Diethard Römheld wird als Pfarrer in Rheinbach eingeführt
„Menschen einen Anker bieten“
Rheinbach. Als Pfarrer arbeitet er schon seit 14 Jahren in Rheinbach. Ab Mai jedoch wird Diethard Römheld nicht mehr zur „Entlastung“ da sein, sondern offiziell die erste Pfarrstelle dort übernehmen. Er ist gewählter Nachfolger des langjährigen Pfarrers Eberhard Kenntner, der in den Ruhestand geht. Als bloße Vertretung hat sich Römheld jedoch nie gefühlt: „Ich habe mich immer als selbstständig arbeitenden Pfarrer erlebt.“ Und er freut sich, dass er nun eine volle Stelle hat. Altenheimseelsorge und Glaubenskurse waren und sind zwei seiner Schwerpunkte. Entwickelt hat Römheld Gottesdienst ausschließlich für demente Menschen.
Erinnern, Anschauen, Schmecken-Riechen-Fühlen sind die drei Bausteine darin. Beim Erinnern fragte er etwa nach Sprichwörtern oder einem Märchen. Jedes Mal bringt er etwas zum Schmecken, Riechen oder Anfassen mit. „Die Menschen sollen sich einmal in einer aktiven Rolle erleben. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl.“ Und indem er ihnen Ankerpunkte bietet, fühlen sie sich ernst genommen. Römheld selbst agiert quasi als Schauspieler in der Runde, sucht Augen- und Körperkontakt, etwa beim Segen. Das ist unterhaltsam und macht Spaß, sodass auch etliche kommen, die selbst nicht von Demenz betroffen sind. Als neues Projekt plant Römheld mit dem Rheinbacher Team „Unterricht“ für interessierte Eltern der Konfirmandinnen und Konfirmanden. Deren Themen will er erwachsenengerecht aufarbeiten und so auch diese Zielgruppe stärker erreichen. Aus der Zeit seines ersten “Berufslebens” als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Münster, wo er zwölf Jahre lang Altes Testament und nordwestsemitische Epigraphik unterrichtete, rührt seine großes Interesse für die alte Geschichte Israels. Was schreiben die Autoren der Bibel und was lässt sich archäologisch belegen? Was ist möglicherweise nur Fiktion? „Das bewegt mich und macht mir Spaß.“ Jeden Predigttext unterzieht er einer ausführlichen Exegese. Für die Auslegung im Gottesdienst steht jedoch vor allem im Vordergrund, was passiert, wenn er den Text liest. Welche Fragen oder Ärger tauchen auf, wo werden eigene Handlungen hinterfragt? Rezeptionsästhetik heißt dieser Ansatz, der nach dem Echo im eigenen Leben fragt. Diethard Römheld (56) ist mit der Direktorin der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen, Pfarrerin Anke Kreutz, verheiratet. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder, die gegenwärtig noch studieren. Aufgewachsen ist der promovierte Theologe als Sohn eines Pfarrers im Westerwald. Obwohl väter- wie mütterlicherseits viele Theologen zu seinen Vorfahren zählen, wollte Römheld lange zunächst nicht Pfarrer werden. Ein Studium der Theoretischen Physik wäre die Alternative gewesen. Doch schließlich entschied er sich für das Theologiestudium in Marburg und später Göttingen, um zu wissen, „wo ich stehe“.
Die Entscheidung war richtig, sagt er heute. Sehr gerne geht Diethard Römheld mit seiner Frau ins Bonner Theater - vorzugsweise modernes Regietheater und Tanztheater - oder liest leidenschaftlich und viel. Einen Fernseher vermisst er nicht. Um sich fit zu halten, absolviert er viele Wege in Rheinbach, wo er seit wenigen Monaten auch lebt, mit dem Fahrrad und besucht das Fitnessstudio. Als Pfarrer hat man ihn dort noch nicht identifiziert. In seiner früheren Sportstätte in Bad Godesberg war das anders. Dort hat er sogar einen mittrainierenden Sportler in die evangelische Kirche aufgenommen. Der Gottesdienst zur Einführung von Diethard Römheld beginnt am Sonntag, 26. April um 10 Uhr in der Gnadenkirche Rheinbach.
Gleichzeitig wird Eberhard Kenntner entpflichtet. Im Anschluss findet ein Empfang statt.
