Bachem lässt es richtig krachen
Mit Halleluja und der Tupperdos in die Narrenzeit
Bachem. Wer noch nicht vom Karnevalsvirus angesteckt war und am 6. Januar zufällig in den Bachemer Saal geraten ist, war hochgradig gefährdet! Wie eine Epidemie brach aus, was sich am frühen Morgen mit Muskelkater in der Bauchregion zeigte. Bis auf den letzten Platz und darüber hinaus war der Saal besetzt. „Giesbert“ am E-Piano legte förmlich los und der Elferrat plus Vorsitzender Petra Münch, Senatspräsidenten Alice und Andreas Doll, Kinderprinzessin Lara Fössel nebst Adju Nele Faulstich, Ehrenmitglied Wolfgang Heinen und dem internen Vorstand zog ein und bevölkerte die Bühne. Schon zugleich kam der erste große Lacher bei der Vorstellung des neuen, viereckigen Ordens durch die Moderatorin Theresa Ulrich. Die drei großen Weinbergslagen in Form der Hügeln, in denen unter anderem der gute Bachemer Frühburgunder wächst, sind im oberen Teil abgebildet, während ein großer Weinstock mit dicken Trauben in der Mitte Platz findet. Zudem fehlen das Bachemer Wappen und die Narrenkappe und die Jahreszahl nicht. Das Motto steht auf dem unteren Banner und heißt in diesem Jahr: Karlskopp, Steinkaul, Sonnescheng bringen ons de beste „Weng“. Sollte es jedenfalls heißen, doch der Fehlerteufel hatte „Wing“ draus gemacht - und laut Theresa Ulrich steigert das den Wert der Auszeichnung. Eine sehr gute Ansicht! Es freuten sich auch schon gleich die oben genannten samt Vorstand darüber, die nach der Verleihung die Bühne wieder verlassen durften, um den Großen Funken der KG Rot Weiß Bachem Platz zu machen. War das ein herrliches Bild, die Rot-Weißen mit viel Glitzer über die Bühne wirbeln zu sehen. Trainiert wurden die jungen Damen von Theresa Ulrich und Kim Dahlmeier. Orden für die unermüdlichen Trainerinnen und Anstecker für die Tänzerinnen sind ein würdiger Dank. Nun wurde mal begrüßt: der Bürgermeister Orthen war zugegen, Ortsvorsteher Schikowski, Weinkönigin Kim Dahlmeier, Prinzen mit Gefolge der Karnevalsvereine aus dem näheren Umkreis, Vertreter der anderen Vereine, sowie die gern gesehenen Gäste von Kreissparkasse und Volksbank, die sich mit je einem dicken Schein für die Einladung bedankten.
Moderatorin Theresa Ulrich wirbelte als Solomariechen über die Bühne
Ein Tausendsassa ist diese Theresa Ulrich; denn verteilte sie eben noch Orden, machte für kurze Zeit die Ansage, ist als Trainerin geehrt worden, und springt und wirbelt nun als Solomariechen schwungvoll über die Bühne. Sie zeigt schwierige Elemente mit einer scheinbaren Leichtigkeit. Ein wahrer Augenschmaus. Das sind die Macher, die unsere Traditionen für die nächste Generation aufrecht halten!
Wer ist Woody Feldmann? Mann oder Frau? Ach egal; denn was da im schwarzen Anzug auf der Bühne erschien war ein Energiebündel, ein „Schwaadlappen“ der Extraklasse! Klein von Statur, aber groß in Stimme und Präsenz! Der Bürgermeister wurde gleich mal drauf aufmerksam gemacht, dass man ihn im Navi finden würde. Man brauche ihn nur zu orten. Ab da hatte die „kleine“ Größe aus dem Mainzer Karneval nur noch Fans im Saal. Egal, ob sie den Spiegel vorgehalten bekamen, wie sie sich auf dem Heimweg nach dieser Veranstaltung benehmen, oder ob sie zum Mitsingen animiert wurden. Die Texte waren schaurig schön und hafteten bis zum Tag drauf in den Ohren. Wer kommt schon auf die Idee, nach einer Melodie von ABBA ein Loblied auf die Tupperdoos zu singen und hat auch noch die Herren im Saal feste im Griff, die zum Refrain die Arme hoch reißen mussten. Auch das Halleluja bekam einen neuen Text, der mit den Worten endete: Wir lassen es heute krachen; denn ich bin hier in Bachem. Klar, dass dies ein schwerer Abschied von der Bühne wurde. Doch nach einer Zugabe ließen die Gäste sie mit Bauchweh vom Lachen ziehen. Woody, komm im nächsten Jahr wieder, war der einheitliche Wunsch!
