kfd Odendorf, Essig, Ludendorf
Mit der Geschichte verwoben
Jahresfahrt ins Großherzogtum Luxemburg
Odendorf, Essig, Ludendorf. Die katholische Frauengemeinschaft Odendorf-Essig-Ludendorf war unterwegs im Großherzogtum Luxemburg. Dort erwartete die 47 Frauen und Männer Romain Schaus, ein Experte der Stadt- und Festungsgeschichte. Nach einer Fahrt durch das moderne Europäische Viertel auf dem Kirchberg ging es zu den Befestigungsanlagen. Die Erzählungen waren gespickt mit Insiderwissen, die er archivierten preußischen Unterlagen entnommen hatte.
Welch eine Menschenpower überhaupt nötig war die Festungsanlagen zu bauen, zu unterhalten, aber auch zu stürmen, darüber wissen die Geschichtsbücher der Burgunder, Spanier, Franzosen, Österreicher, Niederländer und Preußen aus den verschiedenen Jahrhunderten zu berichten.
Auch die Hessen versuchten die Stadt im 19. Jahrhundert einmal einzunehmen. Um die Karnevalszeit schleusten sie Mittelsmänner in die Unterstadt, die dafür sorgten, dass die Soldaten und Offiziere genug Alkohol zu trinken hatten. Ein Schmied wurde bestochen, der ihnen die Schlüssel des äußeren Stadttores nachmachte. Der Trierer Feuerwehr stahlen sie zudem die Leitern und in tiefer Nacht, als sie glaubten alle wären nun im Rausch und schliefen öffneten sie mit dem Schlüssel das erste Stadttor, kletterten mit den Leitern über die zweite Mauer und waren fast am Ziel, wenn sie gewusst hätten, wie die nächtlichen Regeln der Wachsoldaten lauteten. Diese besagten, dass nachts kein Licht in den Häusern sein durfte. Wurde ein Kerzenschein entdeckt, durfte auf das Haus ohne Ankündigung ein Warnschuss abgegeben werden. So wussten alle anderen Wachsoldaten, dass ein Licht entdeckt wurde. Dies war auch in dieser Nacht so. Die Hessen aber dachten, als sie den Schuss hörten, sie seien entdeckt worden und brachen Hals über Kopf die Aktion ab. Erst durch die zurückgelassenen Leitern merkten die Soldaten am nächsten Morgen, nachdem sie ihren Rausch ausgeschlafen hatten, dass sie fast überfallen worden wären.
Luxemburg einst ein Spielball der Mächte hat sich seine heutige Unabhängigkeit schwer erkämpft und man hört den Nationalstolz der Lëtzebuerger auch heute noch, wenn sie sagen „Mir wëlle bleiwe wat mir sinn“, sie sind stolz auf ihre parlamentarische Monarchie, auf Großherzog Henri von Nassau-Weilburg, stolz auf ihr kleines, aber feines eine halbe Million Einwohner zählendes Großherzogtum. Im Chambre des Députés (Abgeordnetenkammer) schnupperte die Gruppe ein bisschen Abgeordnetenluft, als sie auf den Sesseln der Abgeordneten und Minister saßen und während der Führung Vergleiche zum deutschen Bundestag ziehen konnten. Das Parlamentsgebäude liegt mitten in der Innenstadt, bewacht von der Palastwache, die publikumswirksam auf und abmarschiert. Innen macht es einen sehr gediegenen und repräsentativen Eindruck, als sei man in einem Königspalast mit dicken Teppichen, alten Gemälden, antikem Mobiliar und Kronleuchtern.
Auf dem Rückweg holte die Gruppe die Geschichte der Prümer Abtei und der Basilika St. Salvator ein, die in der karolingischen Zeit zur Größe eines selbstständigen Fürstentums wuchs und nur der Gerichtsbarkeit des Königs unterstellt war. Rheinbach gehörte unter anderem auch dazu (Prümer Wall). Viele waren sich nicht bewusst, welche Macht von dieser Abtei ausging. Schließlich stellte sie vier Könige und Kaiser.
König Pippin, der Vater Karl des Großen schenkte 762 der Abtei eine der berühmtesten Reliquien seiner Zeit, die er selbst von Papst Zacharias erhalten hatte, die Reliquie der Sandalen Christi.
Erst 800 Jahre später verliert die Abtei ihre Eigenständigkeit. 1802 wurde sie unter Napoleon säkularisiert. Sämtliche Besitztümer wurden verteilt oder versteigert. Stolz sind die Prümer im Jahr 1950, als ihre Kirche, von der eine große Wallfahrtsbewegung ausgeht von Papst Pius XII den Titel „Basilika Minor“ erhält. Sie darf nun das Wappen des Papstes tragen und soll die Bedeutung der Kirche für das Umland hervorheben. Mit viel Humor und vielen Details entführte Monika Rolef, die selber ein kleines Buch über die Geschichte der Abtei geschrieben hat, die Teilnehmer in die Ereignisse und Geschicke der letzten Jahrhunderte. Obwohl schon spät am Abend hätten alle gerne noch eine Stunde mehr ihren Erzählungen gelauscht. Ein Ort, wo sicher der ein oder andere gerne noch einmal hinfahren wird.
Die kfd-Frauen stehen vor der Abgeordnetenkammer in Luxemburg. Foto: privat
