Allgemeine Berichte | 30.08.2019

Der Kabarettpreis „Emser Pastillchen für zwei Stimmbänder“2019

Martin Zingsheim ausgezeichnet

Der Preis mit den kirschroten Lippen wird seit 2002 vom Verein Kabarett CasaBlanca vergeben

Der Preisträger Martin Zingsheim mit Intendant Josef Winkler. Fotos: Kabarett CasaBlanca e.V.

Bad Ems. Das Theater im Badhaus war wieder einmal mit seinen 180 Zuschauerplätzen in heimeliger Atmosphäre ausverkauft. Wie jedes Jahr am dritten Samstag im August fand wieder die Verleihung des Kabarettpreises „Emser Pastillchen für zwei Stimmbänder“ im Theater im Badhaus statt. Martin Zingsheim, der zuvor mit seinem Programm „kopfkino“ bereits zum zweiten Mal in Bad Ems zu Gast war, konnte die Jury des Vereins Kabarett CasaBlanca e.V. damit vollends überzeugen, ein würdiger Preisträger zu sein.

Vor den „Toren“ des Badhauses fand eine erste Begrüßung mit Winzersekt und der regionalen Spezialität „Nieverner Heckeböck“ statt. Umgeben von der idyllischen Kurparkkulisse berichtete Vizepräsident Dr. Erich Krausbeck von der Geschichte des Emser Pastillchens, dem „schönsten Kabarettpreis nördlich des Äquators“ und hieß die Gäste herzlich willkommen. Nebenbei bemerkt, eine ganze Reihe von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hatten sich zu diesem Lebensfest die Zeit genommen und sich unter das geübte Kabarett-Publikum gemischt: MdB Josef Oster, die Bürgermeister Uwe Bruchhäuser und Oliver Krügel (in spe), sowie die Chefärzte der Paracelsus-Klinik Bad Ems – die medizinische Notfallvorsorge war also gesichert ;). Frau Timmerscheidt, die Vertreterin des Sponsors, der Siemens & Co, nahm unter den Bäumen des Kurparks kurz Stellung zum Thema „Pastille und Stimmbandpflege“.

Bei der nachfolgenden Vorführung bestach Martin Zingsheims schmissiges Programm erneut mit politisch messerscharfen Pointen, die nicht nur an die üblichen Verdächtigen abgefeuert wurden. Er entfachte beim Publikum Beifallsstürme und alle ließen sich begeistert von dem intellektuellen Feuerwerk der Gedanken mitreißen.

Der sympathische Vollblutkabarettist hat Musikwissenschaft und Philosophie in Köln studiert und ist zudem promoviert. Auch wenn er dem Bad Emser Publikum als Pianist, Sänger und auch eigener Komponist bekannt ist, trat er am 17. August im Badhaus ohne Musikeinlage auf.

Nach der Pause führte Intendant Josef Winkler in seiner Laudatio die Bedeutung des Künstlers aus und übergab gemeinsam mit Präsidentin Elfi Jörnhs die künstlerisch einzigartige Statuette mit den knallroten Lippen an einer Messingstange, ruhend auf einer goldenen Pastille. Ihre Gestaltung geht zurück auf einen Entwurf der Bad Emser Künstlerin Lies Ebinger aus der Keramikwerkstatt Ebinger-Schnaß, welche den Preis in einem aufwendigen Verfahren, u.a. mit echter Goldfarbe, produzieren.

Die „Präsidentin der Bühne“, Frau Jörnhs, betont: „Zweifellos ist natürlich unsere Trophäe bunter und schöner als der Oscar in Hollywood!“

Der Kabarettpreis „Emser Pastillchen für zwei Stimmbänder“ wurde jetzt zum 19. Mal vergeben. Mit Unterstützung der, am Ort aus Bad Emser Heilwasser die „Bad Emser Pastillen“ produzierende, Firma Siemens & Co, ist dem gemeinnützigen Kabarettverein die Preisverleihung möglich. Er betont auch, dass der Name des Preises und des hiesigen Medizinproduktes nicht ganz zufällig ähnlich seien.

Das Publikum dankte mit seinem Applaus sowohl für die dargebotene Kleinkunst am Ort, als auch dem Intendanten für sein Geschick in der Programmgestaltung. Zum krönenden Abschluss gab es natürlich die obligatorische große Geschenkpackung mit Emser Pastillen, dem Sidroga Tee, und der Nasendusche.

Es war ein großartiger Abend für Alle im Theater im Badhaus.

