Dokumentationsstätte Regierungsbunker präsentiert neuen Informationsfilm
Mehr als 150 Bilder und Animationen vom Relikt des kalten Krieges
Filmproduktion verschlang mehr als 200 Arbeitsstunden
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mehr als 700.000 Gäste haben inzwischen die Dokumentationsstätte Regierungsbunker auf dem Ahrweiler Silberberg besucht, davon allein in diesem über 37.000. Da es zwischen den beliebten Führungen durch das noch erhaltene Bunkersystem immer mal wieder zu Wartezeiten kommen kann, zeigt die Dokumentationsstätte den Besuchern zur Überbrückung der Zeit traditionell einen informativen Film über die Geschichte des ehemaligen Regierungsbunkers. Da der bisher verwendete Streifen ein wenig in die Jahre gekommen war, entschloss sich das Museumsteam um Leiterin Heike Hollunder dazu, einen neuen Informationsfilm produzieren zu lassen. Und man kann es vorwegnehmen: Das Vorhaben wurde eindrucksvoll realisiert. Davon konnten sich kürzlich im Kinosaal des Regierungsbunkers Medienvertreter und Ehrengäste ein ausführliches Bild machen. Immerhin 25 Minuten lang dauert die aktuelle Präsentation, für die der Kirchdauner Grafik-Designer Andreas Schmickler verantwortlich war. Das Werk besticht vor allem durch beeindruckende Bilder und zahlreiche Fakten rund um das Relikt des kalten Krieges. So wird unter anderem unverzichtbares Wissen wie die Zahl von 897 Büro- und Technikräumen oder 936 Schlafräumen – mit Dusche und WC - vermittelt. Und dass es im Bunker immerhin fünf Wasserwerke, eine Frisierstube, ein Fernsehstudio, fünf Küchen für je 500 Personen und vier Dekontaminationsanlagen gab, dürfte nur solchen Besuchern bekannt sein, die sich im Vorfeld intensiv mit der Materie befasst haben. Natürlich werden auch architektonische und versorgungstechnische Besonderheiten wie ausgeklügelte Lüftungs- und Versorgungssysteme dargestellt.
2.812.000 Liter Benzin für 30 Tage
So fassten die insgesamt acht Tanklager exakt 2.812.000 Liter Benzin – eine Menge, die im „Ernstfall“ für einen autarken Betrieb von 30 Tagen ausgereicht hätte. Auch anschauliche Skizzen und Landkarten die den Bunker und seine Umgebung begreifbar machen, werden im Film gezeigt. Das Salz in der Suppe sind jedoch fraglos die rund 150 Bilder- und Animationsbilder – vom Blick in den zeitgenössischen Zahnarztbehandlungsraum der 1960er Jahre inklusive entsprechenden „Werkzeugen“ bis hin zum WDR-TV-Studio, das seinerzeit noch mit riesigen Analog-Geräten zurechtkommen musste. Apropos TV: Die Kommunikation des Regierungsbunkers wurde durch zwei weitere, externe Bunker gewährleistet. Zum einen durch den Postbunker in Staffel bei Kesseling, zum anderen durch die abgesetzte Funkstelle in Kirspenich, einem Stadtteil von Bad Münstereifel unweit von Euskirchen. Die sich zwischen Ahrweiler und Marienthal/Dernau erstreckende Bunkeranlage hatte gigantische Ausmaße: Fünf autarke Tunnelwerke, die im „Ernstfall“ hätten voneinander abgekoppelt werden können, insgesamt 19 Kilometer Stollenlänge und 367.000 Kubikmeter umbauter Raum. Rund 200 Mitarbeiter gewährleisteten den Betrieb und waren zur strengsten Geheimhaltung verpflichtet. Anlage, Einrichtungen und Mobiliar wurden für den „Ernstfall“ in Stand gehalten bis man 1997 die Aufgabe des Bunkers beschloss. Ein Jahr später, am 4. Dezember 1998 folgte die Entscheidung, den Bunker komplett zurückzubauen. Ein Vorhaben, das zwischen 2001 und 2006 in die Tat umgesetzt wurde.
Virtuelle 3D-Variante des Bunkers entstand am PC
2008 feierte die heutige Dokumentationsstätte Regierungsbunker ihre Einweihung. Mehr als 200 Arbeitsstunden investierte Andreas Schmickler in die Fertigung des Films, der wegen der ganz speziellen Begebenheiten im Museum ganz bewusst ohne Ton und Kommentar erstellt wurde. So musste Schmickler den Bunker und dessen Umgebung in detailgetreuer Originalgröße am Computer in 3D nach Plan virtuell im Originalzustand wiedererschaffen. Die Pläne hierzu lieferte das Landesvermessungsamt. Dabei ist der Film so gestaltet, dass er für alle Altersklassen interessant und informativ ist. Das Besondere: Der aufmerksame Beobachter findet manchen Hinweis auf heute noch im Gelände vorhandene „Reste“ und „Erhebungen“ des Bunkers, beispielsweise von früheren Belüftungsanlagen. Somit bietet der Film nicht nur Information und Unterhaltung, sondern auch noch eine „Einladung“ beim Wandern oder „Urban Exploring“ die Hinterlassenschaften des Mammutprojektes im Ahrtal zu entdecken.
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