Neugestaltung des Marktplatzes: Angeregte öffentliche Diskussion über neue Nutzungsmöglichkeiten
Marktplatz-Neugestaltung muss mit Verbesserung der Verkehrssituation einhergehen
Die Parkplätze standen im Mittelpunkt der Diskussion
Neuwied. Nach der Online-Umfrage waren die Neuwieder im zweiten Schritt der Öffentlichkeitsbeteiligung nach ihren Vorstellungen zur Zukunft des Marktplatzes gefragt. Der Einladung zum Workshop waren über einhundert Bürger gefolgt, die Hälfte davon hatte sich bereits im Internet beteiligt. Die Bedeutung und Funktion des Marktplatzes für ganz Neuwied unterstrich, dass die Teilnehmer aus allen Stadtteilen kamen. Bürgermeister Jan Einig freute sich über die große Resonanz von Bürgern, politischen Vertretern und betroffenen Institutionen, wie beispielsweise dem AktionsForum. Sinn der Veranstaltung sei es, ein breites Meinungsbild zu erhalten. Den Workshop übergab die Verwaltung in die Hände von Gabriela Kotzke (gk mediation).
Die externe Moderatorin legte ihren Fokus auf den Austausch der Menschen untereinander. In elf Gruppen arbeiteten jeweils acht Personen als Team zusammen. Jeder sollte so die Möglichkeit haben, sich anderen Gedanken und Ideen zu öffnen. Am Ende sei es wichtig, dass das Resultat von vielen Menschen getragen wird, so Gabriela Kotzke. Bis zum Ergebnis ist es noch ein langer Weg. Die Ideen, Vorschläge und Anregungen werden in den nächsten Wochen kanalisiert. Sie dienen als Grundlage für einen Architektenwettbewerb. Eine Kommission, in der neben Politik und Verwaltung auch die Bürger/innen beteiligt sind, wird die besten Entwürfe auswählen. Erst dann wird der Stadtrat entscheiden. Eine wie auch immer geartete Umsetzung wird kaum vor 2019 erfolgen. Gastgeber des Workshops war Pfarrer Werner Zupp. Für bürgerschaftliches Engagement stünde das Gemeindehaus gern zur Verfügung. Zudem sei die Marktkirchengemeinde als Anlieger ebenfalls betroffen.
Nicht nur bei Hochzeiten sieht der Pfarrer Verbesserungspotential für den Marktplatz. Der Stadtverwaltung gab er mit auf den Weg, dass es nach der Veranstaltung mit dem Prozess rasch weitergeht. „Eigentlich müssten wir ja Parkplatzkirche und nicht Marktkirche heißen“, sagte Werner Zupp und gab damit das Stichwort. Um den Erhalt der Parkplätze wurde kontrovers diskutiert. Nach über zwei Stunden hatten es die Sprecher nicht immer ganz leicht, einen Konsens ihrer Gruppe zu formulieren.
Kontroverse Diskussion um den Erhalt der Parkplätze
Schon in der online Umfrage gab es ganz unterschiedliche Meinungen, die von der Abschaffung der Parkplätze (41 Befragte) bis zum Erhalt aller Parkplätze (38 Befragte) reichten. 39 Befragte hatten sich für weniger Parkplätze ausgesprochen oder dafür, dass das Parken nur noch in den Randbereichen möglich sein soll. Im Workshop kamen nahezu alle Arbeitsgruppen zu dem Ergebnis, dass zumindest ein Teil der Parkplätze erhalten werden muss. Nicht nur wegen des kurzen, schnellen fußläufigen Zugangs in die City und den mangelnden Alternativen, sondern auch für die mehrfach gewünschte Gastronomie rund um den Marktplatz oder für die Besucher der Marktkirche. Einige brachten die Schaffung von Parkplätzen in einer verengten Kirchstraße zur Sprache. Große Einigkeit herrschte darüber, dass die Neugestaltung des Marktplatzes zwingend nur mit einer Verbesserung der Verkehrssituation einhergehen kann. Besonders die Kirchstraße steht in der Kritik. Von einspurig über Tempo 30 bis hin zur gänzlichen Schließung gingen die Vorschläge. Ebenfalls weitestgehend einig waren sich die Teilnehmer darüber, dass die Pfarrer-Werner-Möhrchen Straße obsolet ist und in die Neugestaltung des Marktplatzes einbezogen werden sollte.
