Allgemeine Berichte | 01.12.2020, 09:43 Uhr

Der Bad Bodendorfer Walter Büscher macht seinen Weihnachtsbaumverkauf pandemiesicher

Mit Sorgfalt und Humor gegen Corona

Sicherheit geht vor: Mit seinem Einsatzplan „Corona 2020“ ist Walter Büscher gegen die Pandemie gewappnet.Fotos: ROB
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Bad Bodendorf. Wenn es Advent in Bad Bodendorf wird, ist das kleine Grundstück von Walter Büscher ein beliebter Anlaufpunkt. Dort oben nahe dem Schützenplatz flattert ein aufblasbarer Schneemann im Wind und das Holz knackt und knarzt brennend in der Feuerschale. Dazu gibt’s Glühwein für umsonst, selbst gemacht natürlich, und auch die Bratwurst vom Schwenkgrill wird kostenlos an Hungrige abgegeben. Das kommt gut an, denn der Ausblick über Landschaft und Dorfkirche ist einmalig hier und erlaubt einen Blick auf das, was Einheimische gerne das „Tor zum Ahrtal“ nennen. Büscher hat im Sebastianusweg einen kleinen Ruhepol geschaffen, der gerne angenommen wird. Und: Der 68-jährige und rüstige Senior verkauft hier seine Nordmanntannen, die er auf dem Reisberg zieht und bald festlich geschmückt die lokalen Wohnzimmer zieren sollen.

Ein Hobby, dass die Geselligkeit förden sollt

Für Büscher ist die Geselligkeit hier in seinem Domizil das Wichtigste. Lukrativ ist sein Geschäft nicht, gerade nicht nach der Trockenheit der letzten drei Jahre, bei dem rund 3000 seiner Tannenpflänzchen kläglich eingingen „Hängen bleibt hier nix, für mich ist das ein Hobby“, sagt Büscher. „Aber ein sehr, sehr schönes!“

Die Tannen bietet er hier seit 20 Jahren an. Und eigentlich wäre dieses kleine, runde Jubiläum der ideale Zeitpunkt sein kleines Unternehmen an Sohn Joseph zu übergeben. Der 32-jährige aus Bad Bodendorf ist sich nämlich sehr darüber bewusst, dass sein Vater hier etwas Besonderes geschaffen hat und unterstützt ihn seit Jahren. Logisch, dass man den Generationenwechsel auch etwas Feiern wollte. Doch daraus wurde nicht. Schließlich kam Corona und das trifft alle, wie Büscher weiß. Eine Absage war jedoch niemals Thema. Und so stellte Büscher einen „Einsatzplan Corona 2020“ auf. Damit hat er Erfahrung - schließlich kümmerte er sich in seinem Berufsleben als Angestellter der Kreisverwaltung um genau solche Ablaufpläne, wie zum Beispiel für Veranstaltungen wie Rock am Ring. Nun übertrug Büscher das Know-How auf seine grüne Wiese oberhalb des Dorfes. Mit Akribie und Sorgfalt wurde ein Sicherheitsplan ausgearbeitet, der keine Fragen offen lässt.

Coronabekämpfungsverordnung Marke Eigenbau

Zunächst gilt es, am Eingang die Glocke zu bimmeln, anschließend ist – wie es sich gehört – eine Desinfektion der Hände absolut notwendig. Folgen die Besucher nun dem ausgeschilderten Rundgang, der im Uhrzeigersinn zu absolvieren ist, gelangt man in den Wartebereich, in dem das Lagerfeuer wartet, an dem sich gewärmt werden darf. „Natürlich muss hier der Mindestabstand eingehalten werden“, so Büscher. Der beträgt hier oben in der Welt der Tannenbäume zwei Meter und fällt somit etwas strikter als aus als im öffentlichen Bereich, denn „Sicher ist sicher!“. Davon ist Büscher felsenfest überzeugt. Im „Bearbeitungsbereich“ werden die Bäume schließlich in ihr Netz verfrachtet. In diesem Areal ist nur eine Familie zugelassen und „Abstand halten“ lautet auch hier die Devise. Natürlich ist auch das Tragen einer Maske überall verpflichtend.

Schweren Herzens muss dieses Jahr Walter Büscher seine beliebte Hütte schließen. Dort warten in normalen Jahren Tassen mit Glühwein oder Kaffee, eine kleines Elektro-Öfchen und beschauliche Weihnachtsmusik vom Band. Jeder konnte sich hier umsonst bedienen, das war immer das Kredo des sicherheitsbewussten Weihnachtsbaumverkäufers. Aber: Daraus wird dieses Mal nichts. Büscher ist die Vorstellung nicht geheuer, dass ungespülte Tassen, aus denen soeben getrunken wurde, herumstehen. „Ich kann die Tassen nicht bei 60 Grad spülen, wie es vorgegeben wäre“, sagt er. „Was daran liegt, dass wir hier oben überhaupt keine Spülmaschine haben.“ Büscher lacht bei diesem Satz herzlich, denn er nimmt die Herausforderungen mit Ehrgeiz an, aber eben auch mit Humor. „Ich bin mir ganz sicher: Wenn wir uns alle an die Regeln halten, können alle eine schöne Weihnachtszeit verbringen“, legt er nach. Dazu gehört jedoch auch der Verzicht auf den beliebten Gühwein und die heißen Würstchen vom Grill.

Ordnungsamt nickte den Plan ab

Auf das Ordnungsamt der Stadt Sinzig machte der Enthusiasmus und die sorgfältige Ausarbeitung des Corona-Plans Eindruck: Ohne Bedenken nickten die Beamten das Vorhaben ab. Nun , am zweiten Adventswochenende, öffnet Walter Büscher sein Grundstück für seine Gäste an jedem Wochenende bis Weihnachten jeweils von freitags bis sonntags

Und wem es dort oben gefällt, kann sich erkenntlich zeigen – kaufen muss man nichts. Stattdessen freut sich Walter Büscher über eine kleine Spende für die Enkelchen, die man in der eigens aufgestellten Spendenbüchse abgeben kann. ROB

Gemeinsam mit Sohn Joseph (l.) sorgte sich Walter Büscher dieses Jahr mehr um die Gesundheit als um das leibliche Wohl seiner Gäste.

Gemeinsam mit Sohn Joseph (l.) sorgte sich Walter Büscher dieses Jahr mehr um die Gesundheit als um das leibliche Wohl seiner Gäste.

Sicherheit geht vor: Mit seinem Einsatzplan „Corona 2020“ ist Walter Büscher gegen die Pandemie gewappnet. Fotos: ROB

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