Allgemeine Berichte | 11.12.2019, 10:12 Uhr

Wachtberger Landwirte protestieren

Mahnfeuer der Landwirte sollen kein Strohfeuer bleiben

Die Öffentlichkeit und die Politik sollen auf die Existenzängste der Landwirte aufmerksam gemacht werden

Mehr als 50 Landwirte und auch einige Wachtberger bei der Veranstaltung am Wachtberg-Ehrenmal.Fotos: JOST
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Wachtberg. Meterhoch schlugen die Flammen des Mahnfeuers, das die Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg mit Unterstützung einiger Landwirte aus dem Kreis Ahrweiler unterhalb des Ehrenmals am Wachtberg entzündet hatten. Damit wollen sie die Proteste gegen die Pläne des Bundeslandwirtschaftsministeriums fortführen, die von der Bewegung „Land-schafft-Verbindung“ ins Leben gerufen wurden und Ende November ihren Höhepunkt hatten bei einer Sternfahrt von 10.000 Traktoren nach Berlin. Und die Proteste sollen weitergehen, so Franz-Josef Schäfer, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Ahrweiler: „Die Mahnfeuer sollen kein Strohfeuer bleiben.“ Allein in Baden-Württemberg gebe es am Wochenende mehr als 1500 Mahnfeuer der Landwirte, und auch in der hiesigen Region sollen noch einige folgen.

Organisiert hatte die Aktion der Villiper Bioland-Landwirt Albert Schmitz, der sich über die gute Beteiligung von mehr als 50 Landwirten freute, die bei dieser Veranstaltung auch ihre Sorgen und Nöte loswerden wollten. „Unser Mahnfeuer ist der nächste Schritt, um die Öffentlichkeit und die Politik auf die Existenzängste der Landwirte aufmerksam zu machen“, so Schmitz. Er ist auch Mistreiter bei der im soziale Netzwerk Facebook entstandenen Bewegung „Land-schafft-Verbindung“, in der bereits mehr als 25.000 Mitglieder aktiv sind. Mit ihrer Initiative wollen sie sich Gehör verschaffen und Politik und Gesellschaft an die gemeinsame Verantwortung für den Schutz von Klima, Umwelt und Natur erinnern. Vor allem müsse die Politik die Landwirtschaft in die Entscheidungsprozesse, etwa zum Insektenschutz, einbeziehen.

Mit den Verbrauchern ins Gespräch kommen

Den Landwirten gehe es aber auch darum, mit Verbrauchern ins Gespräch zu kommen. „Wer von den Bauern mehr Schutz für Klima, Umwelt und Natur fordert, muss auch bei sich selbst anfangen und die richtigen Antworten an der Ladenkasse geben. Wir brauchen ein Umdenken beim Kauf und Umgang mit Lebensmitteln“, erklärte Schäfer. Wenn man über Klima-, Umwelt- und Naturschutz rede, gehöre es auch dazu, alle Facetten einzubeziehen und die eigene Verantwortung anzunehmen. Auch Schmitz bestätigte, die Landwirte seien offen für Veränderungen, wenn sie nötig seien. „Es gibt Themen, die wir anpacken müssen.“ Es sei aber wichtig, Landwirte in Veränderungsprozesse miteinbeziehen und Entscheidungen nicht über ihre Köpfe hinweg zu treffen. Auch die Landwirte in der Region seien bereit, Lebensmittel nachhaltig zu erzeugen. Das gehe aber nicht, wenn die hohen Standards in Deutschland etwa durch die Einführung des Mercosur-Abkommens zwischen Europa und den südamerikanischen Staaten unterlaufen werde, was außerdem dazu beitrage, noch mehr Regenwald abzuholen und in Deutschland seit Jahren verbotene Pflanzenschutzmittel weiter zu benutzen. In Deutschland hingegen schafften die Landwirte mit ihrer Arbeit einen lebendigen Naturraum. Allerdings müsse die zunehmende Zerschneidung der Kulturlandschaft endlich ein Ende haben, „wir brauchen dringend einen Schutzstatus für landwirtschaftliche Flächen“, meint Schmitz.

Klimaschutz ist eine wirtschaftliche Zukunftsaufgabe

Zudem bedürfe es statt überschneller pauschaler Verbote beim Pflanzenschutzeinsatz vielmehr einer Risiko-Nutzen-Abwägung.

Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln müsse auf europäischer Ebene harmonisiert und ein verlässlicher Rahmen geschaffen werden, der die Innovationsbereitschaft der Landwirte fördere und nicht behindere. „Klimaschutz ist eine wirtschaftliche Zukunftsaufgabe. Wir brauchen einen Förderrahmen, der die Leistung der Landwirtschaft toleriert und die Umsetzung von Innovationen beschleunigt. Erfolgreicher Klimaschutz braucht eine Effizienzmaßnahme.“ Die Lebensweise der modernen Gesellschaft habe vielfältige Auswirkungen auf die Umwelt. Landwirtschaft sei Teil dieser modernen Lebensweise, gemeinsam müsse man sich in allen Bereichen den unterschiedlichen Herausforderungen stellen. „Daher muss Schluss sein mit gegenseitigen Schuldzuweisungen“, findet Schmitz. JOST

Mit einem großen Mahnfeuer am Ehrenmal am Wachtberg machten die Wachtberger Landwirte auf ihre Situation aufmerksam.

Mit einem großen Mahnfeuer am Ehrenmal am Wachtberg machten die Wachtberger Landwirte auf ihre Situation aufmerksam. Foto: Volker Jost

Mehr als 50 Landwirte und auch einige Wachtberger bei der Veranstaltung am Wachtberg-Ehrenmal.Fotos: JOST Foto: Volker Jost

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