Vortrag von Pater Basilius Sandner beim Plaidter Geschichtsverein
Maria Laach – ein Kultort mit bewegter Geschichte
Plaidt. Maria Laach gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen im Rheinland. Etwa 700.000 Menschen besuchen jährlich die fast 1000-jährige Benediktinerabtei. Die 35 Mönche, die in dem Kloster leben, sichern sich ihre Existenz mit rund 11 Wirtschaftsbetrieben, wie beispielsweise der Gärtnerei, dem Klosterverlag, der Buch und Kunsthandlung und dem Seehotel. „Das Koster von heute, hat mit der Abtei Laach, die 1093 von Pfalzgraf Heinrich II gegründet wurde, rein gar nichts mehr gemein“, weiß Pater Basilius Sandner, der auf Einladung des Plaidter Geschichtsvereins am Freitag einen Vortrag zum Thema „Maria Laach – zwischen Gründung und Säkularisation“ hielt.
Rund 50 Gäste und Vereinsmitglieder des Plaidter Geschichtsvereins versammelten sich am Freitagabend im Schrotteler Saal der Plaidter Hummerichhalle, und verfolgten gespannt den Vortrag von Pater Basilius Sandner. Der Pater, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, ist 1986 ins Kloster Maria Laach eingetreten und war lange Jahre Archivar des Klosters. Zudem hat er einige Publikationen für das Kloster herausgegeben, in denen er sich vorwiegend mit den Zeiten des 1. und 2. Weltkrieges befasst.
Gleich zu Beginn seines Vortrages wartete er mit der These auf, dass das Kloster in seiner Gründungszeit und auch noch viele Jahre später, ein ganz anderes war, das mit dem heutigen nicht mehr vergleichbar sei. Auch habe das Kloster im Laufe der Jahre immer wieder gute, aber vor allem viele schlechte Zeiten erlebt.
Das Kloster Maria Laach galt als ein sogenanntes Hauskloster, da es in Abhängigkeit einer Adelsfamilie stand. Gegründet wurde es 1093 von Pfalzgraf Heinrich II, der ihm als Grundausstattung Kruft samt Kirche, Bendorf und Heimbach mit ihren Gemarkungen Bell, Rieden, Alken und Willenberg verlieh. Heinrich von Laach ließ das Kloster von lombardischen Handwerker und Baumeistern errichten, die auch das hochwertige Baumaterial, das vorwiegend aus bunten Steinen bestand, mit nach Laach gebracht haben. Erst später wurde mit sehr einfachen Materialien wie Basalt und Tuff aus der Region weitergebaut. Der Stifter verstarb zwei Jahre nach der Gründung des Klosters. Zunächst führte seine Ehefrau, Pfalzgräfin Adelheid, das begonnene Werk bis zu ihrem Tod weiter. Nach anfänglichen Erbstreitigkeiten erneuerte Siegfried von Ballenstedt, der Sohn Adelheids aus erster Ehe, 1112 die Stiftung seines Stiefvaters und übertrug das Kloster der Cluniazenserabtei Afflingen in Brabant zur Besiedlung. Von dort kamen 40 Mönche, unter ihnen der erste Prior und spätere Abt Gilbert (1127-1152). Aber erst Abt Fulbert (1152-1177) setzte schließlich den Kirchen- und Klosterbau fort, sodass Erzbischof Hillin von Trier die Kirche am 24. August 1156 einweihen konnte. Einen Namen habe sich Abt Fulbert auch durch den gleichnamigen Bau des Stollens am südlichen Ufer des Laacher Sees gemacht, berichtet Pater Basilius, der seine Ausführungen mit Bildern und Grafiken an einer Leinwand plastisch untermalte. „Der Laacher See reichte seinerzeit bis zur heutigen Straße“, erzählt der Pater. „Mithilfe dieses Stollens konnte der Wasserspiegel des ursprünglich abflusslosen Sees abgesenkt beziehungsweise, reguliert werden.“
Auch zwei weitere Äbte ragen aus der Reihe der ersten Klostervorsteher als bedeutende Persön¬lichkeiten heraus: Abt Albert (1199-1217), der die Kirche durch den Bau des Paradieses und den eleganten Abschluss des Westwerkes mit der Zwerggalerie vollendete, und Abt Theoderich (1256-1295), der die Gebeine des Pfalzgrafen Heinrich vom Kreuzgang in die Kirche übertragen ließ.
Abtei blühte auf
Am Ende des Mittelalters sei die Abtei erneu aufgeblüht, indem sie sich 1474 der Bursfelder Kongregation anschloss. Aus Groß St. Martin in Köln kamen acht Reformmönche nach Maria Laach, und ihr erster Abt wurde Johann Fart (1470-1491) aus der Abtei St. Maria ad Martyres in Trier.
Diese Reformbewegung bewirkte in Laach einen personellen und wissenschaftlichen Aufschwung.
Unter Abt Simon von der Leyen (1491-1512) trat Johannes Butzbach aus Miltenberg in die Abtei ein, ein bedeutender Vertreter des rheinischen Klosterhumanismus. Maria Laach war und blieb dennoch eine kleine Abtei, die bis zur Säkularisation nie mehr als 30 Mönche zählte. „Nach dem Aufschwung erfolgte dann 1802 in Folge der Französischen Revolution der Niedergang des alten Laach“, berichtet der Pater. „Die Kircheneinrichtung wurde entfernt und die Mönche gezwungen, die Abtei zu verlassen.“ Der gesamte Besitz sei verstaatlicht worden. „Die Armut der Abtei war seinerzeit so groß gewesen, dass das Geld nicht einmal für einen eigenen Grabstein des letzten Abtes reichte“, schloss Pater Basilius Sandner seinen spannenden Vortrag.
Pater Basilius Sandner zog das Publikum mit seinem spannenden Vortrag in seinen Bann.
Frank Neupert begrüßt rund 50 geschichtsinteressierte Gäste im Schrotteler Saal der Plaidter Hummerichhalle.
