Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ Bad Neuenahr
Mit der Geschichte leben
Bad Neuenahr. Über 80 Interessierte jeden Alters, sieben „Homestories“, ein prominenter Referent und die vorrangige Erkenntnis: Geschichte schafft Identität. Sehschule der Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ bestens besucht und neue Aktivitäten in Planung. Eines vorab: die Sehschulen der Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ sind keine rückwärtsgewandten Gästeführungen, in denen allein Historie und Histörchen zu Gehör gebracht werden. Bei jedem Blick in die Geschichte geht es auch um konstruktive Auseinandersetzung und um Erkenntnisse für Stadtgestaltung heute. Das erfuhren die über 80 Interessierten der Sehschule „Johannisberger Villen“, die vor der Exkursion mit dem Hauptreferenten des Abends, Dr. Martin Bredenbeck, im überfüllten Saal des Hotels „Giffels Goldener Anker“ ein kunsthistorisches „Kurzstudium“ absolvierten: „Wenn wir gleich losziehen“, so Bredenbeck, „müssen wir den Historismus verstehen.“ Er gab prägnante Einblicke in diese Epoche (1830-1914), in der das Gros der historischen Neuenahrer Bausubstanz entstand. „Baustile muss man lesen“, so der Geschäftsführer des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, „man kann den Zeitgeist, das Denken, die Weltsicht aus den Fassaden einer Epoche erkennen!“
Besichtigung von acht Anwesen
Die Besichtigungen von acht, sehr unterschiedlichen, aber allesamt hervorragend wiederhergestellten Anwesen in der Schweizer Straße und am Johannisberg schafften den Brückenschlag in unsere Zeit. Die Hausherren und Besitzer, zum Teil junge Paare und Familien, empfingen die riesige Truppe von Interessierten, bereitwillig über die oft vielfältige und mit Anekdoten angereicherte Geschichte ihrer Häuser zu informieren und viel mehr noch darzulegen, warum sie dort wohnen, worin das „Mehr“ an Qualität und Wohnkomfort besteht, und warum sie trotz des ein oder anderen Nachteils, keinesfalls tauschen wollen. Sie gaben Zeugnis über ihre Anstrengungen, die historischen Gebäude zu erhalten oder gar wiederherzustellen, über Hindernisse und Hürden, über kuriose Funde und vor allem darüber, wie sehr sie ihr Wirken bereichert.
Schlusspunkt bildete das Zwillingsensemble
Schlusspunkt bildete das Zwillingsensemble mit der Villa Anna (Am Johannisberg 23), die in den vergangenen Jahren ein fast identisches Gegenüber erhielt und ein hervorragendes Beispiel für korrespondierendes Bauen darstellt. Es zeigt, dass neue Häuser nicht als Paukenschlag daherkommen müssen, sondern, dass der Blick in die Nachbarschaft ein harmonisches und rundes Ganzes entstehen lässt – ein wichtiges Anliegen der Bürgerinitiative, die Neubauten in Geschichte und Region gut eingebettet wissen möchte.
Ankündigung neuer Aktivitäten
Über gelungene Beispiele sanierter Bauten aus Neuenahr und lokale Baukultur informieren zwei Ausstellungen der Bürgerinitiative „lebenswerte Stadt“ ab 11. September, Tag des offenen Denkmals, im Barocksaal des ehemaligen Hotels „Westend“, Hauptstraße, Bad Neuenahr. Sie wird über eine ganze Woche zu sehen sein und durch etliche Veranstaltungen angereichert werden. Fotos zur Sehschule und weitere Informationen: www.lebenswertestadt.jimdo.com.
