Zehnthaus Kolumne (27)
Matronensteine
Odendorf. Zwischen dem Zehnthaus und der alten Kirche in Odendorf befinden sich die Nachbildungen zweier Matronensteine. Sie sind in die dortige Bruchsteinmauer eingelassen. Die Originale dieser Altarfragmente wurden 1883 beim Bau der Eisenbahnlinie Bonn-Euskirchen 300 Meter südöstlich von Odendorf dicht an der von Palmersheim kommenden Römerstraße gefunden. Sie befanden sich zunächst in Privatbesitz, ehe sie 1895 dem Provinzialmuseum – heute Rheinisches Landesmuseum - in Bonn zugeführt werden konnten. Heute gehören sie zum Bestand des LVR-Depots in Meckenheim.
Der Verein Zehnthaus hat diese Repliken durch das Landesmuseum anfertigen lassen. Sie wurden anlässlich der Wiederherstellung und Neueröffnung des Zehnthauses am 19. Juli 1981 der Gemeinde gestiftet und in die Bruchsteinmauer zwischen alter Kirche und Zehnthaus eingelassen.
Matronae sind weibliche Gottheiten. Die Weihaltäre sind diesen Gottheiten gewidmet. Sie wurden gestiftet, um Schutz für die Familie, Fruchtbarkeit oder beruflichen Erfolg zu erbitten, oder als Dank für die Errettung von einer Gefahr oder Krankheit. Über die konkrete Form dieses Matronenkults gibt es wenig Hinweise. Ihre Verehrung ist nicht ursprünglich römisch, sondern keltisch oder germanisch. Dieser Kult wurde von der einheimischen Bevölkerung, aber auch von Zuwanderern aus anderen Regionen und sogar von hohen römischen Offizieren und ihren Frauen übernommen. In den Inschriften werden die Göttinnen als Matronae bezeichnet und führen einen weiteren Namen, z.B. in Odendorf Acerecinehae. Die Darstellung erfolgt zumeist in Form von drei Frauen in einheimischer Kleidung.
Neben dem Namen Acerecinehae gibt es fast hundert weitere Namen für rheinische Matronen. Die Weihe-Inschrift beinhaltet jeweils den Namen der Matrone, den Namen des Stifters und die Weiheformel.
Die beiden Odendorfer Weihaltäre wurden von Gaius Severinius Candidus und Lucius Appianius Tertius gestiftet. Beide waren, wie ihr Name zeigt, römische Bürger (Vorname, Familienname und Beiname).
Sammlung Zehnthaus/ Prof. Hans Lehner „Die antiken Steindenkmäler des Provinzialmuseums Bonn, 1918, S. 125 und 126
www.verein-zehnthaus.de
Einer der Matronensteine. Copyright: Verein Zehnthaus