Bisherige Preisträger

Preisträger 2018: Madeleine Sauveur; Preisträger 2017: Sebastian Schnoy; Preisträger 2016: Matthias Reuter; Preisträger 2015: Benjamin Eisenberg; Preisträger 2014: Tina Teubner; Preisträger 2013: Luise Kinseher; Preisträger 2012: Rena Schwarz; Preisträger 2011: Lüder Wohlenberg und Hans F. Jörnhs; Preisträger 2010: Thomas C. Breuer; Preisträger 2009: Kabbaratz; Preisträger 2008: Ingo Börchers; Preisträger 2007: Bodo Wartke; Preisträger 2006: Knusper; Preisträger 2005: Kabarett BläckAut; Preisträger 2004: Simone Solga; Preisträger 2003: Konrad Beikircher; Preisträger 2002: Matthias Brodowy

Das Emser Pastillchen für zwei Stimmbänder, die Geschichte

Der Preis mit den kirschroten Lippen wird seit 2002 vom Verein Kabarett CasaBlanca vergeben. Drei Jahre nachdem sich die neu gegründete Kabarettbühne in Bad Ems zu etablieren schien, heckten die Gründer Hans Friedel Jörnhs und Erich Krausbeck schon neue Pläne aus. Ein Preis musste her. Die beiden Quer- und Um-die-Ecke-Denker hatten eine brillante Idee: Stimmbänder - die ja jeder Kabarettist zur Ausübung seiner Kunst benutzt und Emser Pastillen, eins der Markenzeichen von Bad Ems, gehören irgendwie zusammen. Die Verbindung gelang und es folgte alsbald die Umsetzung. Der damalige Chef aller Emser Pastillen, Direktor Olaf Hirsch von Siemens und Co., brauchte weniger als eine Minute 30, um die an ihn herangetragene Idee eines solchen Preises mit zu beflügeln. Dank der großzügigen Unterstützung, mittlerweile auch durch das Schwesterunternehmen Sidroga, konnte das Preisgeld ausgeschrieben werden. Der Bad Emser Künstlerin Lies Ebinger, inzwischen Seniorchefin der Keramikwerkstatt Ebinger-Schnaß, gelang mit ihrem Entwurf die eindrucksvolle Umsetzung einer nicht ganz trivialen Aufgabe. „Stimmbänder und einen Kehlkopf kann man schlecht gestalten. Und der Mund ist ja das Organ, mit dem die Stimme nach außen gebracht wird“. So fiel die Entscheidung für ein großes, rotes Lippenpaar, welches auf einem Messingstab mit vergoldetem Sockel thront. Aus der Echtgoldglasur ragt in erhabenen Buchstaben der etwas außergewöhnliche Name des Preises. Eine unabhängige Jury wählt aus den über das Jahr im Theater aufgetretenen Künstlern den oder die PreisträgerIn aus. Da der Verein laut Satzung auch explizit Nachwuchskünstlern eine Auftrittsmöglichkeit bieten möchte, beobachtet der Verein nicht ohne Stolz dass einige der Preisträger in der Folge „richtig groß rausgekommen sind“. Bodo Wartke zum Beispiel, Preisträger 2007, damals noch im kleinen Kellertheater mit 99 Plätzen, ist für Locations unter 1000 Plätzen gar nicht mehr zu kriegen. Bemerkenswert war auch Konrad Beikircher (er kommt trotz seiner Popularität immer noch gern zum Kabarett CasaBlanca e.V.), als er 2003 sein Pastillchen erhielt, hat er als Zeichen seiner Wertschätzung dem kleinen Theater gegenüber sein Preisgeld dem Verein gespendet. Der kunstvolle Preis, über den Hans F. Jörnhs einmal sagte es sei „die wahrscheinlich schönste Trophäe, die als Kabarettpreis nördlich des Äquators überreicht wird“, unterläuft einen aufwendigen, mehrwöchigen Herstellungsprozess: Der feuchte Ton für Mund und Sockel wird in eine Gipsform gegossen. Die Rohprodukte müssen dann mehrere Wochen in einem Raum mit Heizung und Gebläse getrocknet werden. Erst in trockenem Zustand werden die Sockel und Münder dann glasiert. Den Mund zu glasieren ist aufgrund der Wölbung der Lippen eine besondere Herausforderung. Wenn die Glasur so verläuft, dass es aussieht, als würde der Mund einem die Zunge herausstrecken ist es Ausschussware. Sechs bis sieben dünne Farbschichten müssen aufgetragen werden - eine jede muss zuerst trocknen, bis die nächste obendrauf kommt. Im Anschluss werden die glasierten Teile zwölf Stunden bei 1100 Grad gebrannt. Der Sockel wird zunächst schwarz-weiß glasiert und gebrannt. Danach wird sein Schriftzug mit flüssigem Gold versehen und der Sockel noch mal bei 800 Grad in den Ofen gesteckt. Und damit am Ende auch jeder Künstler ein Unikat erhält, wird eine Metallplakette mit Namen und Auszeichnungsjahr unten in den Sockel geklebt. Neben der „Langen CasaBlanca Kabarettnacht“ gehört die Preisverleihung zu den Höhepunkten im Emser Kabarett-Jahr. Die Überreichung des einzigartigen „Emser Pastillchen für zwei Stimmbänder“ ließ bisher das Herz eines jeden Empfängers freudig höher schlagen. Pressemitteilung

Kabarett CasaBlanca e.V.

Der sympathische Vollblutkabarettist hat Musikwissenschaft und Philosophie in Köln studiert und ist zudem promoviert.

Der sympathische Vollblutkabarettist hat Musikwissenschaft und Philosophie in Köln studiert und ist zudem promoviert.

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