Allgemeine Berichte | 26.04.2024

Ahrtal: Frostnächte beschädigen große Teile der Reblandschaft

Minusgrade überraschen Ahrwinzer und sorgen für Ernteausfälle

Ein aktuelles Foto aus der Lage Heimersheimer Landskrone zeigt, dass die Knospen durch den Frost erfroren und verkümmert sind.  Foto: Annemarie Haas

Ahrtal. Das Ahrtal, bekannt für seine malerischen Weinberge und exzellenten Spätburgunder, erlebte kürzlich, wie viele Teile Deutschlands, eine für die Winzer verheerende Wetterlage. „In den Nächten vom 21. April bis zum 23. April fielen die Temperaturen auf Tiefstwerte von minus zwei Grad, die für diese Jahreszeit extrem untypisch sind und einen erheblichen Schaden in den Weinbergen verursachten“, so Referentin Carolin Groß vom Ahrwein e.V. Die Winzer im Ahrtal seien in Alarmbereitschaft, da viele der jungen Triebe und Knospen durch die frostigen Bedingungen zerstört wurden.

„Aktuell ist das gesamte Ausmaß der Beschädigung für uns noch nicht allumfassend zu beurteilen“, führte Philip Nelles vom Weingut Nelles in Heimersheim an. „Teilweise sprechen wir beispielsweise in Parzellen des Neuenahrer Sonnenbergs von einem vollständigen Ernteausfall“.

Einige Weingüter sind in den Frostnächten aktiv geworden und haben durch Feuer zwischen den Rebzeilen versucht, die Temperatur im Weinberg über den kritischen Nullpunkt zu heben. Leider führte das nach Informationen der Winzer nur an wenigen Stellen zum gewünschten Schutz vor der Kälte, Großteile der Kulturlandschaft blieben weiterhin ungeschützt.

Peter Kriechel, Inhaber des gleichnamigen Weinguts in Ahrweiler ist verwundert über die atypische Verteilung der Schäden. „Während wir in den Steilhängen und in den unteren Tallagen kaum Schäden verzeichnen können, hat es die hochgelegenen, flacheren Lagen im Bereich Bachem, Walporzheim sowie Rech und Mayschoß besonders hart getroffen“, so seine Einschätzung.

Auch die Art der Rebsorte scheint eine Rolle in Bezug auf die Häufigkeit der Schäden zu haben. Adolf Schreiner vom Weingut Schreiner in Rech kann dies bestätigen. „Vor allem die Kernrebsorte des Ahrtales, der blaue Spätburgunder, zeigt sich eindeutig frostresistenter“, berichtet der Winzer, dessen Familienbetrieb bereits in vierter Generation tätig ist. „Ähnliches können wir beim Riesling beobachten, aber gerade die weißen Burgundersorten wie Weiß- und Grauburgunder wurden schwer getroffen und haben viele Triebe und Knospen einbüßen müssen“, so Schreiner.

Das milde Wetter, welches ab dem kommenden Wochenende prognostiziert ist, wird zeigen, ob alle Triebe verloren sind oder es weitere so genannte „Augen“ am Stock schaffen, Triebe und später Trauben auszubilden. Dennoch ist laut Carolin Groß bereits jetzt klar, dass die Ernte im Jahr 2024 wesentlich geringer ausfallen wird als in den üppigen Jahrgängen 2022 und 2023. „Unsere Winzer im Ahrtal bleiben jedoch optimistisch, dass ihre Leidenschaft und ihr Engagement letztendlich über die jüngsten Frostschäden triumphieren werden. In einer Zeit, in der der Klimawandel eine immer größere Bedrohung für die Landwirtschaft darstellt, werden sie weiterhin daran arbeiten, resilientere und nachhaltigere Praktiken zu entwickeln, um die Zukunft des Weinbaus im Ahrtal zu sichern“, sagte Groß.

Ein aktuelles Foto aus der Lage Heimersheimer Landskrone zeigt, dass die Knospen durch den Frost erfroren und verkümmert sind. Foto: Annemarie Haas

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