Allgemeine Berichte | 11.05.2017

Heimatgeschichte: Steinmetz Joes Schmitz sprengte 1814 als erster mit Pulver das harte Gestein

Mit Pulver der Basaltlava „zu Leibe gerückt“

In einem Kottenheimer Steinbruch: Arbeiter bereiten das Sprengen vor.  Archiv Franz G. Bell

Mayen/Region. Von entdeckten und erhaltenen Abbauspuren im Basaltlavagebiet der vorderen Eifel wissen wir, wie mühselig das Herauslösen des harten Gesteins aus einer sogenannten Schiene - einer Säulenwand - gewesen sein muss. Die ersten vor einigen tausend Jahren nahe an der Oberfläche liegenden und von Wissenschaftlern nachgewiesenen Abbaustellen lagen auf dem Kottenheimer Winnfeld. Mit den damaligen Werkzeugen gelang es den Menschen noch nicht, systematisch den Abbau nach unten im vorhandenen Stein fortzusetzen. Teilweise wurde Feuer und Wasser zum Reißen des Gesteins eingesetzt; sozusagen eine Art „Schocksprengung“.

Die harte Knochenarbeit verrichteten die Layer, jene Männer in den Wänden, die oft nur über Leitern mit fast artistischem Steigen ihren Arbeitsplatz am Stein erreichten. In den verschiedenen Abbaugebieten soll es hinsichtlich der Schwierigkeit, mit der die Basaltlava vor Ort aus den Wänden zu lösen war, nennenswerte Unterschiede gegeben haben. Jene Arbeit sei auf dem Winnfeld angeblich einfacher als auf dem Mayener Feld gewesen. Ein ehemaliger Layenarbeiter formulierte dazu scherzhaft: „Doo konnt me de Stän mert em Koarscht lüse“. Von der gefahrvollen Arbeit und dem Geschick des Layers hing es weitgehend ab, wieviel und welch qualitatives Material hinsichtlich Größe und Stärke den Steinmetzen zur weiteren maßgerechten Bearbeitung zur Verfügung stand.

Kottenheimer Bürger betrieben die Steingruben

Anfang des 19. Jahrhunderts betrieben überwiegend Kottenheimer Bürger die circa 20 existierenden Steingruben im sogenannten Mayener Feld, wie Peter Hörter in einem Vortrag des Geschichts- und Altertumsvereins 1918 in Mayen zu berichten wusste. Es waren vermutlich überwiegend Landwirte, die neben ihrer Feldarbeit auch die Gruben bewirtschafteten. Zum einen hatten sie den Vorteil, Zugtiere für das Hochwinden der Steinlasten an den Göpelwerken zu besitzen und einzusetzen. Des Weiteren konnten sie mit den eigenen Fuhrwerken auch die bearbeiteten Steine - meist Mühlsteine - über den damals noch beschwerlichen, unbefestigten Weg nach Andernach zum Rheinkranen transportieren. Dazu beschäftigten sie meist angeheuerte Fuhrknechte.

Einer dieser Grubenbesitzer und vermutlich zudem auch Landwirt war der Kottenheimer Steinhauermeister Joes Schmitz, geboren 1764. Doch, wer war dieser Joes Kastor Schmitz? 1789 heiratete er eine Maria geb. Diederichs, mit der er sechs Kinder hatte. Nachdem seine Frau 1804 verstorben war, heiratete er im gleichen Jahr eine Maria geb. Herschbach; dieses Paar hatte weitere fünf Kinder.

Von 1798 bis 1815 gehörte das linke Rheinufer zu Frankreich als Département Rhin-et-Moselle. 1802 wurden die linksrheinischen Départements den französischen gleichgestellt, sodass in den besetzten Regionen die deutschstämmigen Männer auch als französische Soldaten rekrutiert wurden. Einige Jahre später (1808/1809) wurde auch Schmitz als relativ alter Soldat mit der napoleonischen Armee im Krieg gegen Spanien eingesetzt.

Erste Pulversprengung in der vorderen Eifel

Unversehrt in die Heimat zurückgekehrt, setzte Joes Schmitz 1814 erstmals in seinem Steinbruch auf dem Mayener Grubenfeld - dies war absolut neu in der gesamten heimischen Basaltlavaregion - Pulver ein, um entsprechend große Steinstücke aus der Wand lösen zu können. „Im Krieg in Spanien lernte er die Sprengkraft von Pulver kennen und handhaben“, wie es dazu in der Ausstellung „Terra vulcanica“ in Mayen zum Ersteinsatz von Pulver durch Schmitz zu lesen ist. „Beim Loslassen des ersten Schusses büßte er fast sein Leben ein. Er steckte in ein gebohrtes Loch eine Patrone, und ein mit geklopftem Pulver gefüllter Strohhalm ersetzte die Zündschnur“, berichtete Peter Hörter in seinem schon erwähnten Vortrag 1918. Joes Kastor Schmitz ist ein Jahr später am 6. Mai 1815 verstorben.

Festzuhalten bleibt, dass mit der Pionierarbeit des Joes Schmitz vor 200 Jahren - Sprengen der Basaltlava mit Pulver - die Arbeiten auf den heimischen Brüchen für die Layer etwas leichter, aber keinesfalls gefahrloser wurden. Erfahrene Layer, so der Steinmetz Heinrich Sauerborn in einem 1959 veröffentlichten Artikel, setzten bei ihrer Arbeit lediglich Pulver ein, wenn sie entsprechend große Basaltlavasteine, wie etwa solche zur Anfertigung von Mühlsteinen, aus den Wänden lösen wollten. Das um 1850 entwickelte Dynamit war mit seiner viel größeren Sprengkraft dazu weniger geeignet. Aber auch mit den in der Wirkung minderen Pulversprengungen kam es immer wieder zu schweren Unfällen, wie überhaupt Unfälle mit den unterschiedlichsten Ursachen in den Gruben fast ständig vorkamen.

So um 1960 herum verunglückte beispielsweise noch ein Ettringer Arbeiter auf dem Kottenheimer Winnfeld beim Sprengen tödlich, als ihn ein Stein am Kopf traf. Obwohl mit entsprechend langer Zündschnur ausgelegt und dem Einnehmen einer Deckung hinter einem kleinen Wall, nahm der Betroffene wohl an, dass sich alle Schüsse gelöst hätten, hob den Kopf und im gleichen Augenblick erfolgte die letzte Detonation mit der erwähnten Folge.

Franz G. Bell

In einem Kottenheimer Steinbruch: Arbeiter bereiten das Sprengen vor. Foto: Archiv Franz G. Bell

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