Motorjournalist Klaus Ridder traf Fred Rosterg, der 1994 Gesamtsieger beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring wurde
Mit elf Jahren über die Südschleife
Müllenbach. Klaus Ridder betritt einen Neubau am Ortsrand von Müllenbach, dort wo einst die legendäre Südschleife in Richtung Norden abbog. Fred Rosterg (60) empfängt ihn. Es ist sofort zu merken, dass hier ein (Ex-)Rennfahrer wohnt. Die Wände im Treppenhaus voller Bilder und wenn man hochschaut, sind auch Trophäen und Rennwagenmodelle zu erkennen. Fred Rosterg hatte Klaus Ridder angerufen und beide hatten sich zu einem Gespräch verabredet.
Vorher hatte Ridder bereits gegoogelt und so Einiges erfahren, so war Rosterg 1994 Gesamtsieger beim 24h-Rennen, dem größten Motorsportereignis der heutigen Zeitrechnung.
Mit elf Unfall auf der Südschleife
Vater Heinz war Hobby-Rennfahrer und lehrte seinem Sohn Fred früh das Autofahren.
„Mit elf Jahren bin ich mit einem BMW Sport Coupé über die Südschleife gefahren und habe von meinem Vater die erste Fahrstunde bekommen. Man konnte die Südschleife komplett mieten – für wenig Geld. Hinter der „Südkehre“ gab es eine Verbindung zwischen beiden Streckenabschnitten der Südschleife, man musste dann nicht die gesamte Betonschleife fahren. Hier fuhr ich ein Jahr später mit einem BMW 2000 TI so heftig in einen Maschendrahtzaun, dass das Auto kaputt war und ich nicht einmal wieder herauskam, weil sich der Maschendraht praktisch um das Auto gewickelt hatte. Das Abschleppunternehmen Willi Martini schleppte den kaputten BMW ab und wir bekamen einen Ersatzwagen in gleicher Farbe, sodass meine Mutter nicht einmal merkte, dass unser Auto kaputt war. Auch der Rücktausch nach der Reparatur klappte problemlos. Beim Nürburgring- Geschäftsführer Dr. Ludemann nahm mein Vater den Unfall auf ‚seine Kappe.
Ein Jahr später durfte ich, ich hatte immer noch keinen Führerschein, das 700er BMW Sport-Coupé über die Nordschleife fahren. Da habe ich dann schon ordentlich Gas gegeben. Meine „Instrukteure“ waren mein Vater und Hans Stuck - Ex-Auto Union-Rennfahrer vor dem Krieg. Auch der fuhr mit einem BMW 700 RS über die Nordschleife. Übrigens, von diesem Auto gab es nur 2 Exemplare, sie wurden auch von Hans Stuck gefahren.“
Vater Heinz war Hobby-Rennfahrer
Dr. Heinz Rosterg war Hobby-Rennfahrer. Er war dem Nürburgring verbunden und hatte eine Ferienwohnung im Haus von Josef Genn - „Jupp vom Nürburgring“ - in Balkhausen. Im Treppenaufgang befindet sich ein Bild, wo Dr. Heinz Rosterg in einem Mercedes 300 SL - Flügeltürer - 1955 durch Karussell fährt.
Fred Rosterg heiratete Alexandra Döring, sie kommt auch aus einer Rennfahrerfamilie aus Wirges im Westerwald bei Montabaur. Ihr Vater Helmut Döring war bekannt als „wilder Capri-Fahrer“, zusammen mit seinem „Capri-Zwilling“ Dieter Gartmann und Fritz Müller gewann er 1981 auf einem Capri 3.0S das 24h-Rennen. Sein Schwiegersohn Fred Rosterg machte es ihm 1994 nach und gewann ebenfalls den berühmten Rennklassiker.
Sieg beim 24h-Rennen 1994
Fred Rosterg erinnert sich an seinen Sieg: „3. bis 5. Juni 1994, das 24 Stunden-Rennen am Nürburgring steht an. Ich freue mich, mit einem seriennahen BMW M3 E36 Coupé des Teams Heico-Motorsport am Start zu sein. Meine Mitstreiter sind Karl-Heinz Wlazik sowie Frank Katthöfer. Wir sind ein sehr erfahrenes Trio, zusammen haben wir bereits 13 Klassensiege auf dem Buckel. Unser Auto ist für einen Klassensieg gut, im Gesamtklassement sind drei Werks-BMW, pilotiert unter anderem von Nelson Piquet, Jockel Winkelhock, Poldi von Bayern, Altfried Heger, sowie einige private Gr. A BMW M3 mit etwa 100 PS mehr Leistung als uns zur Verfügung steht, die Favoriten. Nach den Qualifikationstrainings fanden wir uns nicht nur als Schnellste unserer Klasse, sondern auch als 10. im Gesamtklassement wieder, was uns doch überraschte.
Punkt 16 Uhr am Samstag nahmen 142 Fahrzeuge die Hatz zweimal rund um die Uhr auf. Die Witterungsbedingungen waren zunächst gut, die ersten 90 Minuten blieb es trocken. Wir beachteten unsere Marschroute: keine Curbs mitnehmen, immer einen Tick unter dem Limit fahren und schonen, schonen, schonen. Ab 17.30 Uhr öffnete der Wettergott die Schleusen des Eifelhimmels, es begann zu schütten. Zunächst schmiss Franz Dufter seinen BMW M3 auf dem GP-Kurs in die Leitplanken, kurz darauf flog Bernd Mayländer mit einem weiteren M3 bei hohem Tempo am Schwedenkreuz ab. Um 22 Uhr fanden wir uns bereits an Platz vier im Gesamt wieder! Gegen Mitternacht zerstörte Poldi von Bayern seinen Werks-BMW im Aremberg, der Piquet/Winkelhock-BMW laborierte an Elektronikproblemen. Um 1 Uhr in der Nacht übernahmen wir die Spitze! Unbeeindruckt fuhren wir unser Rennen ohne auf die Konkurrenten zu achten und darauf konzentriert, bloß keine Fehler zu machen.
Wer in der Nacht nicht ertrunken oder erfroren war, drohte nun, gegen 6 Uhr morgens, von umstürzenden Bäumen erschlagen zu werden. Auch eine Werbebrücke wurde beschädigt, Werbeschilder flogen durch die Luft, die Rennleitung musste das Rennen um 6.45 Uhr unterbrechen! Gegen 9 Uhr wurde das Rennen erneut gestartet und Überraschung, es regnete immer noch wie aus Eimern! Durch die vielen unfallbedingten Safety-Car Phasen in der Nacht sowie die etwa 135 minütige Unterbrechung waren nun die Positionen bezogen, das oberste Gebot hieß „Auto auf der Straße halten!“
Die letzte Stunde fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein dem Sieg entgegen, um 16 Uhr fiel die herbeigesehnte karierte Flagge und ein denkwürdiges 24-Stunden-Rennen ging zu Ende. Es ist bis heute das Einzige, das von einem seriennahen Tourenwagen gewonnen wurde. 17 Jahre nach meinem ersten Start 1977 ging ein großer Traum in Erfüllung!“
Resümee
Früh übt sich, was ein Meister werden will!! Aber, es gab in den sechziger Jahren nur wenige Gokart-Strecken – da musste halt auf dem Nürburgring gefahren werden. Der Erfolg wurde belohnt, wer auf der „Tafel der Stars“ am Ende des Fahrerlagers verewigt wird – der kann stolz sein, zu den „Helden des Nürburgrings“ zu gehören. Klaus Ridder