Wunsch nach einem grünen Marktplatz
Die Mehrheit wünscht sich den Marktplatz wie aus einem Guss, beispielsweise durch Verbundpflaster. Praktisch alle sprachen sich für den Erhalt der Bäume aus oder wollten neue gepflanzt sehen. Die Menschen stellen sich mehrheitlich einen grünen Marktplatz vor. Ebenfalls wichtig erscheint den meisten eine Toilette. Im Gegensatz zum Istzustand sollte die aber Vandalismus fest sein. Viele unterschiedliche Vorschläge wurden zur Nutzung gemacht. Genannt wurden Flächen für Veranstaltungen, Gastronomie, Verweilzonen, Aufenthalts- und Freiflächen. Während die eine Boule-Bahn und Schach im Sinn haben, stellen sich andere einen Spielplatz oder Wasserspiele vor. Viele würden den Wochenmarkt gern zurückholen. Dazu wird es allerdings nicht kommen, weil die Marktbeschicker den Luisenplatz wegen der Laufkundschaft bevorzugen.
Eine bewegte Geschichte
Eingangs des Workshops hatte Reiner Geisen aus dem Bauamt die Entwicklung des Marktplatzes anhand von Bildern und Fotos dargestellt. Der Bereich um den Marktplatz könne als barocke Altstadt bezeichnet werden. Schon auf einem Stadtplan aus dem Jahr 1751 sei die Fläche verzeichnet. Von der Anlage seien die Straßen nicht ganz so exakt im barocken Stil wie in vergleichbar jungen Städten wie Mannheim oder Karlsruhe. Der Grund liege daran, dass Neuwied nicht von Grund auf neu angelegt wurde, sondern vorhandene Straßen aus Langendorf übernommen wurden. Zum Beispiel die Marktstraße, die schon vor Stadtgründung als Achse zum Rhein führte. Ab 1744 gab es vom Rhein aus einen Fährweg nach Weißenthurm. Unter Friedrich Wilhelm Graf zu Wied fand 1732 der erste Markt statt. In den Jahren nach der Stadtgründung war es rund um den Marktplatz sehr belebt, hier spielte sich das gesellschaftliche Leben statt. 1876 entstand das erste Foto vom Marktplatz. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts spendeten Bäume Schatten. Um 1900 sind auf den Fotos Lindenreihen zu sehen. Ab dieser Zeit ist der Marktplatz auch als Versammlungsort für Demonstrationen überliefert. Die Nationalsozialisten nutzten das Gelände ebenfalls für ihre Aufmärsche. Mit der zunehmenden Motorisierung entschied sich die Stadt Neuwied 1963 zum Ausbau als Parkplatz. Als sich Neuwied später gegen das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich erhob, hielt der bekannte Zukunftsforscher Robert Jungk auf dem Marktplatz eine Rede. „Sein Gedanken, Betroffene zu Beteiligten zu machen, wollen wir heute aufgreifen“, sagte Reiner Geisen. FF
Die Parkplätze teilweise erhalten und die Kirchstraße beruhigen sind die Vorstellungen aus Robert Raab´s Arbeitsgruppe.
Das Ergebnis der Online-Befragung präsentierte die Stadtverwaltung im Gemeindesaal.
Kontrovers und intensiv diskutierten die Bürger in insgesamt elf Arbeitsgruppen zu jeweils acht Leuten.
Sonja Jensen stellt die Vorstellungen ihrer Arbeitsgruppe vor. Die Jahreszeiten sollten für die Nutzungen in Betracht gezogen werden.
