Allgemeine Berichte | 30.08.2021

Gemeinsam können viele helfende Hände den Winzer:innen eine Zukunft geben

Mit.a(h)r.beit gesucht für die Weinlesesaison

Solidarität - wie hier beim Helferschuttle in der Grafschaft - wird weiterhin benötigt. Foto: JOST

Kreis Ahrweiler. Die Flutkatastrophe Mitte Juli an der Ahr hat ein Ausmaß gezeigt, was bisherige Hochwasser dort und in seinen Auswirkungen auch so manch anderes in den Schatten gestellt hat.

„Ich habe davon im Urlaub auf Rügen erfahren. Mir standen die Tränen in den Augen als ich im Internet die Bilder sah, persönliche Nachrichten sowie Videos direkt von der Ahr las und sah. Zumindest gewann ich damit mehr und mehr Sicherheit, dass sie und Ihre Lieben noch leben“, sagt Eva Gerszke, die noch im Mai in den Weinbergen im Ahrtal zum Ausgeizen stand.

Die Flut und die Not der Bevölkerung hat sie total gepackt. Da gab es kein langes Nachdenken und Fragen. Es war klar, dass sie im Rahmen ihrer aktuellen Möglichkeiten helfen und von Nutzen sein wollte. Als Kind aus Bad Godesberg hat sie häufig mit ihren Eltern die Ahr beim Wandern und Genießen erkundet. Nun wollte sie einen Hauch von Mehrwert stiften und fragte offen im Netz, ob das eine gute Idee sei? Und Marion, eine Mit-Vinissima (ein Netzwerk von Frauen & Wein), sprang ohne Zögern auf den Zug und sie liefen los.

Die Rahmenbedingungen wurden mit Bekannten und Freunden an der Ahr, der Einsatzleitung für die Flut, dem Bauernverband und Hilfsorganisationen an der Ahr abgesprochen. Daneben ließ Marion Ihrer Kreativität freien Lauf und baute eine Website für diese Aktion, die anschließend im Netzwerk und über Freunde verbreitet wurde. Was dann folgte hat die Beiden völlig überwältigt und - wie es ein Winzer beschrieb - Hilfsbereitschaft und Gemeinsinn als Reaktion auf die Fluten beschert. „Mit diesem Miteinander und teils selbstlosem Einsatz hätte ich vor der Flut nie von Nachbarn und Helfern aller Art und Herkunft gerechnet.“, staunte eine betroffene Winzerin. „Wir können auch nur sagen, dass es uns beglückt hat, diese Dynamik und Zugkraft untereinander zu erleben. Wir hoffen, dass der Funke weiterhin überspringt und uns erhalten bleibt. Ursprung, Heimat, Erlebnisse und übergreifende Vision auf das, was fruchtet – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sind soziale Wesen – und das nicht erst seit Covid19“, freut sich Eva. Keine Rolle, kein Titel oder Geld der Welt kann Zusammenhalt und Miteinander ersetzen.

„Es wäre wunderbar, wenn wir noch mehr helfende Hände dazu gewinnen könnten“, hofft Marion. „Auf unserer Webseite haben wir alle Informationen zusammengetragen - was die Weingüter benötigen, und welche Voraussetzungen jede/r Helfer/in mitbringen sollte.“ Und was wird nun vor Ort gebraucht? Die Weingüter benötigen ab sofort Unterstützung bei den vorbereitenden Laub- und Kellerarbeiten und - voraussichtlich ab Mitte September - viele Hände, die bei der Lese mit anpacken können. Für alle diese Arbeiten sollten Interessierte eine gewisse Fitness mitbringen, denn die Arbeit im Weinberg ist körperlich anstrengend und die Weinregion Ahr bekannt für ihre Steillagen. Wichtig ist auch eine gewisse Flexibilität, denn die Traubenreife und das Wetter halten sich leider an keinen Plan und können damit auch mal einen Strich durch die Einsatzpläne machen.

Erfahrungen bei der Weinlese sind selbstverständlich von Vorteil, aber absolut keine Voraussetzung. Wer ohne bisherige Weinbergserfahrung unterstützen möchte, sollte sich nach Möglichkeit mindestens drei Tage einplanen für einen Einsatz, denn eine gewisse Einarbeitung ist schon nötig und man möchte ja auch aktiv beitragen.

Die beiden Weinenthusiastinnen arbeiten Hand-in-Hand mit Organisationen wie Ahrwein und Ahrwinzerhelfer zusammen. Interessierte können ihre Hilfsbereitschaft über einen Link auf der Infoseite direkt bei den lokalen Stellen anmelden. Diese Hilfezentren bringen HelferInnen und Hilfsbedürftige zusammen, koordinieren die Einsatzbereiche und sorgen auch über Shuttlemöglichkeiten dafür, dass jede:r zu dem Einsatzort kommen kann.

Was braucht das Ahrtal mehr als Aufbau und Perspektiven? Für die Winzerfamilien ist es jetzt wichtig den Jahrgang und damit die Zukunft zu sichern – egal ob grosses international bekanntes oder kleines Weingut, das mit der Genossenschaft zusammenarbeitet. Alle müssen an einem Strang ziehen, und hoffen auf weitere Unterstützung. „Also nur Mut und freudiges Zupacken, es wird Ihnen ganz herzlich gedankt“, muntern Eva und Marion auf.

„Legen Sie schon einmal feste Schuhe, Eimer, Handschuhe & Gartenschere bereit, nachdem Sie Sich über den Link in die Helferliste eingetragen haben. Die ehrenamtlichen Helfer melden sich bei Ihnen, sobald sie absehen können, wo und wann ihre Hilfe bestmöglich zum Einsatz kommen kann. Und bitte nicht böse sein, wenn es den einen oder anderen Tag dauert, bis eine Rückmeldung kommt. Die Koordinationsteams vor Ort arbeiten unter Hochdruck, aber es ist natürlich auch eine Riesenaufgabe, die bewältigt werden muss und wir alle möchten ja sicher gehen, dass die Hilfe passgenau dort ankommt, wo sie benötigt wird,“ informiert Marion.

„Wein kannten Sie bisher immer nur als wohlschmeckendes Getränk im Glas in geselliger Runde? Dann nutzen Sie doch jetzt die Gelegenheit eine völlig neue Perspektive kennen zu lernen und dabei auch noch die betroffenen Winzerfamilien zu unterstützen und mit ihnen gemeinsam den Grundstein für den nächsten Weinjahrgang und die Zukunft des Ahrtals zu legen“; sagen die beiden.

Und wie sagte bereits Jackie Chan: „Manchmal braucht es nur eine gute Tat um das Leben eines Menschen zu verändern.“

Weitere Informationen:

www.helfer-shuttle.de/winzer/ sowie

https://mrkontour.com/weingueter-weine/mit-ahr-beit-gesucht-fuer-weinlese/.

Eva Gerszke &

Marion Rockstroh-Kruft

Wer möchte in den Weinbergen an der Ahr mit anpacken? Foto: ROB

Wer möchte in den Weinbergen an der Ahr mit anpacken? Foto: ROB

Solidarität - wie hier beim Helferschuttle in der Grafschaft - wird weiterhin benötigt. Foto: JOST Foto: Volker Jost

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