Dieter Klauke, ein begnadeter Konstrukteur und guter Rennfahrer
Mit einem GoKart über 200 km/h über die Betonschleife
Region. Er war ein genialer Konstrukteur und unter seiner Regie entstanden viele nützliche Dinge, die man im täglichen Leben braucht: eine 5 Gang-Nabenschaltung fürs Fahrrad, ein Motorrad mit Wankelmotor, eine Kettensäge, mit der man die riesigen „Mammut“-Bäume in Amerika sägen kann, einen Rückhaltegurt im Auto und vieles mehr. Dipl.-Ing. Dieter Klauke aus Schweinfurt stellte sich allen Aufgaben und war so nebenbei noch sauschnell mit einem GoKart auf dem Nürburgring unterwegs. Er war der Erste, der über 200 km/h mit einem solchen Mini-Rennwagen fuhr. Mit einem Wankel-Motorrad ließ er fahren, und fuhr auch selbst, Tag und Nacht, Runde für Runde, auf der Nordschleife, um gegenüber der Motorradpresse die Zuverlässigkeit des damals „umstrittenen“ Wankelmotors zu beweisen.
Dipl.-Ing. Dieter Klauke (77) erinnert sich gerne an den Nürburgring, aber es gab auch ein sehr trauriges Erlebnis.
Studium in Köln
Dieter Klauke und noch ein paar andere „Motorsportfans“ studierten in Köln Fahrzeugbau, der Chef-Professor war der „Fahrwerkspapst“ Jörnsen Reimpell. Am Wochenende ging es (fast) regelmäßig zum Nürburgring. Nach dem Studium hatten alle unterschiedliche Arbeitgeber. Dieter Klauke ging zu Fichtel und Sachs nach Schweinfurt und war dort zunächst Versuchs-Ingenieur im Wankelversuch, dann Versuchsleiter und später Entwicklungsleiter für Wankelmotoren und in der Fahrzeugentwicklung tätig. Sein berufliches Hobby war die Sachs-Wankel-Langstrecken-Rennmaschine, die zusammen mit der Motorradzeitung PS unter anderem mehrere Langstreckenrennen auf dem Nürburgring erfolgreich absolvierte.
„Mit der W 2000 waren wir x-mal auf der Nordschleife des Nürburgrings. Für Verbrauchsmessungen Zweitakt Yamaha, Viertakt Honda, Wankel Hercules. Schon damals und ganz neu mit Datenübertragung per Telemetrie. Empfangsstation war auf der Hohen Acht, ein Stück hinterm Karussell, meine ich.“
So nebenbei fuhr Dieter Klauke auch GoKart-Rennen um die Deutsche Meisterschaft und gewann vor 100.000 Zuschauern das erste Schneemobil-Rennen auf Arctic Lynx-Wankel in Hirtenteich (Baden Württemberg) in Deutschland.
Trauriger Sieg
Dieter Klauke erzählt weiter: „Mit dem GoKart auf dem Nürburgring, das muss 1971 gewesen sein. Ja da gäbe es viel zu erzählen, z. B. wie wir das GoKart in Schweinfurt auf eine derartig langen Gerade, die es auf keiner GoKart-Strecke gibt, übersetzt haben. 14:18 war die Übersetzung vom Motor zur Hinterachse. Der Motor 125 ccm, Drehschieber-Eigenbau, gemacht von meinem Mechaniker, dem „alten Fritz“, Mechaniker in meiner Wankel-Versuchswerkstatt (der nichts anderes gemacht hat, als mein GoKart für die Rennen vorzubereiten, o Gott!), am Nürburgring gemessene max. 213 km/h und ich habe das Rennen gewonnen. Und mich überhaupt nicht über den Sieg freuen können, weil am Tag davor, am Samstagnachmittag, ein GoKart-Kollege, den ich von anderen Rennen sehr gut kannte, aus Stuttgart, Dieter Hausmann, auf der Südschleife die richtige Übersetzung für das Rennen am nächsten Tag finden wollte. Er fuhr also auf der, wie er meinte, leeren Südschleife mit höchster Geschwindigkeit in der vorgeschriebenen Fahrtrichtung. Gleichzeitig war aber ein Rennleiter, der einen Schlüssel zu einem Tor zur Südschleife hatte, mit seinem Auto auf die Rennstrecke gefahren. Auch er meinte, die Strecke sei leer – und fuhr gegen die Fahrtrichtung. Ergebnis: Auto gegen GoKart: Dieter Hausmann war sofort tot. Man hat damals den Unfall unter der Decke gehalten, es wussten auch nur ein paar davon. Habe später nie mehr etwas davon gehört“.
