Vortrag im Odendorfer Zehnthaus
Mit Schlössern und Magie gegen Einbrüche
Swisttal-Odendorf. Über Kriminalität im Römischen Reich referierte Dr. Carsten Wenzel aus Frankfurt auf Einladung des Vereins Zehnthaus Swisttal-Odendorf/Essig vor einem interessierten Publikum. Er war seinerzeit an der gleichnamigen Ausstellung in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle beteiligt. Voran stellte Wenzel die Frage, ob die damalige Zeit eine „Welt voller Verbrechen“ gewesen sei. Schließlich kannten die Römer keine Staatsanwaltschaft im heutigen Sinne, auch keine Polizei, die in der Verbrechensbekämpfung tätig wurde. Da könnte vermutet werden, dass die Menschen damals in unsicheren Zeiten lebten. Zwar ging es nicht ohne Kriminalität ab. Aber das Römische Reich sei nach Wenzel wegen des Verbots, Waffen zu tragen, grundsätzlich ein vergleichsweise sicherer und stabiler Staat gewesen.
Wenzel verglich die damaligen Straftaten und ihre Bekämpfung mit dem heutigen System. Am Beispiel der römischen Kleinstadt Nida im obergermanischen Limeshinterland machte er deutlich, dass schon die Bebauung einigen Schutz bot. Die nach hinten geschlossenen „Streifenhäuser“ (Reihenhäuser) ermöglichten den Einbrechern nur den Zugang durch die Vorderfront.
Diese wurden durch Schlösser gesichert, aber auch durch Magie, denn Schlösser und Schlüssel trugen magische Hunde- oder Löwenköpfe, Medusenbildnisse und andere Unheil abweisende Darstellungen. Auch damals gab es Fälscher, Zocker und Falschspieler. Raubüberfälle und Mord sind ebenfalls dokumentiert. Aber eine Strafverfolgung gab es nur auf Antrag an den Centurio, den Militärkommandanten mit Polizeigewalt. Zuvor allerdings mussten der Geschädigte oder seine Angehörigen selbst gegen den Täter ermitteln und die Beweise dem Antrag an den Centurio beifügen. Haft als Strafe war unbekannt. Dafür gab es aber unter anderem Geldstrafen, Strafarbeit im Bergwerk und in schweren Fällen die Kreuzigung, Tötung durch Tiere, Enthauptung oder den Tod in Gladiatorenkämpfen. Pressemitteilung
Verein Zehnthaus e. V.