Der Allemanntanz der KG Rot Weiß ist etwas, was man nicht so häufig zu sehen bekommt. Solomariechen, Tanz Duo und die Großen Funken sind auf der Bühne vereint zu einem gemeinsamen Tanz, der einer akrobatischen Aufführung gleicht. Da muss man erst mal tief Luft holen! Das konnte man dann auch in der Pause, nachdem das Panikorchester aus Remagen mit einem gewaltigen Tschingderassassa Bumm die Karnevalshits von der Bühne geschmettert hatte.
Mit einen Tanz wurde die zweite Halbzeit begonnen
Zur zweiten Halbzeit kündigte Sitzungspräsidentin Theresa Ulrich wieder einen Tanz an. Dieses Mal präsentierte das Tanz Duo Amelie Doll und Laura Assenmacher, was sie übers Jahr einstudiert hatten. Auch da war großes Können zu sehen. Die Meminas, so heißt die Garde- und Showtanzgruppe der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Westum 1935 e.V., die als zahme Löwen nach Bachem gekommen waren. Sie entführten mit ihrer Darbietung auf eine spektakuläre Safari. Die Stimmung im Saal war ungebrochen und wurde noch größer, als die Breiköpp angekündigt wurden. Ein grandioser Schlagabtausch lieferten sich Kurth Gerhartz mit seinen Töchtern. So manches wurde aus dem Nähkästchen offengelegt. Den große Einblick bekam man bei der Schilderung über eine Kreuzfahrt, die Pia Gerhartz mit ihrer Mutter gemacht hatte, wie sie vor gab. Aber die Spitze war, als ihre Schwester Vera nach dem Unterschied zwischen Bachem und Bad Neuenahr fragte. Die Antwort war: Bad Neuenahr hat die nettesten Nachbarn! Da tobte der Saal! Auch die Drei durften nicht ohne Zugabe von der Bühne. Die Sitzungspräsidentin hätte nach diesem Vortrag gerne mal die Mutter kennengelernt und gab als Trost für sie ein Sektchen mit.
Männer ließen Muskeln spielen
Nun war der Tanz des Funkenkorps an der Reihe und wieder wirbelte es rot-weiß über die Bühne! Nicht ganz so graziös bewegte sich das Männerballett aus Gelsdorf. Wie denn auch? Neun gestandene Männer in Ballermann Outfit und bei Ballermannmusik können sich noch so anstrengen! Sie lassen statt Grazie die Muskeln spielen! Das ist natürlich was, was den Damen im Saal gefällt! Die Herren lauschen dann doch lieber der Polizistin (Christiane Mausberg), die ungeniert ihre Kollegen durch den Kakao zog. Das macht den Berufsstand so menschlich!
Es gibt keine „Bachemer Merle“ mehr, was manche sehr bedauern. Aber es ist was Neues entstanden: der Gemeinschaftstanz der KG Bachem. Ein Zusammenschluss aus den übriggebliebenen Merle und des Funkencorps der KG. Eine wunderbare Truppe, die sich da gebildet hat und von Katrin Hennemann betreut und trainiert wird. Mit Peter Pan und Piraten ging es „Hand in Hand ins Nimmerland“ mit vielen Überraschungen und Hebefiguren. Als Abschluss bildeten die 16 jungen Damen und 3 kräftigen Männer eine Pyramide und schwenkten siegessicher die Piratenfahne. Das Publikum hatten sie für sich gewonnen! Wäre schön, wenn die Truppe erhalten bliebe.
Damit war die Sitzung beinahe zu Ende. Dass kein neuer Prinz vorhanden war, ist gar nicht groß aufgefallen; denn das Programm war so gut zusammen gestellt, dass es an nichts gefehlt hat!
Die „Schäl Pänz“ rockten die Bühne
Darum noch ein Highlight zum Schluss: Die „Schäl Pänz“ bauten ihre Instrumente auf der Bühne auf und strapazierten sie bis zum Äußersten! Schon im Vorjahr hatten sie den Saal zum Kochen gebracht und in diesem Jahr kochte er über! Wer bis dahin noch eine Stimme hatte, der sang sämtliche Karnevalsschlager von Beginn an mit. Es hielt niemand mehr auf den Stühlen! In den Gängen wurde getanzt, was die Bretter hielten! So einfach aufhören ging nicht! Immer wieder mussten die Männer um den Sänger Björn Leek eine Zugabe geben und die Stimmung schien zu steigen. Die Sitzungspräsidentin hatte alle Mühe, die Gäste zu einem Abschluss zu bewegen. Letzten Endes zog der Elferrat einfach aus und überließ dem Publikum, wann Ende war. Doch auch die Musiker kamen nach einer Weile an ihre Grenzen und so fand eine tolle, großartige Veranstaltung doch noch einen Abschluss!