40.000 Kilometer mit dem Wankel-Motor
Es sollte bewiesen werden, insbesondere gegenüber der Fachpresse, dass das Hercules-Wankel-Motorrad zuverlässig ist.
„Ziel war es also, mit einer Serien-Hercules-W2000 50.000 km zurückzulegen. Davon sollten die ersten 10.000 km auf normalen Landstraßen mit Stadt-, Überland- und Autobahnverkehr sein. Dazu ausgewählt wurde ein Rundkurs in Mittelfranken. Das ging problemlos. Für die weiteren 40.000 km – einen Benzinfaden einmal um die Welt legen – hatten wir die Nordschleife des Nürburgrings gemietet. Einmal pro Woche, meistens am Wochenende, fuhr ich selber in die Eifel, um mir ein Bild vom Fortgang der Dinge zu machen. Gewohnt habe ich dann immer im „Hotel Tribüne“, gleich gegenüber Start und Ziel. An diesem Abend drehte ich selbst ein paar Runden und freute mich darüber, wie problemlos das Motorrad lief.
Wenn man dann so im Bett lag, bei offenem Fenster, war die Eifel völlig ruhig. Kein Geräusch war zu hören. Nur knapp alle viertel Stunde näherte sich zunächst ganz leise, dann langsam lauter werdend, von der Antoniusbuche Richtung Start und Ziel kommend, das typische W2000 Geräusch. Schwellte dann wieder etwas ab durch die Südkehre, wurde wieder lauter auf der Gegengerade, um dann Richtung Hatzenbach ganz abzuklingen. Offensichtlich registrierte man diesen Vorgang auch im Unterbewusstsein. Denn plötzlich fuhr ich aus dem Schlaf hoch – das viertelstündliche Geräusch war ausgeblieben! Ein Blick zur Uhr zeigte mir, dass es zwanzig vor zwei war. Hatte ich mich getäuscht? War was kaputt? Oder ein Unfall? Hastig sprang ich in meine Kleider und lief zu den Boxen. „Was ist los? Ist was passiert?“ „Wir wissen es auch noch nicht. Lothar ist seit einer halben Stunde überfällig.“ Nein bitte nicht! Bitte nicht jetzt, so kurz vorm Ziel! „Der Transit ist schon unterwegs.“ Eine weitere nervenaufreibende halbe Stunde später sahen wir zwei Scheinwerfer am Horizont auftauchen. Beim Näherkommen sah ich Lothar mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Beifahrersitz des Transits. „Sch…, in der Hatzenbach – die Rechtskurve – abgestiegen – mein Knöchel – muss wohl kurz eingenickt sein -…“. „Ab ins Krankenhaus nach Mayen“. Und nun die W2000 hinten im Transit. Ausgeladen und auf den Rädern, Gras und Acker auf der rechten Seite entfernt, sah es gar nicht mehr so schlecht aus. „Eine Fußraste haben wir dabei. Und einen Handbremshebel auch.“ In einer halben Stunde war bereits alles repariert. Bei einer Proberunde zeigte sich, dass wir Glück im Unglück gehabt hatten: das Motorrad liegt wie vor dem Unfall – Gott sei Dank. Und Lothars Verletzung erwies sich als eine Verstauchung des rechten Knöchels – kein Bruch. Noch mehr Gott sei Dank!
Die restlichen Kilometer bis zur Marke 50.000 verliefen wieder problemlos. Und als die Zielflagge fiel, fiel auch die Spannung von allen Beteiligten ab. Geschafft. Ein hartes Stück Arbeit. Aber es hatte Spaß gemacht.“
Resümee
40.000 km mit einem Wankel-Motorrad auf der Nordschleife des Nürburgrings, eine fantastische Leistung. Der Motor war zwischenzeitlich aus dem Rahmen ausgebaut worden und vor klickenden Kameras wurde die Plombe des vor Fahrtbeginn verplombten Motors entfernt. Ein Schnitt, ein Klick und der Versuchsleiter hatte die Plombe in der Hand. „Her damit, die hätte ich gern“, sagte Dieter Klauke. Und die Plombe verschwand für die nächsten 30 Jahre in seinem Portemonnaie. Irgendwann hat er sie dann doch verloren – Schade!
Klaus Ridder
Das legendäre Motorrad mit Wankel-Motor, Typ W2000.
Zwischen der Gegengeraden und dem Start- und Ziel-Platz gab es ein Tor, durch das die GoKarts fuhren.
Dipl.-Ing. Dieter Klauke war der Konstrukteur des Hercules-Wankel Motorrads W2000 und der erste GoKart-Fahrer, der am Ring über 200 km/h fuhr.
