Ära mit Dieter Gerlach, unter dem sich die Spielschar kontinuierlich weiterentwickelte. Gerlach, der Ende 2007 verstarb, hat Schuld stark geprägt und zu dem gemacht, was es bis heute ist. Man führte einen Generationswechsel durch und verpflichtete 2004 mit dem jungen, 1972 geborenen Ralf Budde einen Profi aus der Opernwelt, der neue und moderne Ideen durchsetzte und die Freilichtbühne und ihre Akteure weiterbrachte. Momentan ist mit Jens Kerbel ebenfalls ein Vollprofi für die Inszenierungen verantwortlich.

Das Geheimnis des Erfolgs sind aber letztlich die vielen freiwillig tätigen Menschen mit großem Theaterherz. Ganze Familien sind aktiv, von Großeltern über Eltern bis hin zu Kindern und Kindeskindern, wie ein Blick auf die Besetzungsliste beweist. Nachwuchssorgen kennt man nicht. Wer einst als Zwerg begann, wird später zum Prinzen befördert und endet als König. Selbst Auszeiten wegen Berufsausbildung oder Studium sind meist kein Problem. Das gemeinsame Hobby und auch der gemeinsame Erfolg schweißen zusammen, begeisterte Besucher danken es. Denn mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass in diesem ganz kleinen Dörflein mit viel Liebe und Hingabe ganz großes Theater gespielt wird.

Aktuelles Stück: Pinocchio

In der aktuellen Theatersaison wird „Pinocchio“ gespielt, die Abenteuer der kleinen Holzpuppe nach dem Buch von Carlo Collodi. Pinocchio hat nur einen Wunsch: ein richtiger Junge zu werden. Doch er hat nur Unfug im Kopf. Blauäugig stolpert er von einem spannenden Abenteuer ins nächste und fällt dabei mehr als einmal auf seine lange Nase. Denn erst, wenn er gelernt hat, dass sich Lügen, Faulheit und Ungehorsam nicht auszahlen, kann sein Wunsch in Erfüllung gehen. Gespielt wird jedes Wochenende bis zum 4. August, samstagabends um 20.30 Uhr, sonntags um 15.30 Uhr. Tickets gibt es unter Tel. (06 51) 97 90 77 7 oder online unter ticket-regional.de/fbschuld. SCHÜ

Im Jahr 2008 inszenierten die Schauspieler „Die kleine Hexe“.

Im Jahr 2008 inszenierten die Schauspieler „Die kleine Hexe“.

„Pippi in Taka-Tuka-Land“ wurde im Jahr 2013 aufgeführt.

„Pippi in Taka-Tuka-Land“ wurde im Jahr 2013 aufgeführt.

„Wickie und die starken Männer“ konnten die Kinder im Jahr 2010 auf der Bühne bestaunen.

„Wickie und die starken Männer“ konnten die Kinder im Jahr 2010 auf der Bühne bestaunen.

„Tom Sawyers Abenteuer“ wurden den Zuschauern im Jahr 2011 vorgeführt. Fotos: SCHÜ

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag 2026
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Innovatives rund um Andernach
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige mehrere Stellen
Anzeige KW 14
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
49

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2267

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Essen auf Rädern
Holz Loth-Entsorgung
Rund ums Haus
Kleinanzeigen
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
Tag der offenen Tür
fit für`s Alter?
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Kreishandwerkerschaft
First Friday Anzeige März
Stellenanzeige
Ostergrußanzeige
Anzeige Lange Samstage
Unterstützeranzeige
Unterstützeranzeige
Stellenanzeige