Allgemeine Berichte | 07.05.2024

Maibaumstellen und Junggesellentaufe in Reifferscheid

Maibaum in traditioneller Weise mit „Micken“ aufgestellt

Zum Taufritual gehört jede Menge Taufwasser aus dem Brunnen. Fotos: Werner Dreschers

Reifferscheid. Der 1. Mai hat im Jahreslauf der Junggesellen eine besondere Bedeutung. In Reifferscheid herrschte schon am frühen Vormittag rege Betriebsamkeit. In der Auffahrt zur Pfarrkirche St. Michael waren die Junggesellen mit dem Aufstellen des Maibaumes befasst. Der Baum, zu Jahresanfang im Reifferscheider Forst in der Nähe von Leimbach geschlagen und dort gelagert, wurde über Adenau nach Reifferscheid transportiert, insbesondere die Auffahrt in die Blankenheimer Straße in Adenau erfordert fahrerisches Geschick, da muss rangiert werden. Allein der Transport ist schon ein vergnügliches Unterfangen, nach einem traditionell arrangierten Frühstück in Adenau geht es über Honerath in den Heimatort. Das erfordert strikte Verkehrssicherheit, von den Junggesellen aus eigenen Reihen gewährleistet.

Kurz vor Reifferscheid steigen sie auf den auf einem Langholzwagen befestigten Baum, „reiten“ so in Reifferscheid ein, singen typische Mailieder. Nach dem Ablassen des Baumes wird er mit einer Birke geschmückt, in den Reifferscheider Farben blau-weiß, am Ende beträgt die Gesamthöhe damit durchaus 30 m oder mehr.

Der Baum wird traditionell von Hand aufgestellt, darauf legen die Junggesellen großen Wert, Muskelkraft und viel Geschick im Umgang mit den sogenannten „Micken“, das sind Paare von Langhölzern, unterhalb der Spitze durch starke Taue verbunden. In die Seilmulde passt der Baum, das dickere Ende steckt in einem betonierten Loch, so wird der Baum unter großem Hallo langsam emporgewuchtet, kleinere Baumstämme verkeilen ihn sicher in der tiefen Ausschachtung. Das kann recht lange dauern, immer wieder ist dabei die Sicherheit aller Beteiligten im Blick. Ein „Brülles“ gibt die Kommandos, Tobias Bohn verstand es die Junggesellen durch lautstarke Kommandos geschickt zu motivieren, da heißt es „hauruck“ oder ähnlich. Drei Paare Micken kamen zum Einsatz, je nach erreichtem Aufstellungswinkel werden sie sachgerecht versetzt.

Nach den Aufräumarbeiten zischt dann das erste Bier, wohlgefällig betrachten die Junggesellen ihr Werk, Applaus aus den Reihen der zahlreichen Zuschauer.

Diese warten auf die folgende recht spektakuläre „Taufe“ neuer Junggesellen, der sogenannten „Frischen“. Diese haben schon einiges an Arbeit geleistet, jetzt gilt es, einzeln und zeitlich nacheinander auf einem spitzen Holzscheit kniend, zunächst lautstark Fragen zu beantworten. Gleich zwei Dosen Rasierschaum werden über die „Frischen“ verteilt, die „Rasur mit dem Beil“ steht bevor, gleich mehrere Eimer des kalten Wassers aus dem Dorfbrunnen ergießen sich in der Folge über die Frischen, ein Schnapsähnliches Gebräu zum Schluß beendet die Zeremonie, bei der ein Taufpate zur Seite steht.

Nach der Prozedur fröhliches Feiern in munterer Runde, Junggesellen und Bewohner genießen den Start in den Mai. Wie in Reifferscheid fanden an zahlreichen anderen Orten ähnliche Feiern statt, die Taufzeremonien unterscheiden sich teils. In einigen Orten, wie in Reifferscheid sind nach wie vor nur Männer im Verein, in anderen haben auch junge Frauen Zutritt.

Der Junggesellenverein feiert in diesem Jahr sein 111-jähriges Bestehen, die Mitgliederzahl von 32 wurde um sieben Frische erhöht. Präsident ist Pascal Dismon, Vizepräsident Noah Hertel, Schatzmeister ist Lars Kläsgen, Schriftführer Markus Retterath, Zeugwart David Schaefer, es gibt drei Beisitzer: Lukas Retterath, Yann Schaefer, Mathis Rothkegel.

