Ella Anschein überzeugte im Rheinbacher „Viel Platz für Kultur“

Mehr als nur Anschein

Mehr als nur Anschein

Ella Anschein bei ihrem ersten Solo-Programm im VP. Foto: Gerd Engel

30.01.2019 - 15:27

Rheinbach. „Vom großen Entzücken, wenn einer sich auszieht“, hatte Nordrhein-Westfalens U20-Poetry-Slam Meisterin von 2017 den Abend überschrieben, nach einer Zeile in einem ihrer großartigen Texte. Um es vorwegzunehmen: Die Kleider blieben, anders als bei der szenischen Lesung „Der alte Mann und das Mädchen“ an gleichem Ort vierzehn Tage zuvor, an.


Die Vorschusslorbeeren für die jüngst mit dem Leverkusener Kleinkunstpreis bedachten Ella Anschein waren nur zu berechtigt. Die Texte der Siegburger Schauspielschülerin sind inhaltlich breit gestreut und stilistisch so vielfältig, dass bei diesem Poetry-Slam gegen sich selbst zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkam.

Aus einer Reisebeschreibung über eine französische Kleinstadt wurde nach und nach ein flammendes Plädoyer für Europa. Ein wütendes Essay über ein Lied von Max Giesinger nutzte Anschein für ein brillantes emanzipatorisches Statement. Und bei dem herrlichen Text über die Notwendigkeit des Mauerlaufens von Kindern („Mauerlaufen sollte von Ärzten verschrieben werden.“) verband sich Humor mit Nachdenklichkeit. Überhaupt scheint dies eine Besonderheit der Nachwuchskünstlerin zu sein. Selbst wenn sie sich und dem aufmerksam lauschenden Publikum einmal Klamauk gönnt, wie bei dem rasanten Mitsprechtext „Gangster-Rap-Oma“ schimmert immer ihre Klugheit und ein ungewöhnliches politisches Bewusstsein durch.

Der fein komponierte Abend verlangte den Zuhörern volle Konzentration ab und belohnte sie mit inspirierender Unterhaltung auf höchstem Niveau. Es hat mehr als nur den Anschein, dass da eine bemerkenswerte Bühnenkünstlerin heranreift. Ella Anschein hat etwas zu sagen. Und wie sie es sagt, ist höchst kunstvoll. Manch müder Kabarettist könnte sich an Ella Anscheins pointierter Schärfe und ihrer brillanten Rhetorik sein Messer wetzen.

Klare Kante zeigt die umtriebige Kulturnetzwerkerin auch bei ihrer Aussage zur Zukunft der ehemaligen Pallotti-Aula: „Die Rheinbacher wären mit dem Klammerbeutel gepudert, diesen wunderbaren Ort nicht für Kultur und Bildung zu erhalten. Wo bleibt der Aufschrei, wenn hier über einen Abriss auch nur nachgedacht wird?“

Dieser Aussage ist nichts hinzuzufügen. Ralf Eschweiler vom Freundeskreis Pallottistraße 1 und Steffi Scherer von Rheinbach Liest, die beide den jungen Verein „Rheinreden e.V.“ bei der Durchführung der Veranstaltung unterstützt hatten, zeigten sich hoch zufrieden: „VPK – Viel Platz für Kultur!“

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Weitere Berichte

Neue Bedingungen für Coronatests

Kostenlose Bürgertests nur noch für vulnerable Gruppen

Rheinland-Pfalz. Rheinland-Pfalz wird auch über den 30. Juni hinaus im Land die Möglichkeit für Bürgertests zur Verfügung stellen. Allerdings unter veränderten Bedingungen. So werden nach der neuen Coronavirus-Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums die kostenlosen Bürgertests künftig nur noch bestimmten Personengruppen angeboten. Dazu gehören etwa Kinder bis fünf Jahren, Schwangere im ersten... mehr...

Junge Männer vor Polizeikontrolle geflüchtet

Antweiler: Kilometerlange Verfolgungsjagd endet mit Festnahme

Antweiler. In der Nacht zum Samstag, 2. Juli, wollten Polizeibeamte der Polizeiinspektion Adenau einen Pkw in Antweiler anhalten, um diesen zu kontrollieren. Der Pkw flüchtete vor dem Streifenwagen und musste auf den Landstraßen mit sehr hohen Geschwindigkeiten verfolgt werden. Der Fahrer hielt bei seiner Flucht einmal an, fuhr dann aber mit hoher Geschwindigkeit erneut weg, als die Beamten die Kontrolle beginnen wollten. mehr...

Aufmerksame Spaziergängerin informiert Polizei

Bad Hönningen: Verdächtige Geräusche in der Kristall Rheinpark-Therme

Bad Hönningen. In der Nacht von Donnerstag, 30. Juni auf Freitag, 1. Juli nahm eine 41-jährige Frau bei einem Spaziergang am Rhein verdächtige Geräusche war. Diese kamen offensichtlich aus den Räumen einer angrenzenden Therme. In ihrem Anruf schilderte die Frau, dass es sich bei den Geräuschen mit großer Wahrscheinlichkeit um eine eingeschaltete „Flex“ handelt. Beamte der Polizeiinspektion Linz begaben sich unmittelbar zum vermeintlichen Einsatzort. mehr...

 
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
LESETIPPS
GelesenNeueste
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

 

Firma eintragen und Reichweite erhöhen!
Kommentare

Zu Besuch in der Frankensiedlung

Mathias Heeb:
Ja, es waren schöne Stunden mit den Kindern der Klasse, manche haben gefragt, ob sie nicht 3 Tage hier bleiben könnten. Was hätte man alles für Möglichkeiten mit diesem Projekt, immer noch und wird auch so bleiben absolutes Unverständnis über die Entscheidung des Gemeinderates der Grafschaft aufgrund...
Mathias Heeb, Grüner Fraktionsvorsitzender:
Von meiner Seite konnte ich mit Johannes Jung aus dem „rebellischen Dorf Eckendorf“ immer gut auskommen. Hoffe für ihn, dass er etwas andere Wege findet für die CDU Grafschaft, ihm alles Gute für die Zukunft, so fair sollte man sein....
K. Schmidt:
"So sei eine Seilbahn vom Tal aus zur Saffenburg, zur Burg Are oder zum Krausbergkopf bei Dernau zur touristischen Erschließung durchaus vorstellbar,..." - Bis vor 10 oder 11 Jahren gab es in Altenahr noch eine Seilbahn, die wurde dann aufgegeben weil mangels Fahrgästen kein wirtschaftlicher Betrieb...
Service