Die Junggesellen führen bei offiziellen Veranstaltungen ihre Vereinsfahne mit,

zum 100. Jubiläum haben sie sich das wertvolle Stück gegönnt.

Das Aufstellen des Maibaumes in traditioneller Weise mit „Micken“.

Das Aufstellen des Maibaumes in traditioneller Weise mit „Micken“. Foto: Werner Dreschers Tannenweg 6 535

Zum Taufritual gehört jede Menge Taufwasser aus dem Brunnen. Fotos: Werner Dreschers Foto: Werner Dreschers Tannenweg 6 535

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Werbeplan 2026
Dauerauftrag Imageanzeige
Stellenanzeige Zahntechniker, 2. Anzeige "2+1 Aktion"
2+1 Aktion
150-jähriges Jubiläum Krupp Verlag
150-jähriges Jubiläum Krupp Verlag
Empfohlene Artikel
Pfarrer Jörg Meyrer.
804

Als ich diese Zeilen schreibe, liegt der fünfte Jahrestag der Flut noch vor uns. Wenn Sie sie lesen, haben wir ihn hinter uns. Manche werden sagen: „Wir haben ihn geschafft!“ Und allein dieses Wort zeigt, wie viel dieser Tag vielen Menschen noch abverlangt.

Weiterlesen

v.l.n.r. Wolfram Hutsteiner, Leiter Kita St. Josef, Luisa Wittersheim, stellv. Leiterin Kita St. Josef, Ramona Mühlenkamp, Gesamtleitung Kita gGmbh, Anne Herrig, Vorsitzende des Kita-Elternausschusses und Kita-Förderverein.  Foto: privat
15

Altenahr. Sechs Jahrzehnte voller Leben, Lachen und Lernen - sechs Jahrzehnte, in denen Generationen von Kindern in der Kindertagesstätte St. Josef in Altenahr begleitet, gefördert und auf ihrem Weg ins Leben gestärkt wurden. Das runde Jubiläum war Anlass, um ein buntes Familienfest zu feiern.

Weiterlesen

Symbolbild
62

Seck. Im Rahmen der Suchmaßnahmen wurde der vermisste 89-Jährige gefunden. Obwohl er leicht dehydriert war, befand er sich in einem wohlbehaltenen Zustand. Aus Vorsichtsgründen erfolgte seine Verlegung in ein nahegelegenes Krankenhaus, um seinen Gesundheitszustand genauer abzuklären. Die Polizei drückt im Namen aller beteiligten Einsatzkräfte ihren Dank für die geleistete Mithilfe aus.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
1252

Ermittlungen nach Verpuffung: 39-Jähriger schwer verletzt

15.07.: Explosion in Einfamilienhaus

Rennerod. In den frühen Morgenstunden des 15. Juli 2025 ereignete sich um 01:40 Uhr eine Verpuffung in einem Einfamilienhaus in der Holzbachstraße in Rennerod. Dabei erlitt der 39-jährige Bewohner schwere Verletzungen. Eine Außenwand des Hauses wurde erheblich beschädigt, während zwei benachbarte Gebäude leichte Schäden davontrugen. Die Feuerwehr rückte aus, um den Vorfall zu bewältigen. Aufgrund der Ereignisse war es notwendig, die B54 für etwa eine Stunde zu sperren.

Weiterlesen

Im Kurpark von Bad Neuenahr: Pascal Rowald, Gordon Schnieder und Bundeskanzler Friedrich Merz.
1014

Emotionale Gedenkfeier zum fünften Jahrestag der Flut: Ahrtal gedachte vor allem der Opfer

Ministerpräsident Schnieder bittet um Entschuldigung für staatliches Versagen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Fünf Jahre ist es jetzt her, dass sich am 14./15. Juli 2021 eine verheerende Flut durch das Ahrtal wälzte, 135 Menschen aus dem Leben riss, zahllose Verletzungen an Leib und Seele forderte, Existenzen, Häuser, Straßen und Wege zerstörte und das ganze Tal nachhaltig veränderte – bis heute. Am fünften Jahrestag der größten Naturkatastrophe der jüngeren deutschen Geschichte gedachte...

Weiterlesen